Ein Marktrundgang | Sprachbar | DW | 26.02.2014
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Sprachbar

Ein Marktrundgang

Märkte gibt es, solange Menschen Handel treiben. Egal, ob Super-, Wochen-, Floh- oder Aktienmärkte: Es sind Orte, an denen etwas für Geld den Besitzer wechselt. Nur auf Jahrmärkten hat man darüber hinaus noch viel Spaß.

Audio anhören 07:36

Sprachbar: Ein Marktrundgang – die Folge als MP3

Der 25. Oktober 1929 ging als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichtsbücher ein. Damals ereignete sich der bislang wohl schlimmste Börsencrash, der die Weltwirtschaft ins Wanken brachte. In der Hoffnung, mit Aktien hohe Gewinne zu machen, hatten viele Menschen Wertpapiere gekauft, manche sogar, indem sie für den Kauf Kredite aufnahmen. Als die Kurse auf den Aktienmärkten zu sinken begannen, wollten plötzlich die meisten ihre Aktien verkaufen. Der Kurssturz war nicht aufzuhalten. Millionen Menschen verloren sehr viel Geld oder waren sogar finanziell ruiniert. Anders als auf einem Markt, wie man ihn gewohnt ist, wird auf dem Aktienmarkt nicht mit Waren gehandelt. Aber eigentlich wird nichts anderes getan: Es wird gekauft, eingekauft und verkauft.

Supermarkt oder doch lieber Wochenmarkt?

Das macht auch diejenigen, die zum beziehungsweise auf den Markt gehen – vielleicht mit einem Marktkorb, oder einer anderen Möglichkeit, um die Einkäufe nach Hause tragen zu können. Mancher springt nach Feierabend noch schnell in den Supermarkt um die Ecke, weil Obst und Gemüse fehlen. Mancher schlendert am Wochenende lieber gemütlich über den Wochenmarkt. In den Zentren vieler deutscher Großstädte finden Wochenmärkte – mit Ausnahme von Sonntagen und Feiertagen – täglich statt. In Dörfern oder Stadtvierteln werden sie manchmal ein- bis zweimal pro Woche abgehalten.

Laut Definition ist ein Markt „ein öffentlicher Verkauf von Waren zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten“. Diese Definition galt bereits für die Märkte in ganz alten Zeiten. Schon kurz nach der Völkerwanderung Ende des 4. Jahrhunderts gab es Wochenmärkte. Die Wochenmärkte, wie wir sie heutzutage kennen, entstanden jedoch erst später.

Marktrecht und Marktfrieden

Was schon sehr lange existiert, ist das Marktrecht. Etwa um das Jahr 1000 wurde es zum sogenannten Hoheitsrecht des Königs, später auch von Fürsten, Grafen und Bischöfen. Nur sie durften als Marktherren die Erlaubnis erteilen, Märkte abzuhalten. Im Mittelalter stand der Marktplatz für die Dauer des Marktes unter einem Marktfrieden, wurde also vom Marktherrn besonders geschützt.

Außerdem herrschte schon damals eine feste Marktordnung. Betrügerei und Wucher wurden – wie auch die Verletzung des Marktfriedens – bestraft. Wer beispielsweise mit Absicht seine Brötchen zu klein backte oder Fisch vor dem Kauf berührte, musste damit rechnen, sich vor dem Marktgericht verantworten zu müssen. Bei Wochen- oder täglichen Märkten tagte es am jeweiligen Markttag, bei Jahrmärkten etwa zwei Tage vor und bis zu zwei Tage nach deren Ende.

Jahrmärkte und Kirmessen

Ein Mann in bayrischer Tracht hält einen Hammer für das Spiel Hau den Lukas

Jede Menge Spaß hat man auf einem Jahrmarkt

Jahrmärkte fanden früher in den Städten zu bestimmten, festgelegten Zeiten im Jahr statt – traditionell um die Osterzeit, auch an Pfingsten, im Herbst und vor Weihnachten. Da kamen dann Händler aus aller Herren Länder, zeigten manchmal bis zu vier Wochen dem staunenden Publikum allerhand kostbare und auch weniger kostbare Dinge; nebenbei unterhielten Schausteller wie Gaukler, Wahrsager oder Bärenführer die Besucher.

Manche der heutigen Volksfeste und Kirmessen, eine Abkürzung von „Kirchmessen“, erinnern noch an diese Jahrmärkte. Ursprünglich wurde am Kirchweihfest an den Tag erinnert, an dem die jeweilige Dorfkirche eingeweiht wurde. Spätestens im 12. Jahrhundert fanden parallel dazu auch weltliche Feste mit Artisten, Schaustellern und Warenhändlern statt. Wer übrigens heutzutage über die Kommerzialisierung von Weihnachtsmärkten jammert, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass auch auf ihnen schon immer versucht wurde, so viel wie möglich umzusetzen. Markt ist eben Markt. Er ist nicht erst seit heute der ökonomische Ort, an dem gehandelt, verkauft und gekauft wird.

Trödel- und Flohmärkte

Denn das Wort Markt kommt vom lateinischen Wort mercātus. Gehandelt wurde mit so ziemlich allem, was man sich überhaupt vorstellen kann. Beim Gang durch die alten Viertel der Städte kann man an vielen Straßenschildern noch ablesen, womit: da gibt's den Rossmarkt, den Fischmarkt, den Korn- oder den Viehmarkt. Auch mit altem Kram, mit Trödel, konnte und kann man handeln. Und nicht schlecht. Trödel- beziehungsweise Flohmärkte sind nicht nur in Deutschland sehr beliebt.

Die Tradition der Flohmärkte kommt wohl aus Frankreich. Dort war es seit dem Mittelalter üblich, dass Händler reichen Leuten ihre abgetragenen Kleider abkauften und sie dann weiterverkauften. Da konnte es schon mal vorkommen, dass sich in den alten Kleidern Flöhe eingenistet hatten, die sich über neue „Wirte“ freuten!

Marktschreier und Markthallen

Ein Mann hält einen Aal in der Hand und schreit laut

Charakteristisch für Marktschreier: eine laute Stimme und Verkaufstalent

Während es auf diesen Trödel- und Flohmärkten eher ruhig zugeht, überbieten sich in Markthallen oder an Marktständen die Marktschreier. Wer schon mal eine Fischerversteigerung gesehen hat, weiß, was gemeint ist. Bei solchen Versteigerungen hat allerdings auch schon lange die Elektronik Einzug gehalten. Zahlenkolonnen über Stückzahlen, Sorten und Preise flimmern auf Monitoren. Die modernen Marktschreier sprechen hektisch in Handys und tragen meistens Krawatten.

Im Gegensatz zu einem eher beschaulichen Wochenmarkt hat der unkundige Marktbesucher dort nicht den Hauch einer Chance, sich ein Bild von Angebot und Preis zu machen. Mehrere Menschen brüllen gleichzeitig in riesige Megaphone, deuten auf irgendwelche anderen Menschen, und auf den Anzeigetafeln findet ein Supergau der Buchstaben und Zahlen statt. So sieht es zumindest aus. Ist aber nicht so. Es gibt Leute, die begreifen das tatsächlich.

Aktienmärkte und Markteinbrüche

Hierzu braucht man sich nur im Fernsehen Berichte von der Börse anzuschauen. Da sind sie, die Männer und Frauen mit mehreren Telefonen in der Hand, die mal ruhig, mal hektisch ihre Angaben in die Muschel rufen. Sie können einem Laien erklären, wie das am Aktienmarkt so funktioniert mit dem Kaufen und Verkaufen. Möglicherweise wissen sie auch, warum sich der „Schwarze Freitag“ ereignet hat. Eines aber können sie nicht: einen Einbruch am Markt verhindern.




Fragen zum Text

Was stimmt? Manche Wochenmärkte werden in Deutschland … abgehalten.
1. an jedem Tag der Woche
2. nur zu besonderen kirchlichen Festen
3. an sechs Tagen – außer sonntags und feiertags –

Kein Jahrmarkt im heutigen Sinne ist …
1. die Kirmes in Köln.
2. das Oktoberfest in München.
3. der Fischmarkt in Hamburg.

Welche Aussage stimmt nicht? …
1. Jeder Händler kann sich mit einem Stand auf einen Markt stellen.
2. Händler müssen sich an eine Marktordnung halten.
3. Das Marktrecht hatten früher hochrangige Marktherren.


Arbeitsauftrag
Teilt eure Lerngruppe auf und erarbeitet in jeder Kleingruppe auf dem Arbeitsbogen fünf Fragen zum Textverstehen, die mit „Ja“, „Nein“ und „Kommt nicht vor“ beantwortet werden müssen. Tauscht eure Arbeitsbögen dann untereinander aus. Den Arbeitsbogen sowie ein Beispiel findet ihr im PDF.

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