Ein neues Zuhause für demente Menschen | Top-Thema – Podcast | DW | 07.02.2014
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Top-Thema – Podcast

Ein neues Zuhause für demente Menschen

Viele Menschen können sich nicht vorstellen, mit einem Demenzkranken zusammenzuleben – vor allem nicht mit einem fremden. Aber es gibt auch Menschen, die genau das wollen. Ein Projekt in Düsseldorf sucht Gastfamilien.

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Ein neues Zuhause für demente Menschen – das Top-Thema als MP3

In Deutschland leben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums Anfang 2014 mehr als eine Million demenzkranke Menschen. Für ihre Familien stellt sich die schwierige Frage: Heim oder Betreuung zu Hause? Zwei Drittel entscheiden sich dafür, ihre dementen Angehörigen zu Hause zu betreuen. Das ist jedoch oft schwierig, da sich die Persönlichkeit der Demenzkranken und damit auch die Beziehung zu den Familienmitgliedern verändert.

Die Diakonie Düsseldorf geht in einem Modellprojekt einen neuen Weg. Sie sucht Gastfamilien, die einen fremden dementen Menschen bei sich aufnehmen und betreuen möchten. Etwa 1.000 Euro sollen die Familien pro Monat für Miete und Versorgung bekommen. Finanziert wird das Projekt vom Gesundheitsministerium und den Pflegekassen des Bundeslands Nordrhein-Westfalen.

Es ist keine Voraussetzung, dass die Gastfamilien bereits einen demenzkranken Menschen betreut haben, aber es ist hilfreich. Jeder, der sich schon einmal Tag und Nacht um eine demente Person gekümmert hat, weiß, wie anstrengend das sein kann. Den Projektkoordinatoren ist es wichtig, dass sich niemand falsche Vorstellungen macht. Alle Bewerber werden genau überprüft. Sie erhalten eine Schulung und müssen in einer Alzheimer-Einrichtung hospitieren.

Anfang 2014 gab es elf Interessenten, die für die Diakonie in Frage kamen. Aber warum wollen Menschen mit einem Demenzkranken zusammenwohnen, der nicht mit ihnen verwandt ist? Die meisten möchten etwas Sinnvolles tun. Eine der Bewerberinnen erklärt: „Mich um andere zu kümmern, wurde mir in die Wiege gelegt, ich mache das einfach gerne.“


Glossar

dement – so, dass jemand an einer geistigen Krankheit leidet, die ihn sehr vergesslich macht (auch: demenzkrank; Person: der/die Demenzkranke)

Gastfamilie, -n (f.) – eine Familie, die für eine bestimmte Zeit eine fremde Person bei sich wohnen lässt

es stellt sich die Frage– man muss sich mit einer Frage/einem Problem beschäftigen

Angehörige, -n (m./f.) – ein Verwandter/eine Verwandte

Persönlichkeit (f., hier nur Singular) – der Charakter; das Wesen eines Menschen

Diakonie, -n (f.) – ein kirchlicher Dienst, der Bedürftigen hilft

Modellprojekt, -e (n.) – ein Projekt, das zeigen soll, wie andere Projekte aussehen können

jemanden bei sich auf|nehmen – jemanden bei sich wohnen lassen

Pflegekasse, -n (f.) – die Pflegeversicherung

hilfreich – so, dass etwas einen Vorteil bringt; nützlich

Koordinator, -en/Koordinatorin, -nen – jemand, der ein Projekt leitet

sich falsche Vorstellungen (von etwas) machen – hier: denken, dass etwas einfacher ist, als es in Wirklichkeit ist

Schulung, -en (f.) – eine kurze Ausbildung

Alzheimer (n.) – eine Krankheit, die Menschen vergesslich und geistig verwirrt macht

Einrichtung, -en (f.) – hier: das Heim; ein Haus, in dem Menschen versorgt werden

hospitieren – dabei sein und lernen, wie etwas gemacht wird (z. B. die Pflege von jemandem)

Interessent, -en/Interessentin, -nen – hier: jemand, der etwas Bestimmtes machen möchte

in Frage kommen – hier: geeignet sein

etwas Sinnvolles – hier: etwas Gutes; etwas, das anderen Menschen hilft

jemandem wurde etwas in die Wiege gelegt – umgangssprachlich für: jemand hat ein Talent, das angeboren ist


Fragen zum Text

1. Was möchten die Interessenten tun, die sich bei der Diakonie für das Projekt bewerben?
a) Sie möchten einen Demenzkranken in einem Heim betreuen.
b) Sie möchten einen Demenzkranken in ihr eigenes Haus aufnehmen und versorgen.
c) Sie möchten eine Schulung in einer Einrichtung machen.

2. Welche Aussage steht im Text?
a) Die meisten Angehörigen entscheiden sich dafür, Demenzkranke in ein Heim zu geben.
b) Um sich bei der Diakonie für das Projekt zu bewerben, muss man schon viel Erfahrung im Umgang mit Demenzkranken haben.
c) Die Gastfamilien bekommen 1.000 Euro im Monat.

3. Welche Aussage ist nicht richtig?
a) Es gibt in Deutschland mehr als eine Million Menschen, die an Demenz leiden.
b) Die Betreuung von Demenzkranken ist einfach.
c) Die Bewerber möchten etwas Gutes tun.

4. Durch welches Wort kann man „Angehörigen“ nicht ersetzen? „Die meisten Angehörigen entscheiden sich für eine Betreuung zu Hause.“
a) Gastfamilien
b) Familienmitglieder
c) Verwandten

5. Welches Wort hat dieselbe Bedeutung wie „betreuen“? „Den Interessenten macht es Spaß, die Demenzkranken zu betreuen.“
a) sich kümmern
b) hospitieren
c) aufnehmen


Arbeitsauftrag
Wie müsste eurer Meinung nach eine Gastfamilie sein, damit sie einen dementen Menschen aufnehmen kann? Wie muss z. B. ihre Wohnung sein? Welche Erfahrungen sollten die Gastfamilien haben? Welche Vor- oder welche Nachteile hat eurer Meinung nach die Betreuung von Demenzkranken in Gastfamilien?

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