Eine neue Ära für die Cyberwährung Bitcoin | Wirtschaft | DW | 11.12.2017
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Kryptowährung

Eine neue Ära für die Cyberwährung Bitcoin

Auf diesen Termin hatten die Anleger lange gewartet: Seit Sonntag werden Bitcoin-Future an der Chicagoer Derivatebörse CBOE gehandelt. Demnächst folgt die Lokalrivalin CME. Bitcoin wird damit für Großanleger greifbar.

Die Cyberwährung Bitcoin bewegt seit Monaten die Gemüter an den Finanzmärkten. An diesem Sonntag hat Bitcoin nun einen Schritt in die traditionelle Finanzwelt gemacht: Seit Mitternacht gibt es an der Chicagoer Optionsbörse CBOE den ersten Terminkontrakt (Future) auf Bitcoin an einem beaufsichtigten Handelsplatz. An der US-Derivatebörse CBOE in Chicago hatten Bitcoin-Januar-Futures mit 15.460 Dollar geöffnet und stiegen binnen weniger Stunden auf 16.450 Dollar. Allein innerhalb der ersten 15 Minuten wurden 192 Kontrakte gehandelt.

Auch bei der Konkurrenz wird es bald Bitcoin-Futures geben. So hat die renommierte Chicagoer Terminbörse CME angekündigt, ab dem 18. Dezember Terminkontrakte für Bitcoin anzubieten. Die New Yorker Technologie-Börse Nasdaq plant Insidern zufolge Ähnliches. Die Papiere gelten als Türöffner für das Engagement institutioneller Anleger in die Cyber-Devise.

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Die US-Investmentbank Goldman Sachs plant laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, in diesem Geschäft mitzumischen: Goldman Sachs wolle zwar nicht auf eigene Rechnung beim Handel mit solchen Bitcoin-Futures mitmachen, solche Geschäfte aber für ausgewählte Kunden ausführen, hieß es unter Berufung auf eine eingeweihte Quelle. Eine Sprecherin der Bank sagte lediglich, dass es sich um ein neues Produkt handele, dessen Risiken man derzeit prüfe.

Der Kurs von Bitcoin ist nach dem Start des ersten Terminkontrakts gestiegen. Beim Handelsplatz Bitstamp kostete ein Bitcoin am Montag knapp unter 16.000 Dollar und damit deutlich mehr als am Sonntag.

Spekulieren auf Kursentwicklung jetzt möglich

Mit Future-Kontrakten werden Rohstoffe oder Finanzprodukte zu einem vorab festgelegten Preis für einen künftigen Zeitpunkt gehandelt. Käufer und Verkäufer können sich so gegen Preisschwankungen absichern. Risiken entstehen dann, wenn eine der beiden Parteien das Geschäft nicht erfüllen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Versprechen nicht eingelöst werden kann, ist umso größer, je stärker der Preis des Produkts schwankt. Platzt ein Termingeschäft, ist ein gefährlicher Dominoeffekt möglich. Es sind auch Spekulationen auf Kursentwicklungen möglich - auch auf einen Wertverfall.

Mit Aussicht auf die Einführung der Futures hatten die Kursschwankungen beim Bitcoin zuletzt noch einmal zugenommen. Seit Mittwoch vergangener Woche sprangen die Notierungen für den Bitcoin zwischen 11.600 Dollar und 16.600 Dollar hin und her. Noch stärker waren die Ausschläge bei der Handelsplattform Coinbase, wo der Bitcoin am Donnerstag kurzzeitig fast 20.000 Dollar gekostet hatte.

Warnung vor Bitcoin

Am Anfang des Jahres stand der Wert des Bitcoin noch bei 1000 Dollar. Seither befindet er sich auf einer rasanten Rekordjagd, die sich in den vergangenen Monaten zunehmend beschleunigt hat und mit teils hohen Kursschwankungen einhergeht. Notenbanker warnen vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Zuletzt bezeichnete der Chef des nordeuropäischen Bankkonzerns Nordea, Casper von Koskull, den Bitcoin als "absurde" Konstruktion, die jeder Logik widerspreche. Viele Beobachter fürchten, dass es mit dem Start von Bitcoin-Finanzprodukten an etablierten US-Börsen zu weiteren Marktverwerfungen kommen könnte.

Die "Wirtschaftsweise" Isabel Schnabel warnte, wenn die Internetwährung aus einer Nische in die etablierte Finanzwelt vordringe, berge das Gefahren: "Die Preisentwicklung der Bitcoins erinnert an die großen Blasen der Wirtschaftsgeschichte, zum Beispiel an die Tulpenkrise. Solange die Spekulationen mit Eigenkapital finanziert sind, verlieren die Investoren im Falle eines Crashs zwar viel Geld, die Ansteckungsgefahren dürften aber begrenzt sein", sagte sie der "Welt am Sonntag". Problematischer werde es, wenn die Vermögenswerte auf Kredit gekauft würden, was bei Bitcoins zunehmend der Fall zu sein scheine. "Dann könnte ein Preisverfall das gesamte Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen."

Sorge bereitet Schnabel vor allem, dass der Bitcoin-Markt noch weitgehend unreguliert ist. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass es wegen operationeller Risiken zu einem Crash kommen könne. Die Einführung von Terminkontrakten auf den Bitcoin dürfte die Spekulationen weiter anheizen, warnte die Bonner Wirtschaftswissenschaftlerin. Sie gehört seit 2014 dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an.

iw (dpa, rtr, afp)