Eine Chance für die Jugend? | Fußball | DW | 17.09.2013
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Fußball

Eine Chance für die Jugend?

Mit der Champions League beginnt auch die UEFA Youth League. Ein umstrittener Wettbewerb: Es starten nicht die sportlich besten Teams und der Reisestress ist hoch. Die Clubs fürchten, dass ihre Spieler verheizt werden.

Obwohl sie im Vorfeld heftig kritisiert wurde, startet an diesem Dienstag die neu gegründete UEFA Youth League, eine Art Champions League für U19-Mannschaften. Allerdings: Meist sind es gar nicht die U19-Meister, die sich in der neuen Liga miteinander messen. Aus Deutschland fehlen mit dem VfL Wolfsburg und Hansa Rostock sogar beide Teilnehmer des Finales um die deutsche Meisterschaft. Daran ist der Qualifikationsmodus Schuld: Es starten nämlich genau die Clubs, die auch in der richtigen Champions League dabei sind - Gruppenzusammensetzung und Spielplan sind identisch.

Die deutschen Teilnehmer sind daher die U19-Teams von Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und Schalke 04. "Für unsere U19-Mannschaft ist es eine große Herausforderung, sich mit anderen Jugend-Teams von Klubs aus den besten Ligen in Europa zu messen", sagt Wolfgang Dremmler, der Leiter des Jugendleistungszentrums des FC Bayern München, voller Vorfreude auf den neuen Wettbewerb. Doch mit dieser Meinung standen er und andere Vertreter der Bayern in Deutschland lange Zeit alleine da: Denn während der deutsche Rekordmeister keinen Kritikpunkt an der Youth League fand, waren die Clubverantwortlichen aus Dortmund, Leverkusen und Schalke mit vielem nicht einverstanden.

"In der Summe zu viel"

So steht beispielsweise in den Regularien, dass das U19-Team, am selben Tag oder am Tag vor dem Champions-League-Spiel der Profis antreten muss. Für die U19-Spieler von Bayer Leverkusen bedeutet das unter der Woche eine Reise nach Donezk in der Ost-Ukraine. Die Bayern müssen nach Moskau, die Schalker nach Bukarest in Rumänien. Für die Profis der Spitzenclubs mögen solche Reisen Alltag sein, für die 17- bis 19-Jährigen ist es eine hohe zusätzliche vor allem zeitliche Belastung. "Die Schwierigkeit besteht darin, die Fehlzeiten in der Schule zu kompensieren", sagt Bodo Menze, der Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Schalke, im DW-Interview. "Die Spieler spielen aufgrund ihrer Klasse häufig bereits bei den Verbänden eine Rolle, in den Verbandsauswahlmannschaften, außerdem in den DFB-U-Nationalmannschaften, wo Lehrgänge, Freundschaftsspiele und Pflichtspiele anstehen. Für unsere Begriffe wird das in der Summe zu viel."

Bodo Menze, Leiter der Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 (Foto: FC Schalke 04)

Bodo Menze, Leiter der Schalker Nachwuchsabteilung: "Die Belastung der Jugendlichen ist zu hoch."

Einige Clubs und auch der DFB hatten den europäischen Verband deshalb darum gebeten, die nächsthöhere Altersklasse in der Youth League starten zu lassen, da die Spieler sich dann voll auf den Sport konzentrieren könnten. Ein konstruktiver Vorschlag von deutscher Seite, der aber in der Abstimmung am Widerstand der Clubs aus kleineren Staaten scheiterte. Und trotz aller Kritik lenkte letztlich auch der DFB ein. "Es gab die Bitte vom DFB, die UEFA an dieser Stelle nicht zu boykottieren, sondern den Wettbewerb mitzuspielen", bestätigt Menze der DW.

Gegen die eigene Überzeugung

Andreas Rettig, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), findet die hohe Belastung für die besten Juniorenspieler ebenfalls problematisch. Hier habe der DFB gegen seine eigene Überzeugung und den Rat aller Fachleute den Wunsch der UEFA zur Einführung dieses Wettbewerbs mitgetragen. Er könne keinen Vorteil für die Vereine erkennen, so Rettig. Der ehemalige DFB-Sportdirektor und jetzige Cheftrainer von Werder Bremen, Robin Dutt, sieht das ähnlich: "Üben, üben, üben und dann anwenden, anwenden, anwenden, das ist die Grundregel in diesem Alter und eben nicht: spielen, reisen, regenerieren, spielen, reisen, regenerieren."

Es kam so viel Kritik, dass auch die UEFA letztlich reagierte und die starren Stauten ein wenig aufweichte. "Wir können mit dem Gegner auch andere Termine ausmachen. Aber bei Auswärtsspielen ist das wegen der langen Reisen so eine Sache", erläutert Menze. Außerdem habe die UEFA den Wettbewerb nach unten geöffnet. "Es spielt die Altersklasse U19 und jünger. Es können daher theoretisch auch U16-Spieler mitfahren. Das bedarf aber dann wiederum einer fairen Absprache der Clubs untereinander. Das heißt: Wenn wir nicht die U19 schicken können, sondern mit der U17 spielen müssen, dann muss auch der Gegner mitmachen und seine U17 aufstellen", so Menze. "Allerdings ist für mich noch völlig offen, ob es letztlich wirklich immer so fair zugehen wird, wie man sich das jetzt vorstellt."

Schönes Schaufenster

Die UEFA selbst schwärmt schon jetzt von der neuen Jugendliga: Ihr Präsident Michel Platini spricht von einer "attraktiven Ergänzung für die Klubs der Champions League". Die zusätzlichen Erfahrungen würden den jungen Spielern helfen, die Lücke zur ersten Mannschaft zu schließen, so UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino. "Ich glaube, dass die UEFA in erster Linie darauf bedacht ist, den Fußball bei sich zu halten und privaten Initiativen damit Konkurrenz zu machen oder erst gar keine Konkurrenz aufkommen zu lassen", sagt dagegen Menze.

Der französische UEFA-Präsident Michel Platini aufgenommen während einer Pressekonferenz im Anschluss an eine UEFA-Exekutivkomiteesitzung (Foto: Dietmar Stiplovsek/dpa)

UEFA Präsident Michel Platini: "Eine attraktive Ergänzung für die Clubs der Champions League."

In den vergangenen beiden Jahren hat es bereits eine erfolgreiche Konkurrenz-Liga gegeben. Die "NextGen Series", eine europaweiten Jugendliga, an der ebenfalls die U19-Mannschaften von Clubs wie Borussia Dortmund, FC Chelsea oder Inter Mailand teilgenommen haben. Die Spiele liefen teilweise beim Sender "Eurosport" live im Fernsehen. Nun hat "Eurosport" einen Vertrag mit der UEFA geschlossen und zeigt die Youth League. Erste Partie ist das Spiel Manchester United gegen Bayer Leverkusen am Dienstag. Der UEFA bietet sich damit im Vorfeld der Champions-League-Übertragungen am Abend ein schönes Schaufenster für ihr neues Produkt und eine interessante Werbefläche für Sponsoren.

Wie verträglich die Youth League für die Entwicklung von Europas talentiertesten Spielern ist, muss sich dagegen erst noch zeigen. Die ersten beiden Jahre gelten als Testphase. In dieser Zeit werden die Vereine und Nationalverbände ihre Erfahrungen sammeln und der UEFA anschließend Rückmeldung geben. Eine Maxime hat sich zumindest der FC Schalke 04 auf die Fahnen geschrieben: "Wir sagen ausdrücklich: Die Spieler sollen Erfahrung sammeln. Aber am Ende muss alles vernunftgesteuert sein", sagt Menze. "Wir werden unsere Spieler nicht in Situationen bringen, in denen wir sie total verheizen."

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