Eine Erfolgsgeschichte: das PAD-Prämienprogramm | Deutschlehrer-Info | DW | 21.03.2019
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Eine Erfolgsgeschichte: das PAD-Prämienprogramm

Auf viele tausende Stipendiatinnen und Stipendiaten kann das Prämienprogramm des PAD zurückblicken, seit es 1959 ins Leben gerufen wurde. Bei einem Festakt in Bonn ließ man erfolgreiche 60 Jahre Revue passieren.

„PAD-was?“ So reagierte die Direktorin eines Gymnasiums in Baden-Württemberg, als sie gefragt wurde, ob sich ihre Schule am Prämienprogramm des Pädagogischen Austauschdienstes (kurz P-A-D) beteiligen wolle. Fast hätte sie die erhaltene E-Mail gelöscht. Sie tat es nicht, nachdem sie erfuhr, was der PAD macht. Das war nur eine von vielen Anekdoten oder zum Schmunzeln anregenden, teilweise anrührenden Geschichten, die am 18. März im Rahmen eines Festakts zum 60-jährigen Bestehen der beiden Prämienprogramme „Internationales Preisträgerprogramm“ (IPP) und „Deutschland Plus“ zum Besten gegeben wurden.

Die ersten Hürden müssen genommen werden

Der Pädagogische Austauschdienst organisiert als Abteilung im Sekretariat der Kultusministerkonferenz der Länder den internationalen Austausch im schulischen Bereich. Bereits seit 1959 lädt er daher jedes Jahr rund 900 Schülerinnen und Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren aus aller Welt ein, im Rahmen eines der beiden Programme zwei bis vier Wochen nach Deutschland zu kommen.

Doch nur wer sich in nationalen Wettbewerben und Spracholympiaden durch besondere Deutschkenntnisse hervorgetan hat, kann bei einem der beiden Prämienprogramme mitmachen. Diese werden jährlich über die deutschen Auslandsvertretungen in den teilnehmenden Staaten ausgeschrieben. Beim IPP sind es rund 90 Staaten weltweit, bei „Deutschland Plus“ 18. Die finanziellen Mittel für die Teil- bzw. Vollstipendien kommen vom Auswärtigen Amt.

Ein Programm mit Leben füllen

Mehrere Stipendiatinnen und Stipendiaten des Prämienprogramms des Pädagogischen Austauschdienstes tanzen (Pädagogischer Austauschdienst)

Das Prämienprogramm: ein Beitrag zur Völkerverständigung im Jahr 1992

„Doch das Geld zu geben, ist das eine, ein Programm mit Leben zu füllen, das andere“, sagte Heidrun Tempel, Beauftragte für Außenwissenschafts-, Bildungs- und Forschungspolitik im Auswärtigen Amt, zum Auftakt des Festaktes. Das Prämienprogramm sei das beste Beispiel dafür, wie man junge Leute so für Deutschland interessieren könne, dass sie es sympathisch fänden. „Schon allein, dass die Jugendlichen in Gastfamilien und nicht in einer Jugendherberge untergebracht sind, ist ein großes Plus“, so Tempel.

Denn hier erfahren sie, wie Menschen in Deutschland leben, was sie denken, erhalten den einen oder anderen Tipp und einen Einblick in familiäre Lebensgeschichten. Dabei ist es für beide Seiten erst mal ein Kraftakt, da natürlich unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen.

Manche der Jugendlichen sind sogar zum ersten Mal weg von zu Hause, reisen mit einem Flugzeug in ein fernes Land, dessen Sprache sie lernen. Für den einen oder anderen ist es sogar, wie es Abalo Pawilou aus Togo formulierte, „ein Ticket fürs Paradies“. Die Jugendlichen kommen mit Vorstellungen und Klischees über Deutschland. Kehren sie in ihre Heimatländer zurück, sind sie voller neuer Eindrücke, haben zum Teil sogar lebenslange Freundschaften geschlossen.

Prämienprogramme und Lebensbiografien

Und nicht selten öffnen diese Erfahrungen eine Tür für den weiteren Lebensweg. Denn, so formuliert es der 17-jährige Mohammed Bahaaeldin in einem Blog  zum 60-jährigen Jubiläum: „Dieser eine Monat hat mein Leben verändert. Es hat mich motiviert, ein Studium in Deutschland zu verfolgen.“

Mohammed ist kein Einzelfall. Hinter dem Prämienprogramm stehen Abertausende von Lebensbiografien von Menschen, die eine Verbindung zu Deutschland und der deutschen Sprache gehalten haben. Es sind unter anderem Deutschlehrende, Hochschulprofessorinnen und -professoren, Ärztinnen und Ärzte oder Führungskräfte in Industrieunternehmen, die über die Welt verteilt leben.

Zehn Alumni stehen im Park zusammen mit Gernot Stiwitz (PAD) und Heidrun Tempel (AA) (Pädagogischer Austauschdienst)

Sie waren extra nach Bonn gekommen: Alumni aus fünf Jahrzehnten

Zwei Beispiele sind die US-Amerikanerin Roslyn Raney und die Chinesin Chongling Huang. Raney kam 1971 als Preisträgerin nach Nürnberg und arbeitete später jahrzehntelang als Germanistikprofessorin in Kalifornien. Darüber hinaus engagierte sie sich in der „American Association of Teachers of German (AATG), einer der ausländischen Partnerorganisationen des PAD.

Die Germanistikprofessorin Huang lernte 1988 das – wie sie es beschrieb – „sehr beschauliche“ Ravensburg kennen. Nachdem sie jedoch Schloss Nymphenburg besucht hatte, war es um sie geschehen. Sie schwor sich, eines Tages ihren Traum zu verwirklichen und für längere Zeit zurückzukehren. Und „wer wagt zu träumen“, so Huang, „dessen Traum wird wahr“: Von 2014 bis 2018 war sie Bildungskonsulin im chinesischen Generalkonsulat in München.

Ohne Partner sind die Programme nicht zu stemmen

Doch ohne die vielen Partner, die dem PAD seit Jahrzehnten verbunden sind, wären weder das „Internationale Preisträgerprogramm“ noch „Deutschland Plus“ zu stemmen.

Sie tragen dazu bei, dass der Aufenthalt der ausländischen Gäste gelingt: die Schulen und die Gastfamilien in den über ganz Deutschland verteilten Städten und Gemeinden, die ausländischen Begleitlehrkräfte, aber auch dir Reiseleiterinnen und Reiseleiter, die den Gruppen nicht nur ein buntes Exkursionsprogramm bieten, sondern auch häufig auf einen Sack Flöhe aufpassen müssen. Einen wichtigen Part haben auch die ausländischen Partnerorganisationen wie etwa die AATG, die vor Ort die Stipendiatinnen und Stipendiaten auswählen.

Jeder Tag ist wie eine Wundertüte

Eine Gruppe von IPP-Schülerinnen und Schülern, die Buchstaben hochhalten. Diese ergeben den Slogan: hashtag PAD einsteigen (Copyright:Pädagogischer Austauschdienst)

Wer einmal eingestiegen ist, den lässt das PAD-Virus nicht los

Auch viel Idealismus und zeitlicher Einsatz gehören dazu. Für alle Beteiligten ist jeder Tag wie eine Wundertüte. Man entdeckt immer wieder etwas Neues. Doch wer einmal in den PAD-Zug eingestiegen und von dem besonderen Völkerverständigungsvirus befallen ist, bleibt dabei – oft über Jahrzehnte.

Der PAD ist, wie es René Hain, der einmal ein Gastbruder war und zuletzt viele Jahre als Reiseleiter für das IPP tätig war, wie eine große Familie – über alle Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Auch mit mindestens einer richtigen Preisträgerprogramm-Familie kann der PAD aufwarten: 1998 verliebten sich Judit und Imre aus Ungarn während ihres Aufenthalts ineinander, fast zehn Jahre später heirateten sie, bekamen drei Kinder. Und zwanzig Jahre nach ihrem IPP-Aufenthalt kamen sie endlich dazu, sich beim PAD im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung auch persönlich zu bedanken.

Der Blick in die Glaskugel

Bei aller Euphorie zum 60-jährigen Jubiläum wurde auch die Frage gestellt, was noch besser gemacht werden könne. Zu den Vorschlägen gehörten, mehr politische Lobbyarbeit zu betreiben, um die Arbeit des PAD und seine Programme bekannter zu machen. Denn, so formulierte es ein Teilnehmer, die Programme sind unser außenpolitisches Aushängeschild. Ein weiterer Vorschlag war, doch über die Bezeichnung „Prämienprogramm“ nachzudenken. Sie wirke im zweiten Jahrtausend, so Heidrun Tempel vom Auswärtigen Amt, doch ein bisschen angestaubt.

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