Ein Held unter Superhelden: Comic-Legende Stan Lee gestorben | Kultur | DW | 12.11.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Ein Held unter Superhelden: Comic-Legende Stan Lee gestorben

Er war an der Erfindung von Superhelden wie Spiderman, Hulk oder Black Panther beteiligt. Jetzt ist der weltbekannte Comicautor im Alter von 95 Jahren in Los Angeles verstorben, wie US-Medien berichten.

Er war der Vater populärer Comicfiguren wie Spiderman, Thor, Hulk, Iron Man, The X-Men, Fantastic Four, Black Panther oder Daredevil. Der Mann, der das Comic-Imperium Marvel aufbaute und rund 350 Figuren erschuf, ist mit 95 Jahren in Los Angeles gestorben. Das berichten die US-Medien "TMZ" und "Variety" unter Berufung auf Lees Tochter und deren Anwalt.

"Heute haben wir einen wahrhaften Superhelden verloren", kondolierte die Oscar-Akademie auf Twitter. "Stan Lee, danke dir für alles." Lee habe Menschen, die sich anders fühlten, das Gefühl gegeben, sie seien etwas Besonderes, so der Komiker Seth Rogen. "Du warst und wirst für immer ein Superheld sein", schrieb die Schauspielerin Jamie Lee Curtis. Und der deutsche Rapper Casper pflichtete bei: "Du, du selbst, warst der größte Superheld von allen."

"Einer der profiliertesten Geschichtenerzähler Amerikas"

USA Los Angeles Stan Lee (picture-alliance/Geisler-Fotopress/D. Bedrosian)

Im Juli 2017 war Stan Lee noch fit und verewigte sich in der Hall of Fame des TCL Chinese Theatre in Hollywood

Im November 2008 bekam Lee vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush die National Medal of Arts verliehen, die höchste Kunstauszeichnung der US-Regierung. Als "einer der profiliertesten Geschichtenerzähler Amerikas" wurde Lee damals in Washington gefeiert - für ein Genre, das Literaturfreunde und Kritiker ein paar Jahrzehnte zuvor noch verschmäht hatten. Erst in den 1980er und 1990er Jahren wandelten sich Comichefte zu einer Art hipper Popliteratur. Davor waren sie etwas für eine kleine Fangemeinde aus Nerds und Außenseitern gewesen - Fantasystoff für Kinder und Jugendliche. Stan Lee war das egal: Charaktere zu erfinden, fiel ihm nicht schwer. Viele davon waren menschlicher und nahbarer als die der Konkurrenz: Er setzte auf die menschlichen, natürlichen Seiten der übernatürlichen Helden: Daredevil ist blind, Hulk hat unkontrollierte Wutausbrüche und auch die X-Men-Figuren haben körperliche, geistige oder Verhaltens-Schwächen. Ganz anders dagegen Batman, im echten Leben der Millionär Bruce Wayne, oder Superman, der als allmächtiger Adonis vom Himmel geflogen kommt. 

USA Providence Stan Lee (picture-alliance/AP Photo/S. Eisen)

Stan Lee 2017 mit "seinen" Figuren Iron Man und Spiderman

"Ich habe versucht, Figuren als menschliche Wesen zu schreiben, die auch übernatürliche Kräfte haben", sagte Lee 2013. Ein Superheld mit Schwächen sei ein großartiges Vorbild, schrieb die Zeitschrift "Psychology Today". Peter Parker, der als Spiderman Wände von Hochhäusern erklimmt, ist ein "durchschnittlicher, schludriger Junge", so wollte es Stan Lee. Ausgedacht hat er sich den ikonischen blau-roten Spinnenmann Anfang der 1960er Jahre zusammen mit seinem Kollegen Steve Ditko. Der Comic-Zeichner verstarb ebenfalls in diesem Jahr - am 29. Juni im Alter von 90 Jahren. 

Lees Figuren kennt die ganze Welt

Der Sohn rumänischer Einwanderer wurde 1922 in New York als Stanley Martin Lieber geboren. Er war noch ein Teenager, als er 1939 als Assistent beim Verlag Timely Comics begann, der später Marvel heißen sollte. Seine Lückenfüller-Texte in Ausgabe 3 des Captain America-Comics im Jahr 1941 werden als Debüt in einer Karriere voller "POW!" und "BANG!" gesehen. Heute erreichen Lees Schöpfungen mit Blockbustern und Videospielen Millionen Menschen weltweit. Ende der Achtziger Jahre war Lee von New York nach Los Angeles gezogen. Ende April 2018 hatte der 95-Jährige dort noch die Premiere des Marvel-Superhelden-Kinofilms "Avengers: Infinity War" besucht.

Stan Lee US-amerikanischer Comicautor (Getty Images/Disney/C. Gallay)

Stan Lee bei der Premiere von "Avengers: Infinity War" am 23. April 2018

Lees eigene Schwäche war ihm zufolge, dass er mit seinen Erfindungen nicht viel Geld verdiente, auch nicht als Marvel-Verleger und Chefredakteur von 1972 an. "Ich war geschäftlich gesehen dumm. Ich hätte gieriger sein sollen", sagte er 2017 - sein Vermögen wird allerdings auf rund 50 Millionen Dollar geschätzt. Dem "Hollywood Reporter" zufolge lieferte sich Lees Tochter mit ihrem Vater bittere Kämpfe über die Zukunft des Vermögens. Im vergangenen Jahr war Lees Ehefrau Joan im Alter von 93 Jahren gestorben. 

nf/fw (dpa/afp/Hollywood Reporter)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema