Ecuador vermittelt nicht mehr im kolumbianischen Friedensprozess | Aktuell Amerika | DW | 19.04.2018
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Kolumbien

Ecuador vermittelt nicht mehr im kolumbianischen Friedensprozess

Nach einer Reihe von Entführungen im Grenzgebiet hat Ecuador im Friedensprozess zwischen der kolumbianischen Regierung und der linken Guerilla ELN seine Vermittlerrolle ausgesetzt. Zwei Länder kommen als Ersatz infrage.

Trauernde legen in Ecuadors Hauptstadt Blumen auf Bildern der ermordeten Journalisten ab (picture-alliance/AP/D. Ochoa)

Trauernde legen in Ecuadors Hauptstadt Blumen auf Bildern der ermordeten Journalisten ab

Ecuador hat seine Unterstützung für die in der Hauptstadt Quito stattfindenden Friedensverhandlungen zwischen der ELN-Guerilla und der kolumbianischen Regierung zurückgezogen. "Ich habe das Außenministerium gebeten, die Gespräche mit der ELN zu stoppen, solange sie nicht ihre terroristischen Aktivitäten einstellt", erklärte Moreno. Ecuador setze zudem seinen Status als Garantiemacht der Friedensverhandlungen aus, hieß es in einer Erklärung der Regierung. 

Zugleich erhob Moreno schwere Vorwürfe gegen seinen Vorgänger Rafael Correa. Moreno kündigte an, dass die Justiz die Echtheit eines Videos überprüfen werde, das zeigen soll, wie Correa Geld der kolumbianischen Guerilla-Organisation FARC für seinen Wahlkampf angenommen habe. Correa bestreitet das.

Lenín Moreno (picture-alliance/AP/D. Ochoa)

Lenín Moreno

Kolumbien ist nach dem erfolgreichen Abschluss von mehrjährigen Verhandlungen mit der Guerilla-Organisation FARC vor über einem Jahr in einem Friedensprozess mit den ehemaligen Guerrilleros. Seit Anfang 2017 laufen zudem in Ecuador Verhandlungen mit der zweitgrößten Rebellengruppe ELN, die allerdings kaum Fortschritte gebracht haben.

Springen Brasilien und Chile ein?

Nach Angriffen der linken Rebellen auf Militärposten und Infrastruktur brach der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos die Gespräche mit der ELN Ende Januar zeitweilig ab und nahm sie erst im März wieder auf. Die Garantiemächte Brasilien und Chile sind laut einem Bericht des kolumbianischen Senders "Caracol" als mögliche Gastgeberländer für die weiteren Friedensverhandlungen im Gespräch. 

Angehörige der ermordeten Journalisten vor einem Treffen mit Moreno am Freitag (picture-alliance/AP Photo/D. Ochoa)

Angehörige der ermordeten Journalisten vor einem Treffen mit Moreno am Freitag

Die Absage aus Quito kommt wenige Tage nach dem Mord an drei von FARC-Dissidenten entführten Mitarbeitern einer ecuadorianischen Tageszeitung. Seit Jahresbeginn hat die Gewalt in der Küstenprovinz Esmeraldas nahe der Grenze zu Kolumbien deutlich zugenommen.

Splittergruppe und Drogenbande

Bei einem Attentat in der Gemeinde Mataje wurden Ende März drei Soldaten getötet, ein weiterer erlag später seinen Verletzungen. In der vergangenen Woche wurde ein ecuadorianisches Ehepaar entführt. Die Drogenbande "Frente Oliver Sinisterra", die von Kolumbien aus operiert und sich selbst als Splittergruppe der FARC bezeichnet, wird für die Attacken und Entführungen verantwortlich gemacht.   

Der ELN-Vertreter Pablo Beltran im Januar nach Gesprächen in Quito (picture-alliance/dpa/AP Photo/D. Ochoa)

Der ELN-Vertreter Pablo Beltran im Januar nach Gesprächen in Quito

Mit der größeren FARC-Guerilla unterzeichnete die kolumbianische Regierung bereits Ende 2016 ein Friedensabkommen. Einige Splittergruppen akzeptieren den Vertrag allerdings nicht und führen den bewaffneten Kampf weiter. Zudem haben sich kriminelle Gruppen, Dissidenten, paramilitärische Gruppen und teils auch die ELN-Guerilla in den von der FARC verlassenen Regionen niedergelassen.

In dem jahrzehntelangen Konflikt zwischen Staat und Guerilla starben rund 300.000 Menschen, mehr als sieben Millionen wurden Binnenflüchtlinge. Für seine Bemühungen, den bewaffneten Konflikt zu beenden, erhielt Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos den Friedensnobelpreis.

stu/se (epd, kna, dpa)

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