Die Emmys: Divers, aber nicht divers genug | Filme | DW | 19.09.2021
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Filmpreise

Die Emmys: Divers, aber nicht divers genug

Die Film- und Fernsehbranche wird allmählich vielfältiger: Auch die Emmy Awards in den USA haben ihre Regularien angepasst. Eine Datenanalyse mit Rückblick.

Bildkombination der Schauspieler:innen: Regé-Jean Page, MJ Rodriguez, Michaela Coel und Bowen Yang.

Regé-Jean Page, MJ Rodriguez, Michaela Coel und Bowen Yang sind für die Emmys 2021 nominiert

Blitzlichtgewitter und roter Teppich: Während im vergangenen Jahr die Emmy Awards wegen der Corona-Pandemie nur online stattfinden konnten, trifft sich die Branche in diesem Jahr wie gewohnt in Los Angeles - unter strengen Hygienevorschriften, versteht sich. Der bedeutendste Fernsehpreis, der neben dem Oscar, den Tony- und Grammy-Awards der viertgrößte Preis der US-Unterhaltungsindustrie ist, wird zum 73. Mal in der Nacht vom 19. auf den 20. September verliehen.

Die allerersten Emmy-Trophäen wurden 1949 vergeben - seitdem hat sich einiges getan. Vor allem in den vergangenen zwei, drei Jahren haben Bewegungen wie #MeToo und #BlackLivesMatter die US-Unterhaltungsindustrie wachgerüttelt und sie dazu gezwungen, sich mit Fragen der Repräsentation einer vielfältigen Gesellschaft vor und hinter der Kamera auseinanderzusetzen. Wir nehmen die Emmys unter die Lupe. Hat sich dort etwas getan?

Zeit für Veränderung

Während die Academy Awards noch lange mit der im Rahmen von #OscarsSoWhite vorgebrachten Kritik zu ringen hatten, präsentierte sich die alljährliche Emmy-Verleihung oft vielfältiger. Das lag unter anderem daran, dass eine Vielzahl der eingereichten Fernsehsendungen, darunter die der Streaming-Giganten Netflix, Hulu und Amazon, ohnehin schon viel diverser sind. Auch im vergangenen Jahr setzten die Emmys ein Zeichen für mehr repräsentierte Vielfalt, wie der Hollywood Diversity Report 2021 berichtet. 

Mehrere prominente BIPoC-Personen (die Abkürzung steht für Black, Indigenous and People of ColorSchwarze, Indigene und People of Color) sowie LGBTQ-Schauspielerinnen und -Schauspieler haben historische Primetime-Emmy-Preise gewonnen. Die Fernsehakademie hat im Namen der Diversität mehrere Änderungen an ihrem Nominierungsverfahren vorgenommen.

Noch nicht am Ziel

Doch einige kritisieren, dass die Reformen nicht weit genug gehen: Im vergangenen Jahr war keine einzige Latinx-Person nominiert (Latinx ist eine inklusive und geschlechtergerechte Selbstbezeichnung von Menschen lateinamerikanischer Herkunft). Und auch andere BIPoCs waren unter den Ausgezeichneten eher spärlich vertreten.

Das blieb nicht ganz ohne Protest: John Leguizamo, der 1999 einen Emmy für seine Varieté-Show "Freak" erhalten hatte, kritisierte die Verleihung daraufhin: "Es ist unglaublich, dass unsere Geschichten nicht erzählt werden", sagte der Schauspieler in einem Interview mit der Plattform Yahoo!Entertainment. "Die Führungskräfte sehen uns nicht, verstehen uns nicht - kümmern sich nicht um uns." Die Tatsache, dass in Los Angeles, wo die Preise vergeben werden und viele Produktionsfirmen ihren Sitz haben, fast 50 Prozent Latinx und Hispanics leben, diese aber derart unterrepräsentiert sind, bezeichnet der Schauspieler als "cultural apartheid".

Die Reaktion der Emmy-Verantwortlichen ließ nicht lange auf sich warten: "Als Organisation, die allen in der Fernsehbranche tätigen Personen für eine Mitgliedschaft offen steht, stimmt die Television Academy mit Nachdruck zu, dass in unserer Branche noch viel Arbeit in Bezug auf die Repräsentation zu leisten ist", sagte ein Sprecher. "Wir sind der Meinung, dass es ein sehr positives Zeichen ist, dass in den letzten zehn Jahren die wohlverdiente Anerkennung von PoC-Darstellerinnen und -Darstellern von eins von zehn auf eins von drei Nominierte in allen Darstellerkategorien gestiegen ist", fügte er hinzu.

Infografik Wie divers sind die Emmys - Vergleich der Jahr 2001, 2011 und 2021

Nominierungen 2021 im Überblick 

Inzwischen haben viele Akteurinnen und Akteure der Film- und Fernsehwelt die Diversität in den Blick genommen - und die Fortschritte liegen auf der Hand. Während BIPoC-Schauspielerinnen und -Schauspieler in den vergangenen zehn bis 20 Jahren kaum repräsentiert waren, sieht es in diesem Jahr ganz anders aus. Die erste Grafik zeigt, dass etwa 44 Prozent der Anwärterinnen und Anwärter in den Schauspiel-Kategorien BIPoCs sind. 

Zudem hat die Television-Academy, die die Emmys vergibt, zum ersten Mal eine Transfrau für ihre Hauptrolle nominiert: MJ Rodriguez, die in "Pose", einer Serie über die New Yorker Gay-Ballroom-Szene in den 1980er-Jahren, spielt, ist als beste Schauspielerin in einem Dramafilm nominiert.

Ganz anders sieht es in den Kategorien Regie und Drehbuch aus (siehe folgende Grafik): Dort sind nach wie vor weitaus mehr Regisseurinnen und Regisseure sowie Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren nominiert, die weiß sind. 

Infografik der Emmy-Nominierungen für Weiße und BIPoCs in der Kategorie Regie der Jahre 2019 bis 2021

Denise M'Baye: "Brauchen mehr Diversität auf allen Etagen"

In der deutschen Film- und Fernsehlandschaft sind ebenfalls Fortschritte in Richtung mehr Diversität zu erkennen: "Ich merke, dass sich etwas ändert - aber im kleinen Rahmen", sagt die Schauspielerin Denise M'Baye. "Ein Beispiel: Lorna Ishema (deutsche Schauspielerin, die in Uganda geboren wurde, Anm. d. Red.) wurde für den Film 'Ivie wie Ivie' für den deutschen Filmpreis nominiert. Das ist so eine große Sache, es gab in der Schwarzen Filmschaffenden-Community einen großen Beifall für diese Nominierung. Die Tatsache, dass wir uns so darüber freuen, zeigt, dass es eine Ausnahme ist und wie wenig selbstverständlich das heute immer noch ist."

Porträt von Schauspielerin Denise M'Baye.

Schauspielerin und Sängerin Denise M'Baye

M'Baye hat unter anderem elf Jahre in der deutschen TV-Serie "Um Himmels Willen" die Novizin Lela gespielt und trug einen wesentlichen Teil dazu bei, dass Schwarze Schauspielerinnen sich im deutschen Fernsehen etablierten.

"Ich habe in diesem Jahr gemerkt, dass meine Rollenangebote andere werden, selbst die Rollennamen klingen deutsch. Die Rollen hätten auch blonde Frauen besetzen können. Ich merke also, dass ein Wandel stattfindet und hoffe, dass er nicht nur an der Oberfläche bleibt und nicht nur wegen der Quote erfüllt wird, sondern dass uns klar wird, dass es Sinn macht, diese diverse Gesellschaft, dieses vielfältige Deutschland abzubilden," sagt die 45-Jährige und plädiert auch für mehr Diversität unter den Redakteurinnen und Redakteuren, Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren sowie Regisseurinnen und Regisseuren:

"Wenn wir am Ende, bei der Preisverleihung, beginnen, und uns dort mehr Diversität wünschen, dann steht am Anfang das Drehbuch. Die Frage ist, wer sind die Entscheider*innen. Leider ist es immer noch so, dass marginalisierte Gruppen und People of Color immer noch unterrepräsentiert sind. Wir brauchen mehr Diversität auf allen Etagen, um unsere Gesellschaft abzubilden. Diese ist nun mal divers."

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