Ein Jahr im Meer, 131 Jahre am Strand: Weltälteste Flaschenpost entdeckt | Aktuell Deutschland | DW | 06.03.2018
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Historische Wissenschaft

Ein Jahr im Meer, 131 Jahre am Strand: Weltälteste Flaschenpost entdeckt

1886 von einem deutschen Handelssegler im Indischen Ozean ausgesetzt, 2018 von einer Australierin am Strand entdeckt: Keine bekannte Flaschenpost war länger unterwegs. Obwohl: Die Reise an sich war doch eher kurz.

Es war kein Kinderspiel und auch keine romantische Mission, sondern die reine Wissenschaft: Am 12. Juni 1886 warf der Kapitän des Frachtsegelschiffes "Paula" eine mit einer Nachricht versehene Schnapsflasche in den südindischen Ozean. Dass Handelsschiffe in wissenschaftlichem Auftrag Flaschenpost aussandten, war damals keine Seltenheit. Es ging darum, Richtung und Geschwindigkeit der Meeresströmungen genauer bestimmen zu können.

Am 21. Januar 2018 stolpert Tonya Illman am Strand von Wedge Island über die dunkelgrüne Flasche. Die Australierin entdeckt erst beim genauen Hinsehen den zusammengerollten Zettel. Darauf steht, teils als Vordruck, teils in verblichener Handschrift: "Diese Flasche wurde über Bord geworfen am 12ten Juni 1886 In 32° 49' Breite Süd Und 105° 25' Länge Süd Greenwich Ost." Außerdem Hinweise auf den deutschen Segler "Paula" mit Heimathafen Elsfleth bei Bremen. Und dann noch: "Der Finder wird ersucht den darin befindlichen Zettel, nachdem die auf umstehender Seite gewünschten Angaben vervollständigt sind, an die Deutsche Seewarte in Hamburg zu senden oder auch an das nächste Konsulat zur Beförderung an jene Behörde abzugeben."

Illman ging mit ihrem Fund zum Museum des Bundesstaats Western Australia, das die weiteren Recherchen übernahm und auch das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven sowie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg einschaltete, die Nachfolge-Organisationen der Seewarte.

Ziemlich schnell zeigte sich: Die Flasche wurde tatsächlich von der "Paula" aus ins Wasser geworfen, die damals mit Kohle aus Wales von Cardiff nach Makassar (heute: Indonesien) unterwegs war. Kapitän des Seglers war ein Mann namens O. Diekmann. Die Handschrift auf dem gefundenen Zettel stimmt mit der seinigen im Bordbuch überein. Und dort ist mit Datum 12. Juni 1886 auch vermerkt: "Stromflasche über Bord". Auch der angegebene Ort im Indischen Ozean - etwa 950 Kilometer von der Fundstelle - passt zur Reiseroute der "Paula".

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Flasche allenfalls zwölf Monate im Meer zurücklegte, bevor sie auf Wedge Island, einer sehr einsamen Insel an Australiens ohnehin einsamer Westküste, an Land gespült wurde. Wahrscheinlich hat sie danach vergraben im Sand gelegen und ist erst vor einiger Zeit wieder ans Tageslicht gekommen, vielleicht durch einen Sturm, jedenfalls 50 Meter landeinwärts. Das würde auch erklären, warum Flasche und Papier noch so gut erhalten sind.

Die Idee der wissenschaftlichen Meeresforschung mit verschlossenen Flaschen stammt vom Geophysiker Georg von Neumayer (1826-1909), dem ersten Direktor der Deutschen Seewarte. In deren Auftrag wurden zwischen 1864 und 1933 mehr als 6000 Flaschen ins Meer geworfen. Allerdings kamen nur 662 Nachrichten zurück - die bislang letzte im Januar 1934. Das neue Fundstück von der "Paula" ist jetzt Nummer 663.

rb/sam (dpa, epd, kna)

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