Eliud Kipchoge: Der Weltrekordler, der Toiletten putzt | Sport | DW | 17.09.2018
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Marathon

Eliud Kipchoge: Der Weltrekordler, der Toiletten putzt

Olympiasieger, ein Superstar in seiner Heimat und nun auch Weltrekordler im Marathon: Der Kenianer Eliud Kipchoge ist ein Ausnahmeathlet – der alles dafür tut, ganz normal zu bleiben.

Auch hinter der Ziellinie verließen ihn die Kräfte nicht: Eliud Kipchoge stürmt jubelnd einfach weiter, applaudiert dem Publikum und rennt dann mit ausgebreiteten Armen zu einem seiner Betreuer, nur um darauf weiter im Zielbereich jubelnd seine Runden zu drehen. Alles ganz locker, mühelos und irgendwie gar nicht erschöpft. Ein Phänomen.

Der Kenianer Eliud Kipchoge schreibt beim Berlin Marathon mit seiner Zeit von 2:01:39 Stunden für die 42,195 Kilometer Sportgeschichte. Mit seinem neuen Weltrekord rückt er auf in die Riege der ganz Großen seines Sports. Am Tag nach seinem Fabellauf ist Eliud Kipchoge immer noch berührt vom Geschehen in der deutschen Hauptstadt. "Nicht viel" habe er geschlafen, verrät er im Interview mit dem regionalen Sender RBB, "mir ging noch sehr viel durch den Kopf. Aber ich habe die Nacht genossen. Gestern war ein perfekter Tag."

Der Gedanke an die Heimat pusht ihn

Eliud Kipchoge kenianischer Marathonläufer (Getty Images/AFP/S. Maina)

Einer unter vielen: Superstar Eliud Kipchoge trainiert und lebt mit vielen Läufern gemeinsam

Das kann man so sagen. Denn der kenianische Volksheld lief das wohl beste Rennen seiner bislang schon sehr erfolgreichen Karriere, die 2003 mit einem völlig überraschenden Weltmeistertitel über 5000 für den damaligen Nachwuchsläufer Kipchoge begonnen hatte. Zunächst gut abgeschirmt von seinen "Hasen", den Tempomachern, verließen die bald die Kräfte - wegen des höllischen Tempos von Kipchoge. Ab Kilometer 26 war der Olympiasieger von Rio de Janeiro ganz auf sich gestellt, sein letzter Helfer musste abreißen lassen. Kipchoge lief unbeirrt weiter seinen Rhythmus. Der einzige Schreckmoment ereignete sich zwei Kilometer vor dem Ziel als Kipchoge bei einer Getränkeannahme neben die Flasche griff. Geschenkt: Das Ziel erreichte er dennoch in Rekordzeit.

Möglich wurde die nur durch eins, sagt Kipchoge: Training. "Es war unglaublich hart", sagte Kipchoge nach dem Rennen der ARD und es steckt eine nahezu kindliche Freude in seiner Stimme, wenn er über sein Rennen spricht. "Aber ich war wirklich gut vorbereitet auf Berlin. Ich vertraue auf mein Training und auf das Programm, das mein Trainer ausgearbeitet hat. Und ich denke im Rennen daran, wie ich mich in Kenia auf das Rennen vorbereitet habe, das pusht mich auf den letzten Kilometern." Heimatverbundenheit ist für Kipchoge nicht nur schnell daher gesagt. Trotz Millionen-Einnahmen läuft und lebt er nicht im reicheren Europa, sondern in seiner Heimat. Sein ganzes Leben ist auf das Laufen ausgerichtet. Jeden Tag außer Sonntag trainiert er. Er führe ein spartanisches Leben, heißt es über Kipchoge, der nach eigener Aussage morgens um fünf Uhr aufsteht.

Ein bescheidenes Leben, keine Partys

Und er betont, nur einer von vielen zu sein. Kipchoge ist genauso für die Reinigung von Zimmern wie Toiletten eingeteilt wie andere, weniger bekannte Läufer. Und natürlich holt er gemeinsam mit seinen Kollegen laufend Wasser vom Brunnen. Zwar verdient der 33-Jährige Topstar seines Landes schon seit Jahren genug, um sich ein besseres - oder sagen wir eher: komfortableres - Leben leisten zu können, doch danach steht ihm offenbar nicht der Sinn. Kipchoge lebt bescheiden, meidet Partys, übt sich in Demut und tut einfach, was notwendig ist für den Erfolg.

"Das Camp ist sehr einfach und wurde eigentlich für Nachwuchssportler und Athleten ohne Mittel gebaut", sagt Valentijn Trouw, der Manager von Kipchoge. Sein Schützling habe auch nach den ersten großen Preisgeld-Schecks entschieden, zu bleiben. "Eliud ist klar geworden, dass er ein Team um sich braucht, um im Marathon erfolgreich zu sein." Und so lebt Kipchoge noch immer wie ein Amateursportler und inspiriert damit jüngere, die ihm nacheifern.

Der Kampf um den Rekord

"Eliud ist wirklich wie ein Bruder für mich", sagt zum Beispiel Geoffrey Kamworor, 25, über sein Vorbild. "Ich will immer in seiner Nähe sein, um so zu werden wie er. Er ist ein echtes Idol für mich." Und Kamworor ist nun wirklich kein unbeschriebenes Blatt mehr: 2017 gewann er den New York Marathon, 2018 wurde er zum dritten Mal Halbmarathon-Weltmeister. Er und viele andere Läufer wollen in Kipchoges Fußstapfen treten, wollen seinen Weg gehen.

Deutschland Berlin Marathon Sieger Eliud Kipchoge (Getty Images/A. Hassenstein)

Dankbar für die Unterstützung seines Trainerstabs: Eliud Kipchoge jubelt mit seinem Coach

Begonnen hat der wie so oft in kenianischen Läuferbiografien mit Hürden und viel Arbeit. Eigentlich wollte Kipchoge Personalmanagement studieren, doch seiner Familie fehlte das Geld für die Universität. Also setzte er bereits als Teenager auf das Laufen, in Kenia für einige wenige Athleten der Weg zu – nach heimischen Maßstäben - unermesslichem Reichtum. So reifte im Hochland des Rift Valleys ein Jahrhunderttalent heran, das schon als Junior Weltmeistertitel gewann. Kipchoge gewann auf der Bahn, beim Crosslauf und auf der Straße - und hörte damit einfach nicht mehr auf.

Der Weltrekord im Marathon, war dann aber selbst für ihn, dem vieles zuzufliegen schien, kein Selbstläufer. Zwei mal attackierte er den Rekord vergeblich. "Sie sagten mir: Du kannst den Rekord zwei Mal verpassen, aber nicht ein drittes Mal. Ich danke allen, dass ich es geschafft habe", meinte ein überglücklicher Eliud Kipchoge in Berlin, der am Tag nach seinem Triumph bereits sein nächstes Ziel fest ins Visier nimmt: "Ich glaube daran, dass ich bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 meinen Titel verteidigen kann."

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