Empörung über Visums-Verweigerung für Seppelt | Sport | DW | 12.05.2018
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Fussball-WM

Empörung über Visums-Verweigerung für Seppelt

Dass Russland dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt kein Visum zur Berichterstattung zur Fußball-WM gewährt, stößt in Deutschland auf massive Kritik. Politiker fordern Russland auf, den Schritt rückgängig zu machen.

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, nahm den Fußball-Weltverband in die Pflicht. "Ich bin gespannt, wie Herr Infantino jetzt darauf reagiert. Schließlich gibt die FIFA ja vor, die Einreise von Journalisten zur WM ermöglichen zu wollen", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Die FIFA mit ihrem Präsidenten Gianni Infantino hatte zuvor bestätigt, Seppelt die Akkreditierung für das WM-Turnier gewährt zu haben.

Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht nun den Weltverband in der Verantwortung. "Die FIFA hat betont, welchen hohen Stellenwert die Pressefreiheit für sie hat. Ich habe volles Vertrauen, dass die FIFA jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann", erklärte der DFB-Chef. Dagmar Freitag hatte via Facebook die Entscheidung Russlands "nicht nur völlig ungerechtfertigt, sondern geradezu skandalös" bezeichnet. Die Tatsache, dass Seppelt das russische Dopingsystem ans Licht gebracht habe, werde ihm jetzt offenbar zum Verhängnis, sagte sie.

Kubicki: Russischen Botschafter einbestellen

Nachdem zuvor auch die Bundesregierung die Entscheidung Russlands scharf kritisiert hatte, forderte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen (CDU), Russland müsse den Schritt rückgängig machen. "Russland sollte die Verweigerung des Visums für Herrn Seppelt korrigieren", sagte der frühere Minister dem "Tagesspiegel". "Sonst entsteht der begründete Verdacht, dass Russland entweder etwas zu verbergen oder ein Problem mit Transparenz und Fair Play im Sport hat oder beides."

FDP-Chef Christian Lindner forderte beim Parteitag in Berlin Außenminister Heiko Maas (SPD) auf, den Fall Seppelt zum Anlass zu nehmen, der russischen Regierung zu erklären, "was wir unter Presse- und Meinungsfreiheit verstehen". Der stellvertretende FDP-Parteivorsitzende Wolfgang Kubicki, sagte in der "Welt am Sonntag": "Außenminister Maas sollte den russischen Botschafter einbestellen und darauf hinweisen, dass auch während der WM eine freie Berichterstattung für Deutschland unabdingbar ist."

Russland kritisiert Seppelt

Die russische Seite verteidigte ihre Entscheidung. Seppelt wolle die Reise zur Weltmeisterschaft nur nutzen, um Russland zu verleumden und sich selbst daran zu bereichern, sagte der Abgeordnete Dmitri Swischtschow der Agentur R-Sport. "Was will ein Mensch, der mit Dreck wirft, mit unbestätigten Fakten arbeitet und in Russland nur das Negative sucht?", kommentierte das Mitglied des Sportausschusses in der Staatsduma.

Seppelt hatte mit seinen Recherchen maßgeblich dazu beigetragen, das russische Doping-System aufzudecken. Moskau hatte die Vorwürfe immer dementiert. Er habe aber nicht mit dieser Reaktion Russlands gerechnet, sagte Seppelt dem Portal "Salonkolumnisten". "Der Veranstalter ist die FIFA, und ein Vergabekriterium ist der ungehinderte Zugang für Medienvertreter aus aller Welt und eine freie Berichterstattung. Dass in diesem Fall Russland ein Visum verweigert, ist beispiellos", sagte er. Offenkundig habe die Aufdeckung des Staatsdoping-Systems so große Tragweite, dass Russland glaubt, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen, sagte Seppelt dem Sportinformationsdienst SID. "Das spricht für sich."

jmw/djo (dpa, sid)

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