Ein Hauch von Woodstock auf dem Akkordeon | Musik | DW | 20.08.2018
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Musik

Ein Hauch von Woodstock auf dem Akkordeon

Kalifornien: Sonne, Strand und - Akkordeonmusik. Beim Cotati-Akkordeon-Festival trifft Mozart auf Heavy Metal, umgeschrieben und komponiert für das Akkordeon. Das kommt nicht nur bei den Einheimischen gut an.

Über dem La Plaza Park von Cotati, 70 Kilometer nördlich von San Francisco, wehte an diesem heißen Wochenende ein Hauch von Woodstock. Viele der Besucher, die vor 50 Jahren im Hippie-Stadtteil Haight-Ashbury und beim Happening im Golden Gate Park von San Francisco den Zeitenwandel in den USA feierten, leben heute in dieser Gegend, in Sonoma County.

Lange graue Haare, teils bunt gefärbt, Batik-Shirts und Birkenstocksandalen: Das Publikum, das hier zu Akkordeonmusik wie Polka, Tango oder Heavy Metal tanzt, ist in der Mehrzahl schon etwas älter. Nur die Marihuanawolke fehlt, es herrscht strenges Rauchverbot im Park.

Akkordeon mit deutscher Geschichte               

Drei Akkordeonspieler machen auf einer Wiese Musik. (Arndt Peltner)

Spontaner Akkordeon-Flashmob

Beim Akkordeonfestival von Cotati, das sich selbst das "Woodstock der Akkordeonwelt" nennt, werden die "Quetsche", das "Schifferklavier" oder auch die "Konzertina" mit all ihren Möglichkeiten gefeiert. Das alljährliche Musikfest ist zu einem Happening mit großer Anziehungskraft geworden. Rund 50 Prozent der Besucher kommen aus Sonoma, viele der musikalischen Gäste sind von weither angereist.

Auch aus Deutschland, wie der mehrfach ausgezeichnete Akkordeonspieler Matthias Matzke aus dem baden-württembergischen Trossingen. Schon zum zweiten Mal ist er dabei. Tradition verpflichtet: Immerhin hat ein Deutscher, nämlich Heinrich Band aus Krefeld, Mitte des 19. Jahrhunderts entscheidend den Tonumfang der "Konzertina" erweitert und das Ergebnis nach seinem Namen "Bandoneon" genannt. Als solches ging das Instrument in die Akkordeongeschichte ein.

Ein Instrument mit vielen Möglichkeiten

Zwischen seinen Songs sucht Matthias Matzke das Gespräch mit dem Publikum, erklärt, was er da auf seinem Digital-Akkordeon macht und was es mit den eingespielten Loops auf sich hat. Mit seiner Freundin, der Sopranistin Leonie Kratz, präsentiert er auch ein Stück von Mozart und das alte deutsche Volkslied "Am Brunnen vor dem Tore".

Auf der Bühne Sängerin und Akkordeonspieler, dazwischen das Veranstaltungsplakat, USA Cotati Akkordeonfestival in San Francisco (Arndt Peltner)

Leonie Kratz und Matthias Matzke spielen Mozart

Für Matthias Matzke gehört dieser musikalische Brückenschlag zum Festival dazu. "Es ist größtenteils ein älteres Publikum, trotzdem erlauben sich die Veranstalter hier immer ein paar musikalische Ausreißer, um frischen Wind reinzubringen, was ich grandios finde." Das Akkordeon müsse einfach in seiner Gesamtheit verstanden werden, meint Matzke.

Veranstalter Scott Goree erklärt, Ziel des Festivals sei es, die vielen Facetten dieses Instruments hervorzuheben. "Das Festival wurde als Multikultur-Event gegründet, mit der Absicht, die verschiedensten Gruppen und Genres zusammenzubringen. Die Besucher sollen Ideen und Erfahrungen austauschen und hören, wie das Akkordeon in den verschiedenen Kulturen eingesetzt wird." Das Motto für das Akkordeonfestival, das es schon seit 28 Jahren gibt, bleibt für Scott Goree dabei immer das gleiche: "Two Days of Peace & Music".

Peace, Love and Happiness mit Akkordeonmusik

Hunderte Menschen sitzen auf einer Wiese auf Klappstühlen beim Akkordeonfestival in San Francisco. (Arndt Peltner)

Entspannte Atmosphäre: Auf Klappstühlen machen es sich die Besucher bequem

Gerade das macht das Festival auch heute aus. Hier treffen verschiedene Kulturen und die Musik der vielen Einwanderer friedlich aufeinander. Zu hören ist alles, von traditioneller Polka über Jazz, Country, Rock, Heavy Metal und sogar Klassik. Musik aus Italien, Deutschland, Finnland, Mexiko, Polen; grenzenlos scheint diese internationale Sprache des Akkordeons zu sein.

Rund 5000 Akkordeonfans kamen an diesem Wochenende in den La Plaza Park in Downtown Cotati und lauschten auf Strohballen und Campingstühlen begeistert den Musikerinnen und Musikern, die auf drei Bühnen alles aus dem Akkordeon herausholten, was nur ging.

Zwischen Mozart und Heavy Metal

Mit Spannung wurde der Auftritt der Finnin Netta Skog erwartet. Sie spielt auf einem Digital-Akkordeon fast ausschließlich Heavy Metal. Als sie zu Anfang das ältere Publikum sah, dachte sie, sie sei im falschen Film. "Ich habe mit Matthias gesprochen und gefragt: 'Oh Gott, bin ich hier richtig?', und er meinte: 'Ja klar, es wird großartig'", sagt Netta Skog mit einem herzhaften Lachen.

Und tatsächlich, Netta Skog wurde mit ihrem Heavy Metal Sound genauso gefeiert wie Matthias Matzke mit Mozart. Veranstalter Scott Goree verwunderte das ganz und gar nicht. Immer wieder hört er von Leuten den Satz: "Ich kann gar nicht glauben, wie viel Spaß ich hier hatte". Goree muss dann immer schmunzeln und erwidert: "Weißt du eigentlich, was du mir da sagst? Du sagst mir, du hast erwartet, keinen Spaß zu haben."

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