DW Akademie im Südsudan | Medienentwicklung | DW Akademie | DW | 04.06.2018
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Medienentwicklung

DW Akademie im Südsudan

Im Mittelpunkt der Arbeit der DW Akademie im Südsudan steht derzeit konfliktsensible Berichterstattung.

Die Mediensituation und Sicherheitslage im jüngsten Land der Welt sind weiterhin schlecht. In vielen Landesteilen stehen sich Regierungs- und Oppositionsgruppen sowie andere bewaffnete Gruppen gegenüber. Waffenstillstand wechselt sich mit wieder aufflammenden Unruhen ab. Die Hauptstadt Juba ist in der Regel ruhig; das gilt jedoch nicht für alle Regionen. Der Oppositionsführer und ehemaliger Vizepräsident ist ins Ausland geflohen. Damit ist die Umsetzung des Friedensvertrages in Frage gestellt. Friedensgespräche laufen oft ins Leere.

Nach dem neuerlichem Ausbruch des Konfliktes im Juli 2016 stehen die Medien im Südsudan stark unter Druck. Die Regierung sowie die Rebellen gehen dabei rücksichtslos vor: Medienschaffende werden häufig bedroht und eingeschüchtert, in Einzelfällen auch ermordet. Die Regierungspartei SPLM zensiert die Berichterstattung und greift auch in Personalentscheidungen der Redaktionen ein. Journalisten werden unter Anwendung von Gewalt gezielt daran gehindert, sich mit kritischen Themen – etwa dem Vorwurf der Oppositionsparteien bezüglich Korruption und Machtmonopolisierung – auseinanderzusetzen. Öffentliche Debatten finden kaum noch statt.

In der angespannten Lage werden alle Sendungen, die nicht eindeutig die Regierung unterstützen, von der Staatsmacht als feindselig bewertet. Zeitungen werden immer wieder willkürlich beschlagnahmt oder ganz geschlossen. Viele Journalisten müssen ins Ausland fliehen. Journalistenvereinigungen waren und sind offen in ihrer Verurteilung der Zensur, Verhaftungen und Morde an Medienschaffenden. Sie stellen eine gewisse Öffentlichkeit her, was das Thema Meinungsfreiheit betrifft. Dies ist doch risikoreich für die einzelnen Mitglieder.

Die Schließung von Radiostationen hat gravierende Auswirkungen auf die Informationslage der Bevölkerung: Von den rund elf Millionen Südsudanesen können 73 Prozent nicht lesen und schreiben, so dass Radioberichterstattung für viele die einzige Informationsquelle ist.

Unser Engagement

Da das Auswärtige Amt die Sicherheitsstufe auf 3B hochgesetzt hat, sind Maßnahmen im Lande derzeit unmöglich. Aktivitäten im Rahmen des BMZ-Projektes sind aus Sicherheitsgründen nach Norduganda und Nordwestkenia verlagert worden.

Die DW Akademie engagiert sich seit 2006 kontinuierlich im Südsudan und hat dadurch ein vertrauensvolles Verhältnis zu vielen Medienhäusern und Nichtregierungsorganisationen im Mediensektor aufbauen können. Durch die anhaltenden Konflikte musste die Arbeit im Lande selber jedoch unterbrochen werden; der Schwerpunkt verlagerte sich auf die Unterstützung südsudanesischer Exiljournalisten in Uganda und Kenia. Im Mittelpunkt der Arbeit der DW Akademie steht derzeit konfliktsensible Berichterstattung. Hierzu werden Medienschaffende aus verschiedenen Ländern zu gemeinsamen Workshops eingeladen, um sich besser kennen zu lernen, die eigene Wahrnehmung und Vorurteile zu hinterfragen und dadurch das Verständnis der verschiedenen ethnischen Gruppen untereinander zu stärken.

Ein wichtiger Partner ist das „Cross-Border Network“, ein 2017 – mithilfe der DW Akademie – gegründetes Netzwerk von 19 Radiostation aus dem südlichen Südsudan und dem nördlichen Uganda, einer Region mit über einer Million Geflüchteten. Ziele des Cross-Border Networks sind: Geflüchtete, Daheimgebliebene und Aufnahmegesellschaft mit Informationen zu versorgen, insbesondere zu Flucht und erzwungener Migration, sowie Austausch und Cross-Checking von Informationen, um gegen Gerüchte und Hate Speech vorzugehen. Außerdem sollen gemeinsam Sendungen produziert werden, auch mit Beiträgen von Exiljournalisten.

Mittelgeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Auswärtiges Amt (AA)

Ländermanagerin: Sheila Mysorekar

Einsatzorte: nördliches Uganda, Kakuma/ Kenia

Partner vor Ort: Cross-Border Network, Radio for Peace network (RaPNET), Association for Media Development in South Sudan (AMDISS), Union of Journalists of South Sudan (UJOSS), CEPO, FilmAid 

Schwerpunkte: Politische und rechtliche Rahmenbedingungen, Professionalität und wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Mediensektors, zivilgesellschaftliche Lobby für Meinungsfreiheit, Mitsprache benachteiligter Bevölkerungsgruppen, Konflikt und Medien/konfliktsensible Berichterstattung, Professionalität und Netzwerke im Journalismus

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