Ein scharfes Gewächs | Sprachbar | DW | 14.09.2016
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Sprachbar

Ein scharfes Gewächs

In der Küche ist sie unverzichtbar, bei Krankheiten und Schmerzen entfaltet sie ihre heilende Kraft – und in der Architektur ist sie auch eine gute Bekannte: die Zwiebel.

Ein scharfes Gewächs

Jeder hat sie in der einen oder anderen Form in der Küche: beispielsweise als Schalotte, Gemüsezwiebel, Silberzwiebel, rote Zwiebel – oder einfach als gemeine Küchenzwiebel. Es gibt sie in vielen verschiedenen Farben und Formen, die mal mehr, mal weniger scharf sind. Denn das ist das Besondere an einer Zwiebel: Sie ist ziemlich vielseitig.

Die Zwiebel: eine der ältesten Kulturpflanzen

Geschnittene Lauchzwiebeln liegen auf einem Holzbrett. picture-alliance/Chromeorange/K. Willig

Lauchzwiebeln sind überall auf der Welt zuhause

Eher in die Familie der milderen Lauchzwiebeln etwa gehören die Winterzwiebel – auch Frühlingszwiebel genannt – und die Sommerzwiebel. Die Bezeichnung rührt von der Anbauzeit her. Denn Winterzwiebeln werden im August gepflanzt, die Sommerzwiebeln im Frühjahr.

Aber nicht nur diese beiden Sorten, sondern auch alle anderen Arten erweisen sich als Speicherorgan für Nährstoffe schlechthin, die in der Zwiebel kältesicher aufbewahrt werden. Die Zwiebel gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Schon im Alten Testament der Bibel ist ihre Beliebtheit überliefert.

Die Zwiebel: ein kraftspendendes Gewächs

So steht im zweiten Buch Moses, Kapitel elf, Vers fünf, dass sich die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten nicht nur nach den sprichwörtlichen Fleischtöpfen, sondern auch nach den Zwiebeln zurücksehnten. So heißt es dort: „Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen und der Kürbisse, des Lauchs, der Zwiebeln und des Knoblauchs.“

Und schon damals musste man auch um den Nährwert und die außerordentlich kräftigende Wirkung der Zwiebel gewusst haben. Weshalb sonst hätte Pharao Cheops, der Bauherr der gleichnamigen ägyptischen Pyramide, der Überlieferung nach täglich Zwiebeln an die mehr als 100.000 Sklaven verteilen lassen, die auf den riesigen Baustellen schufteten.

Erste Zwiebelrezepte

Ein römisches Fresko. das Frauen bei der Hausarbeit zeigt. picture-alliance/Leemage/L. Ricciarini

Die Römer schätzten die Zwiebel als Würzmittel

Schon in der klassischen Antike gab es mehrere Arten von Speisezwiebeln. Aus dem vierten Jahrhundert vor Christus berichtet der griechische Philosoph und Naturforscher Theophrast, dass in Griechenland jede Region ihre eigene Zwiebelsorte gehabt haben soll.

Selbstverständlich waren die aromatischen Knollen auch den Römern bekannt. Nur bauten diese sie in speziellen Zwiebelgärten gleich massenweise an. Offensichtlich schätzte man in Rom die Zwiebel auch als Würzmittel, denn hier wurde sie zum ersten Mal in Küchenrezepten erwähnt. Über das antike Rom und später Italien fand die Zwiebel Verbreitung in ganz Europa.

Etymologie ohne zu „zwiebeln“

Das Wort „Zwiebel“ leitet sich vom lateinischen Begriff „cēpa“ ab. Aus „cēpa“ wurden im Italienischen „cipolla“ und im Mittelhochdeutschen dann „zwibolle“. Mit weiteren etymologischen Erklärungen wollen wir niemanden weiter zwiebeln, „quälen“, „plagen“.

Der Zwiebelturm

Ein Kirchturm der Pfarrkirche St. Petrus und Paulus mit einem Zwiebeldach. picture-alliance/Chromeorange/A. Forkel

Ein für Süddeutschland charakteristischer Kirchturm mit Zwiebelhaube

Unbestritten ist die Beliebtheit der Zwiebel auch bei Architekten. Man denke nur an die unzähligen Kirchen in Russland mit den prächtigen Zwiebeltürmen – oder auch die vielen Kapellen und Kirchen in Süddeutschland wie beispielsweise die Münchener Frauenkirche.

Es wäre doch eine schöne Vorstellung, dass diese großartigen Gebäude ebenso wie die bayrischen Kirchen und Kapellen zu Ehren der würzigen Knolle ihre rundlichen Turmaufsätze bekommen haben.

Die „Welsche Haube“

Bekannt ist nur, dass beispielsweise der Münchener Frauenkirche in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ihre zwiebelähnliche Kuppel aufgesetzt wurde. Sie wurde als „Welsche Haube“ bezeichnet, was soviel bedeutet wie „aus Italien stammend“.

Denn italienische Baumeister beeinflussten damals nicht nur die süddeutsche Kirchenbaukunst, sondern seit dem 15. Jahrhundert auch die in Russland. Zumindest hat die steile Form eines Kirchturms mit einer Zwiebelhaube architektonisch einen Vorteil: Schnee bleibt nicht richtig haften.

Das Zwiebelschneiden: eine tränenreiche Angelegenheit

Eine junge Frau schneidet Zwiebeln und trägt dabei eine Schwimmbrille auf den Augen. picture-alliance/blickwinkel/F. Hecker

Optisch zwar nicht sehr ansprechend, aber hilfreich

Beim Thema „Zwiebel“ darf ein wichtiger Punkt nicht unerwähnt bleiben: die Inhalts-, Nähr- und Wirkstoffe wie das Allicin. Diese haben eine heilende, desinfizierende, entzündungshemmende, aber auch die Schleimhäute reizende Wirkung.

Köchinnen und Köche können davon ein Lied singen. Denn die beiden Stoffe Isoalliin und Alliinase sorgen für eine chemische Reaktion und jede Menge Tränen beim Zwiebelschneiden und Braten von Zwiebeln. Tipps, dies zu vermeiden, gibt es im Internet jede Menge.

Ein Obazdn ohne Zwiebeln?

Allerdings nehmen die meisten die tränenden Augen und Nasen in Kauf – und die Schärfe, die sich im Mund breitmacht, wenn man auf rohe Zwiebelringe oder gehackte Zwiebeln beißt. Denn mal ehrlich: Was wären deutsche Gerichte wie ein richtiges Mettbrötchen, ein „Handkäse mit Musik“ oder ein „Obazdn“ auf dem Oktoberfest ohne Zwiebeln? Ziemlich fade und geschmacklos. Einfach geschmacksneutral.




Arbeitsauftrag
Recherchiert im Internet ein Rezept, bei dem Zwiebeln wichtiger Bestandteil des Gerichts sind. Ein Beispiel findet ihr hier: http://bit.ly/1WKnSqd. Bereitet das Gericht selbst zu, variiert es gegebenenfalls und berichtet in eurer Lerngruppe über eure Erfahrungen – auch darüber, wie ihr Tränen beim Zwiebelschneiden vermeidet.

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