DW startet türkischen YouTube-Kanal +90 | Europa | DW | 29.04.2019
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Medienpartnerschaft

DW startet türkischen YouTube-Kanal +90

Die Deutsche Welle und drei weitere internationale Medienhäuser haben gemeinsam den türkischen YouTube-Kanal +90 gestartet. Das Ziel: Stärkung der Rede- und Medienfreiheit in der Türkei.

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Limbourg: "Zusatzangebot für mehr Meinungsvielfalt"

+90 - so lautet die internationale Telefonvorwahl der Türkei. Auf YouTube ist unter diesem Namen ab sofort ein neuer Informationskanal in türkischer Sprache erreichbar. Das Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Welle (DW) und ihrer Partnersender, der britischen BBC, des französischen Sender France24, sowie der US-amerikanischen Voice of America, bietet ein breites journalistisches Informationsangebot - sowohl für Nutzer in der Türkei, als auch für Türken, die außerhalb ihres Heimatlandes leben. In Reportagen, Hintergrundberichten und Interviews widmen sich die Macher einem breiten Spektrum gesellschaftspolitischer Themen. 

Glaubwürdige Informationen, unabhängige Meinungsbildung

Gemeinsam mit den Verantwortlichen der drei Partnersender schaltete DW-Intendant Peter Limbourg den Youtube-Kanal während einer Pressekonferenz in Istanbul online. Bereits zum Start sind zahlreiche Videos auf dem Kanal zu finden, darunter Reportagen zur Baukrise in der Türkei oder zum Thema Kinderheirat.

"Mit dem einzigartigen Projekt +90 möchten wir gemeinsam Brücken in Richtung Türkei bauen", sagte DW-Intendant Peter Limbourg zum Start. "Es besteht ein großes internationales Interesse an diesem Land. Wir möchten zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beitragen, indem wir eine Plattform für Dialog anbieten und die Nutzerinnen und Nutzer noch stärker einbinden, als wir es bislang getan haben."

Inhalte jederzeit abrufbar

Die internationalen Rundfunkanbieter steuern gleichermaßen Videoinhalte zu dem Kanal bei, die den Nutzern jederzeit zum Abruf zur Verfügung stehen. "Die vier Rundfunkanstalten stellen ein umfangreiches Angebot zusammen, das auch zum Ziel hat, die Rede- und Medienfreiheit zu stärken", erklärte Limbourg.

Die Deutsche Welle betreut das Projekt federführend. Bereits jetzt sind die Zugriffszahlen auf die türkischen Kanäle der DW hoch: Durchschnittlich generierte das türkische DW-Angebot in den Monaten Januar bis März 2019 rund 19 Mio. Zugriffe auf allen Plattformen. Allein Videos auf den Social-Media-Plattformen Facebook, YouTube und Twitter erzeugten durchschnittlich 16 Mio. Views - ein Anteil von 84%. Nie zuvor wurde das türkische Angebot so stark genutzt.

Berichte, die in die Tiefe gehen

Die Journalisten Erkan Arikan und Isil Nergiz sind verantwortlich für den Aufbau des Kanals. Für Arikan ist es das erste große Projekt bei der DW. Ende 2018 wechselte er vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) zur Deutschen Welle und übernahm die Leitung der Türkisch-Redaktion der DW. Über das neue Angebot sagt er: "Wir setzen auf Themen, die in der türkischen Gesellschaft diskutiert werden. Der neue Kanal hat nicht den Anspruch, die Aktualität so abzubilden wie ein Nachrichtensender. Wir gehen bei ausgewählten Themen in die Tiefe und können durch die längeren Erzählformate auf YouTube neue Aspekte zeigen."

Erkan Arikan (DW/B. Scheid)

Erkan Arikan, Leiter der Türkisch-Redaktion der DW: "Bei ausgewählten Themen in die Tiefe gehen"

DW-Intendant Limbourg betont, der deutsche Auslandssender seine Partner legten großen Wert auf Ausgewogenheit der journalistischen Inhalte. Daher sei man aktiv auf die türkische Regierung zugegangen und habe sie vorab über den Start des YouTube-Kanals informiert und sie bei der Gelegenheit ausdrücklich ermuntert, für Interviews zur Verfügung zu stehen. So könne im Programm das ganze Spektrum an Meinungsvielfalt abgebildet werden, gerade auch bei schwierigen Themen.  

Ein Fenster nach Europa öffnen

Das Projekt gehört zur Aufgabenplanung der Deutschen Welle für die Jahre 2018-2021. Darin heißt es: "Entgegen vieler Hoffnungen lässt die türkische Regierung inzwischen keinen Zweifel an ihrem autoritären Kurs." Die DW wolle in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten in der Türkei europäische Werte vertreten. Diese inhaltliche Ausrichtung sei durchaus eine Herausforderung im türkischen Markt: "Journalistische Arbeit in der Türkei wird zunehmend schwieriger, potenzielle neue Partner lehnen eine Zusammenarbeit mit unabhängigen westlichen Informationsanbietern immer häufiger ab." Eigene Plattformen würden daher zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Anfang April hatte DW-Intendant Peter Limbourg den türkischen YouTube-Kanal im Deutschen Bundestag vorgestellt. Die Abgeordneten aller vertretenen Fraktionen brachten ihre Unterstützung für das Projekt zum Ausdruck und nannten die Schaffung des Kanals einen längst fälligen Schritt. Besonders lobten sie die Themenauswahl, die einen echten Mehrwert für die Nutzer in der Türkei biete, so die Abgeordneten.

PK Start des türkischsprchigen YouTube Kanals +90 (Huseyin Aldemir)

DW-Intendant Peter Limbourg bei der Vorstellung des YouTube-Kanals +90

 Die durch Steuermittel finanzierte Deutsche Welle legt alle vier Jahre ihre Ziele und Aufgaben für die Zukunft fest. Der Deutsche Bundestag hat im Juni 2018 der Aufgabenplanung des deutschen Auslandssender für die Jahre 2018 bis 2021 zugestimmt. 

Millionen Nutzer weltweit

Es ist das erste Mal, dass gleich vier große westliche Auslandssender zusammenarbeiten. Zuletzt hatte die Deutsche Welle ihre Kooperation mit der französischen Gruppe France Médias Monde (FFM), zu der auch France24 gehört, ausgebaut. Für die Europawahlen bereiten die Redaktionen der beiden Sender eine Serie von Beiträgen vor, die in Social-Media-Netzwerken und auf Webseiten in mehreren Sprachen gepostet werden sollen. Die Deutsche Welle bietet unabhängige Informationen in 30 Sprachen. DW und FMM erreichen zusammen jede Woche 320 Millionen Nutzer über TV, Radio und ihre digitalen Angebote.

Der BBC World Service produziert Inhalte für Radio, TV und Online ebenfalls in einer Vielzahl von Sprachen und für zahlreiche Regionen. Das internationale Programm der BBC erreicht ein wöchentliches Publikum von 279 Millionen Menschen weltweit. Der vierte Partner, Voice of America, ist der größte internationale Rundfunkanbieter der USA. Das Medienhaus arbeitet in mehr als 40 Sprachen für wöchentlich rund 275 Millionen Menschen.

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