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Ebola in Europa

Gudrun Heise7. Oktober 2014

Jeden Tag gibt es neue Zahlen zu Ebola-Opfern und Ebola-Infizierten. Bisher war die Erkrankung weit entfernt von Europa, in Westafrika. Jetzt aber hat sich eine spanische Krankenschwester infiziert. Ein Einzelfall?

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Spanien Ebola Krankenhaus 7. Oktober (Foto: REUTERS/Andrea Comas).
Bild: Reuters/Andrea Comas

"Der Ebola-Fall in Spanien ändert an der Situation in Europa nichts", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Dennoch sei ohne Frage ein Fehler passiert. "Da muss jetzt ganz genau geschaut werden, woran das gelegen hat. Wir müssen uns hier in Deutschland jetzt nicht große oder plötzlich mehr Sorgen machen. Wir müssen auch nicht irgendetwas verändern. Wir sind hervorragend vorbereitet", so der Virologe.

Die Nachricht von einer Krankenschwester, die sich in Madrid bei einem mit Ebola-infizierten Patienten angesteckt hat, verbreitete sich schnell. Dass ein ähnlicher Fall auch in Deutschland passieren könnte, das kann sich auch Stephan Becker, Leiter der Virologie an der Universitätsklinik Marburg, nicht vorstellen, auch wenn man es nicht ganz ausschließen könne. "Man muss sich aber darauf verlassen können, dass der Arzt oder die Ärztin bei entsprechenden Symptomen eben auf die Idee kommt, es könnte Ebola sein. Ich glaube, dass das bei der großen Aufmerksamkeit, die Ebola momentan hier in Deutschland hat, auch der Fall sein wird", so Becker.

Sofortige Einweisung in eine Sonder-Isolierstation

Wenn der Verdacht besteht, dass sich jemand mit Ebola infiziert hat oder mit einem anderen Virus, das hämorrhagisches Fieber auslöst, wie etwa das Marburg-Virus, dann kommt derjenige umgehend in eine Sonder-Isolierstation. Die gibt es beispielsweise in Hamburg und Frankfurt, in Berlin und München. "Es ist ein Netz von solchen Sonder-Isolierstationen, das über Deutschland ausgespannt ist", erläutert Becker. Die Schutzmaßnahmen und die Anweisungen für Ärzte und Pfleger seien sehr strikt. Würde jemand mit typischen Ebola-Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall eingeliefert, werde der Verdacht auf Ebola sofort überprüft, so der Virologe. Dem Patienten wird Blut abgenommen, das wird dann in die entsprechenden Speziallaboratorien geschickt, etwa ins Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg oder an das Institut für Virologie in Marburg. "In kürzester Zeit kann dort herausgefunden werden, ob sich der Verdacht bestätigt, also ob der Patient wirklich Ebola hat oder nicht", erläutert Becker.

Universitätsklinikum in Frankfurt am 7.4.2013 (Foto: Imago).
Am Uniklinikum Frankfurt ist eine von mehreren Isolierstationen in DeutschlandBild: imago

Gefährlicher Kontakt

Von Mensch zu Mensch wird das Ebola-Virus nur über engen Kontakt übertragen, über Körperflüssigkeiten. Dabei stellt die Pflege eines Erkrankten ein sehr hohes Risiko dar. Isolierstationen sind oberstes Gebot. In einer solchen Station war auch der Ebola-Patient in Madrid untergebracht. "Jetzt ist es ganz wichtig, dass herausgefunden wird, wie sich diese Krankenschwester infizieren konnte, damit wir alle daraus lernen können. Es ist natürlich erschreckend, dass das passiert ist, und es ist auch für uns jetzt erst einmal nicht zu erklären", sagt Schmidt- Chanasit. In Spanien wurde ein Notfallplan aufgestellt. Alle Personen, die seit dem Ausbruch der Erkrankung mit der Krankenschwester in Kontakt gekommen sind, müssen auf eine Ebola-Infektion hin untersucht werden.

Ebola-Schutzanzüge (Foto: REUTERS/Umaru Fofana).
Schutzanzüge sind ein Muss im Umgang mit Ebola-PatientenBild: Reuters/Umaru Fofana

Keine Situation wie in Westafrika

Je mehr Ärzte und Wissenschaftler über das schreckliche Virus wissen, umso größer ist die Chance, das Problem in den Griff zu bekommen. In Deutschland sei man auf mögliche Fälle hervorragend vorbereitet, sagt Schmidt-Chanasit. "Man hat das ja gesehen. Der Patient in Hamburg wurde sicher und gut behandelt. Da hat sich niemand infiziert. Auch in Frankreich, in Großbritannien hat alles hervorragend geklappt, und eigentlich auch in Spanien. Jetzt bleibt abzuwarten, woran das gelegen hat, dass sich diese Krankenschwester infizieren konnte, wo die Lücke gewesen ist." Dass es an prinzipiellen Arbeitsvorschriften gelegen haben könnte oder daran, wie mit Infizierten umgegangen wird, glaube Schmidt- Chanasit nicht.

Isolierstationen werden regelmäßig überprüft, das Personal regelmäßig geschult. Das sei auch in Spanien so, weiß Schmidt- Chanasit. "Man könnte vielleicht vermuten - aber das ist wirklich nur eine Vermutung - dass es ein individueller Fehler war, dass eben eine Arbeitsvorschrift nicht genau beachtet wurde. Aber das sind wirklich reine Spekulationen, und man muss man jetzt einfach abwarten, was die Untersuchungen ergeben." Der Virologe Stephan Becker ist überzeugt: Die Möglichkeiten, dass sich Ebola zu einem Flächenbrand wie in Westafrika ausweitet, das ist in Deutschland einfach nicht gegeben. Und das ist eigentlich die Botschaft."