EM-Finalrunde: Bis zu 60.000 Fans in Wembley | Sport | DW | 22.06.2021
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EURO 2020

EM-Finalrunde: Bis zu 60.000 Fans in Wembley

Die britische Regierung will bei den in London geplanten Halbfinal-Spielen und im EM-Finale bis zu 60.000 Fans zulassen. Wegen der in Großbritannien grassierenden Delta-Variante wird über einer Verlegung debattiert.

Lieber Corona-Risiko gehen mit bis zu 60.000 Zuschauern in Wembley als die EM-Halbfinals und das Endspiel an Konkurrenten wie Budapest oder auch München verlieren. Das scheint die Devise der britischen Regierung unter Premierminister Boris Johnson zu sein. Die UEFA begrüßte das Vorhaben, mehr Zuschauer als bisher vorgesehen in Wembley zuzulassen. "Dieses Turnier war ein Leuchtturm der Hoffnung, um den Menschen zu versichern, dass wir zu einem normaleren Leben zurückkehren, und dies ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg", sagte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.

Deutliche Kritik am Corona-Kurs während der EM äußerte die Weltgesundheitsorganisation, "Die WHO ist besorgt über die Lockerung der Beschränkungen in einigen der Gastgeberländer", sagte Robb Butler, Exekutivdirektor beim WHO-Regionalbüro für Europa. "Einige Länder, in denen das Turnier ausgetragen wird, erhöhen jetzt die Zahl der Zuschauer, die ins Stadion dürfen, um ein Spiel zu sehen." Dabei seien dort teilweise bereits steigende Infektionszahlen zu verzeichnen. 

Boris Johnson

Boris Johnson will die Finalrunde in London halten

60.000 Zuschauer entsprächen zwei Drittel der kompletten Auslastung von 90.000 Plätzen des Wembley-Stadions, wo die Halbfinals am 6. und 7. Juli und das Finale am 11. Juli geplant sind. "Die Finalspiele versprechen, ein unvergesslicher Moment in unserem nationalen Bestreben zu werden, die Pandemie zu überwinden", sagte der britische Kultur- und Sportsekretär Oliver Dowden. Die Kulisse von 60.000 Fans wäre die größte bei einem Sportevent in Großbritannien seit 15 Monaten. In den Gruppenspielen sind in Wembley 22.500 Fans zugelassen, für die beiden Achtelfinalspiele am Samstag und kommenden Dienstag sind bis zu 45.000 Zuschauer im Fußball-"Tempel" der englischen Hauptstadt erlaubt. 

Kritik aus dem Ausland

In Deutschland, Frankreich und Italien stoßen die Pläne Großbritanniens auf Skepsis bis Ablehnung. Selbst 22.500 Zuschauer in London sind aus Sicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zu viel. "Unverantwortlich" und das "völlig falsche Signal" seien Spiele vor Fans in England, da dort die Infektionszahlen seit Tagen stiegen, so Lauterbach. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie sei "skeptisch", Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Ministerpräsident Mario Draghi pflichteten ihr bei. "Ich bin dafür, dass das Finale nicht in einem Land stattfindet, in dem das Infektionsrisiko sehr hoch ist", sagte Draghi. Italiens Nationalmannschaft soll am Samstag ihr Achtelfinale gegen Österreich in London spielen.

Konkurrenten in Stellung

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) brachte bereits München als alternativen Austragungsort in Stellung. "München ist für alles bereit. Wir würden uns jederzeit freuen, noch ein Spiel zu nehmen", sagte Söder und erhielt dafür Zuspruch von Dagmar Freitag, der Vorsitzenden des Sportausschusses im Bundestag, und CDU-Europapolitiker Peter Liese. Auch die Fraktionsvorsitzenden von CDU und CSU im deutschen Bundestag warben für München als Alternativ-Spielort: "Wenn es die Chance gibt, dann sind wir gerne bereit, diese Spiele auch in München durchführen zu lassen", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt am Dienstag bei einem gemeinsamen Auftritt mit seinem CDU-Kollegen Ralph Brinkhaus in Berlin.  

Ungarn Budapest | UEFA Euro 2020 | Ungarn v Portugal

Volles Haus in Budapest: Die Puskas Arena ist das bislang einzige EM-Stadion, in dem mit Vollauslastung gespielt wurde

Der Schritt der britischen Regierung gilt als Zugeständnis an die UEFA. Bereits früher am Dienstag hatte Premierminister Boris Johnson mitteilen lassen, dass Großbritannien sich auf "fantastische Finalspiele" in London freue. Zuletzt hatte die Tageszeitung "Times" darüber spekuliert, dass London angesichts der Pandemie-Entwicklungen die Entscheidungsspiele verlieren könnte. Als Alternative für die zwei Halbfinals und das Finale war Budapest ins Spiel gebracht worden. Die ungarische Hauptstadt ist der einzige Spielort des Turniers, bei dem bisher mit voller Auslastung gespielt wurde. Das Nationalstadion "Puskas Arena" fasst mit 60.000 Zuschauern genau so viele, wie die britische Regierung nun auch in Wembley zulassen will.  

dvo/sn (SID)

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