Empörung über Delfin-Schlachtaktion | Aktuell Asien | DW | 21.01.2014
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Aktuell Asien

Empörung über Delfin-Schlachtaktion

Tradition oder Grausamkeit? In einer Bucht bei Taiji in Japan sind wieder zahlreiche Delfine abgeschlachtet worden. Nicht nur Tierschützer sind entsetzt. Japan versteht die ganze Aufregung überhaupt nicht.

Augenzeugen berichteten, Fischer hätten zahlreiche Meeressäuger abgestochen - abgeschirmt hinter blauen Plastikplanen in einer kleinen Bucht. Rund 250 Delfine waren nach Angaben von Tierschützern zuvor dorthin getrieben worden. In einem angrenzenden Hafen werden die Tiere zerlegt, das Fleisch wird verkauft. Mehr als 50 der Meeressäuger, darunter ein Albino-Jungtier, wurden zum Verkauf an Delfinarien und Vergnügungsparks ausgesondert, wie es heißt.

Die alljährlich stattfindende Treibjagd in der Bucht nahe Taiji hat durch den Oscar-gekrönten Dokumentarfilm "Die Bucht" des Unterwasser-Fotografen Louie Psihoyos traurige Berühmtheit erlangt. Die Schlachtaktion stößt weltweit auf Empörung. Selbst die neue US-Botschafterin in Japan, Caroline Kennedy, hatte über den Kurznachrichtendienst Twitter Kritik an der "Unmenschlichkeit" der Delfintötungen geübt. Nun meldete sich auch die japanisch-amerikanische Multimedia-Künstlerin Yoko Ono zu Wort. In einem offenen Brief an die Fischer von Taiji rief sie zu einem Ende der Schlachtungen auf. Die Gemetzel schadeten Japans internationalem Ansehen, so die Witwe des Beatles-Sängers John Lennon.

Rinder und Schweine ja, Delfine nein?

In Reaktion auf die ungewöhnliche Kritik durch die US-Botschafterin verwies der Gouverneur der Provinz Wakayama, in der Taiji liegt, auf die Unterschiede in der Esskultur. Es sei "nicht angemessen" zu behaupten, dass nur die Jagd auf Delfine verwerflich sei, sagte Yoshinobu Nisaka vor Journalisten und verwies auf die Schlachtungen von Rindern und Schweinen. Im übrigen unterlägen Delfine nicht dem seit 1986 geltenden Walfangverbot. Es sei die "Weisheit der Zivilisation, die Standpunkte anderer gegenseitig zu respektieren".

Auch ein Sprecher der japanischen Regierung rechtfertigte die Delfinjagd. Diese werde "auf Grundlage des Gesetzes in geeigneter Weise" durchgeführt. Die Regierung in Tokio erlaubt die Treibjagd und gibt Fangquoten aus. Danach dürfen Fischer in Taiji sowie einigen anderen Orten zwischen September und März bis zu 20.000 Delfine sowie andere kleine Wale töten.

Das deutsche Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) beklagte die "Untätigkeit der deutschen Politik". "Aus Berlin war von Regierungsseite nicht ein Wort zu dem grausamen Treiben in Taiji zu hören. Der deutsche Gesandte in Tokio schweigt ebenfalls zu dem Delfin-Abschlachten. Wir werden jetzt über Facebook eine Aktion starten, um die Politiker wachzurütteln", kündigte WDSF-Geschäftsführer Jürgen Ortmüller an.

wa/as (dpa, ots)