Eliten im Tiefschnee: Was bringt Davos 2019? | Wirtschaft | DW | 21.01.2019
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Weltwirtschaftsforum

Eliten im Tiefschnee: Was bringt Davos 2019?

In dieser Woche trifft sich die globale Elite aus Politik und Wirtschaft zum Weltwirtschaftsforum in Davos. In Zeiten von Handelskonflikten und Nationalismus wird es ein schwieriges Treffen.

Das globale Wirtschaftswachstum verliert an Kraft, Handelskonflikte nehmen zu, Umweltprobleme und Klimawandel sind ungelöst, und gleichzeitig kündigen sich große Umwälzungen durch die Digitalisierung an.

"Jedes einzelne dieser Themen ist eine große Herausforderung", sagte Borge Brende, früher norwegischer Außenminister und jetzt Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF). "Zusammengenommen sind sie eine gewaltige Aufgabe, die nur durch Zusammenarbeit bewältigt werden kann."

Allerdings fehlt zunehmend der Wille zur Zusammenarbeit. US-Präsident Donald Trump ist ein erklärter Gegner multilateraler Abkommen, Brasiliens neuer Präsident schlägt ebenfalls nationalistische Töne an. In Europa dreht sich alles um den Brexit, in Italien regieren Populisten, in Frankreich demonstrieren die Gelbwesten, der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass, und China lässt gegenüber Taiwan die Muskeln spielen.

Klaus Schwab, der geschäftsführende Vorsitzende, sieht das von ihm 1971 gegründete Forum als einen Ort der Verständigung. "Dialog, um gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen, ist heute wichtiger als jemals zuvor", so Schwab.

Schweiz US-Präsident Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos (DW/P.Britz)

US-Präsident Donald Trump (Mitte) zog beim Weltwirtschaftsforum 2018 alle Aufmerksamkeit auf sich

Viel Prominenz, viele Diskussionen

WEF-Präsident Brende klang wie der Betreiber einer Jahrmarktsattraktion, als er von der hochrangigen Besetzung in diesem Jahr schwärmte.

"Wir haben 37 Staats- und Regierungschefs aus Europa und Eurasien, aus dem Nahen Osten sind es neun. Wir haben sechs Präsidenten aus Lateinamerika und sechs oder sieben aus Afrika", zählte er auf. "Aus China kommt Vizepräsident Wang."

Alles in allem sind rund 70 Staats- und Regierungschefs sowie die Spitzen der Vereinten Nationen, des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der Welthandelsorganisation WTO unter den rund 3000 Teilnehmern. Außerdem 300 Minister, 1000 Unternehmenschefs, zahlreiche Wissenschaftler sowie Repräsentanten von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen.

Und was machen die alle in den Schweizer Bergen? Nichts weniger als den Zustand der Welt verbessern, schließlich ist das die offizielle Mission des Forums. In den Worten von WEF-Präsident Brende: "Unsere Herausforderung ist es, mit all den Regierenden, den Vertretern internationaler Organisationen, der Geschäftswelt und der Zivilgesellschaft nach Lösungen zu suchen für die drängendsten Probleme der Welt."

Ohne Trump und Macron, mit Bolsonaro und Merkel

Allerdings werden in Davos keine internationalen Abkommen unterzeichnet. Und Donald Trump, der Mann, der wie kein zweiter die bisherige Ordnung der Dinge in Frage stellt, wird nicht dabei sein. Mit Verweis auf den ungelösten Haushaltsstreit mit dem US-Kongress hatte er seine Teilnahme abgesagt, seine Minister reisen ebenfalls nicht nach Davos.

Auch Frankreichs Päsident Emmanuel Macron bleibt zu Hause - offiziell wegen seines vollen Terminkalenders, inoffiziell, weil die Teilnahme am Elitentreffen seiner Glaubwürdigkeit im gerade begonnenen Dialog mit den Bürgern wohl schaden könnte.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt dagegen, ebenso wie ihre Nachfolgerin als CDU-Chefin, Annegret Kramp-Karrenbauer, und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Brasiliens neuer Präsident, Jair Bolsonaro, wird in Davos seine erste Rede vor internationalem Publikum halten.

Für das Davoser Forum ist das Fehlen von Donald Trump unter PR-Gesichtspunkten sicher ein Verlust. Vor einem Jahr bestimmte Trumps Anwesenheit die Schlagzeilen, auch wenn er zur Diskussion globaler Probleme nichts beizutragen hatte.

Stattdessen appellierte Trump an die anwesenden Unternehmer, in seinem Land zu investieren. Das machen in Davos viele Regierungschefs, doch nur die wenigsten wagen es, sich so auf Eigenwerbung zu beschränken wie Trump.

China | World Economic Forum in Vietnam (picture-alliance/dpa/Photoshot/L. Gang)

Will die Globalisierung schon vor 20 Jahren kritisiert haben: WEF-Gründer Klaus Schwab

Blick in die Zukunft

Thematisch widmet sich das Forum in diesem Jahr den Auswirkungen von Globalisierung und industrieller Digitalisierung. Unter der Überschrift "Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution" soll der Blick in die Zukunft gewagt werden.

Der Welt mangele es an Visionen, findet WEF-Gründer Schwab, und das Forum könne hier helfen - auch wenn er sich bewusst sei, dass Vorschläge von Eliten von vielen Bürgern zunehmend skeptisch gesehen werden.

"Eliten gelten als nicht vertrauenswürdig, wenn ihr Blick nur auf die nächsten Wahlen oder den nächsten Quartalsbericht ausgerichtet ist", so Schwab. "In Davos verfolgen wir dagegen bewusst einen langfristigen Ansatz. Wir orientieren uns an den Chancen, wir wollen gestalten."

Kritik an Eliten

Doch auch an Schwab geht die Kritik an Eliten nicht spurlos vorüber, und so bemühte er sich um Abgrenzung. Zwar sei die Globalisierung eine Tatsache und habe auch viele Gewinner hervorgebracht, aber er und das Forum seien nie Anhänger der Ideologie gewesen, alles den freien Kräften des Marktes zu unterwerfen.

Er selbst habe schon 1996 davor gewarnt, die Globalisierung sei in ihrer jetzigen Form nicht nachhaltig, sagte Schwab.

"Wenn wir jetzt über die Globalisierung 4.0 sprechen, dann muss sie inklusiver und nachhaltiger sein", so Schwab. "Und sie muss mehr auf moralischen Prinzipien beruhen. Wir brauchen eine Moralisierung, eine Remoralisierung der Globalisierung."

Bei seinem selbstgesteckten Ziel, zumindest die Zahl der weiblichen Teilnehmer deutlich zu erhöhen, kommt das WEF nur schleppend voran. Die Frauenquote liegt in diesem Jahr bei niedrigen 22 Prozent, nach 21 Prozent im Vorjahr.

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