DW-Reporter in Belarus nach 20 Tagen Haft wieder frei | Presse | DW | 01.06.2021
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Presse

DW-Reporter in Belarus nach 20 Tagen Haft wieder frei

Der freiberufliche Journalist Alexander Burakow, der regelmäßig aus Belarus für die DW berichtet, wurde am Dienstag nach 20 Tagen Haft aus dem Gefängnis entlassen.

Im Gespräch mit der DW kurz nach seiner Freilassung verglich Burakow die Haftanstalt mit einem „Militärgefängnis“.

DW-Intendant Peter Limbourg äußerte sich besorgt über die sich verschlechternde Medienlage in Belarus: „Ich bin sehr erleichtert, dass unser Kollege die unrechtmäßige Haftstrafe mehr oder weniger unbeschadet überstanden hat, aber die Sorge wächst, dass die Spirale der staatlichen Gewalt gegen Journalisten sich weiterdreht. Es wird immer wahrscheinlicher, dass das Regime in Belarus auch die letzten unabhängigen Stimmen im Land zum Schweigen bringen will, egal mit welchen Mitteln. Dass der belarussische Botschafter in Berlin oder die Behörden in Minsk auf unseren Protest gegen die Verhaftung und Verurteilung von Alexander Burakow überhaupt nicht reagiert haben, ist kein gutes Zeichen.“

Russland Sotschi | Treffen | Putin und Lukashenko

Der russische Präsident Putin (rechts) und der belarussische Präsident Lukaschenko bei einem Treffen am 29. Mai 2021 in Sotchi.

Burakow sagte, dass die Polizeibeamten ihn während seiner gesamten Haftzeit nicht richtig schlafen ließen und nächtliche Kontrollen durchführten, bei denen er sich vollständig ausziehen musste. „Sie weckten mich zwei Mal pro Nacht, holten mich aus meiner Zelle und sagten mir, ich solle mich ausziehen, einschließlich der Unterwäsche.“ Ähnliche Kontrollen fanden auch tagsüber statt. Burakow wurde jeden Tag in eine andere Zelle verlegt und musste sich mehrere Tage lang eine Doppelzelle mit drei anderen Häftlingen teilen.

Burakow beklagte, dass ihm die Polizeibeamten weder Kissen noch eine Decke oder Bettwäsche zur Verfügung gestellt hatten. „Kein Kissen zu haben, ist das Schlimmste“, sagte der Journalist. Ersatzweise habe er eine leere Plastikflasche als Kopfunterlage benutzt. Die Beamten hätten trotz der niedrigen Temperaturen im Gefängnis keine warme Kleidung zur Verfügung gestellt. Auch Lebensmittel und persönliche Gegenstände, die seine Verwandten für Burakow abgegeben hatten, seien einbehalten worden. Der Journalist war in der Haft aus Protest in einen Hungerstreik getreten, musste ihn aber nach sieben Tagen aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.

Weißrussland Politiker Pawel Sewerinez

Oppositionspolitiker Pawel Sewjarynez

Burakow war am 12. Mai in seiner Heimatstadt Mogiljow, 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Minsk, in der Nähe eines Regionalgerichts festgenommen worden, als er für den russischsprachigen Dienst der DW über einen Prozess gegen den Oppositionspolitiker Pawel Sewjarynez berichten wollte. 

Drei Tage nach seiner Verhaftung wurde Burakow zu 20 Tagen Haft verurteilt. Die Anklage lautete, er habe „innerhalb eines Jahres wiederholt nicht genehmigten Demonstration teilgenommen“. In Mogiljow gab es am 12. Mai keine Massenproteste.

Dies ist das dritte Mal, dass Alexander Burakow innerhalb von zwei Jahren inhaftiert wurde. Im Jahr 2020 wurde er bereits zweimal zu je zehn Tagen vorübergehender Haft verurteilt.

Das Vorgehen gegen Journalist*innen in Belarus hat sich seit den Präsidentschaftswahlen im August letzten Jahres verschärft. Viele wurden mit Geld- oder Gefängnisstrafen belegt.