Ein Protestcamp von Flüchtlingen | Top-Thema – Podcast | DW | 04.08.2015
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Top-Thema – Podcast

Ein Protestcamp von Flüchtlingen

In Dortmund protestieren syrische Flüchtlinge, damit ihre Asylanträge schneller bearbeitet werden. Sie brauchen das Asyl, um ihre Familien nach Deutschland holen zu können. Diese sind in der Heimat oft in Lebensgefahr.

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Ein Protestcamp von Flüchtlingen – das Top-Thema als MP3

Mehr als 3000 Unterschriften haben sie gesammelt, und bei Facebook hat ihre Seite „Syrians sit-in Dortmund“ über 5000 Likes: In einem Camp in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs protestieren syrische Flüchtlinge Tag und Nacht. Sie wollen, dass ihre Asylanträge endlich bearbeitet werden. Bis zu acht Monate warten einige schon darauf. Zur gleichen Zeit sind ihre Familien in der Heimat in Lebensgefahr.

Alle Syrer im Camp sind Männer und zwischen 30 und 50 Jahre alt. Die schwierige Flucht aus der Heimat haben sie auf sich genommen, um ihre Frauen und Kinder auf sicherem und legalem Weg nach Deutschland zu holen – das ist die Botschaft ihres Protests. Die Familien der meisten Flüchtlinge sind in Syrien zwischen die Fronten des „Islamischen Staates“ und der syrischen Regierungstruppen geraten. Deshalb starren viele der Syrer in dem Camp auf ihre Smartphones: Sie haben Angst vor schlechten Nachrichten aus dem Heimatland.

„Mir geht es noch am besten“, sagt Fadi Khatib, syrischer Flüchtling und Sprecher des Protestcamps. Denn sein Asylantrag wurde vor einiger Zeit genehmigt. Aber seine Cousine und ihre Tochter sind auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Viele Flüchtlinge in dem Camp können schreckliche Geschichten über ihre Flucht erzählen. Eigentlich sollten die syrischen Asylanträge in drei Monaten bearbeitet werden, doch es gibt auch viele Asylbewerber aus anderen Ländern. Das Amt schafft die vielen Anträge nicht.

Die Polizei beschützt das Protestcamp rund um die Uhr, denn die Stadt Dortmund ist bekannt für die ausgeprägte rechte Szene und die vielen Demonstrationen der Neonazis. Den Syrern bleiben aber zum Glück nicht die wenigen pöbelnden Neonazis in Erinnerung, sondern die Hilfsbereitschaft vieler Bürger. Decken, Isomatten und Stühle – all das haben Helfer ins Camp gebracht.


Glossar

Camp, -s
(n., aus dem Englischen) – ein Ort mit Zelten, an dem mehrere Menschen für eine kürzere Zeit wohnen

Flüchtling, -e (m.) – jemand, der sein Heimatland aus einem bestimmten Grund (z. B. Krieg) verlassen muss

etwas bearbeiten – hier: etwas prüfen und darüber entscheiden

etwas auf sich nehmen – bereit sein, etwas Unangenehmes zu tun

legal – vom Gesetz her erlaubt

Botschaft, -en (f.) – hier: die Aussage; die Aufforderung

zwischen die Fronten geraten – durch den Streit anderer Personen Probleme kriegen; hier: durch den Krieg von zwei Gruppen in Gefahr sein

Islamischer Staat (m., nur Singular) – eine religiöse, terroristische Organisation, die vor allem in Syrien und im Irak mit brutaler Gewalt einen Gottesstaat errichten will

Regierungstruppe, -n (f.) – eine Gruppe von Soldaten der Regierung

auf etwas starren – etwas sehr lange und intensiv ansehen

Sprecher, -/Sprecherin, -nen – hier: die Person, die etwas (z. B. eine Organisation) in der Öffentlichkeit vertritt

ertrinken – unter Wasser sterben, weil man keine Luft mehr kriegt

rund um die Uhr – immer; ohne Pause

ausgeprägt – deutlich vorhanden; sehr stark

rechte Szene (f.) – hier: die Gruppe von Personen, die die Ideen von Hitler auch heute noch gut finden

Neonazi, -s (m.) – eine Person, die zur → rechten Szene gehört

in Erinnerung bleiben – sich dauerhaft an etwas erinnern

pöbeln – andere in der Öffentlichkeit laut beleidigen

Hilfsbereitschaft (f., nur Singular) – die Tatsache, dass jemand anderen gerne hilft

Isomatte, -n (f.) – eine dünne Matte, auf der man schlafen kann


Fragen zum Text

1. Welche Aussage steht im Text?

a) Im Camp protestieren Männer und Frauen zwischen 30 und 50 Jahren.
b) Es ist geplant, dass ein Asylantrag innerhalb von acht Monaten bearbeitet wird.
c) Sogar nachts sind Flüchtlinge im Protestcamp und protestieren.

2. Warum protestieren die Syrer hauptsächlich?
a) Die Familien der Flüchtlinge sind in Lebensgefahr und können durch Asyl in Deutschland gerettet werden.
b) Wenn sie kein Asyl bekommen, geraten die Flüchtlinge in der Heimat wieder zwischen die Fronten des Islamischen Staates und der Regierungstruppen.
c) Die Flucht von Syrien nach Deutschland ist schwierig und gefährlich.

3. Warum ist die Polizei bei dem Camp?
a) Sie passt auf, dass der Protest der Flüchtlinge friedlich bleibt.
b) Sie beschützt die Flüchtlinge vor Menschen, die die Flüchtlinge nicht in Deutschland haben wollen.
c) Sie besorgt Isomatten und Stühle für die Flüchtlinge.

4. Die Flüchtlinge wollen Asyl, … ihre Familien aus den Kriegsgebieten nach Deutschland zu holen.
a) um
b) damit
c) weil

5. Die Flüchtlinge wollen Asyl, … dann können sie ihre Familien legal nach Deutschland holen.
a) um
b) denn
c) weil


Arbeitsauftrag
Teilt euch in Zweiergruppen auf. Einer ist ein Flüchtling aus dem Protestcamp, der andere ist ein Politiker. Der Flüchtling hält nun einen Vortrag, in dem er dem Politiker seine Situation erklärt und argumentiert, warum die Asylanträge schneller bearbeitet werden müssen. Der Politiker erklärt danach, warum die Asylanträge zurzeit so langsam bearbeitet werden. Wenn nötig, recherchiert zuerst im Internet nach Argumenten.

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