Duden-Chef für einheitliche Rechtschreibung | Deutschlehrer-Info | DW | 30.07.2015
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Deutschlehrer-Info

Duden-Chef für einheitliche Rechtschreibung

Wer heutzutage den Duden auf der Suche nach der richtigen Schreibweise nutzt, stößt selten auf eine einzige Antwort. Meist sind zwei oder drei Varianten zulässig. In der Duden-Redaktion würde man das gern ändern.

Wer kennt das nicht: Man tippt seinen Text in den Computer und kommt ins Grübeln ... Heißt es „Schifffahrt“ oder „Schiff-Fahrt“, „Angst einflößend“ oder „angsteinflößend“? Der Blick in den Duden verrät einem dann: Beides ist richtig – wobei eine Schreibweise empfohlen wird und die andere als Alternative angegeben ist.

„Wir Wörterbuchmacher hätten es lieber, wenn möglichst viel Einheitlichkeit herrscht“, sagt jetzt der Leiter der Duden-Redaktion, Werner Scholze-Stubenrecht, und ergänzt: „Wir haben auch den Eindruck, dass diejenigen, die den Duden kaufen, lieber nur eine Möglichkeit haben wollen.“

Reform mit Tücken

Kein Wunder, denn die Alternativen machen unsicher. Seit der Rechtschreibreform 1996, die 2005 mit überarbeiteten Neuregelungen ergänzt wurde, herrscht oft Ratlosigkeit an der Rechtschreibfront.

Bei der letzten Reform ging ein Aufschrei durchs Land, die Mehrheit der Deutschen lehnte sie ab. Das lag vor allem daran, dass man sich hinter verschlossenen Türen traf und nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit gelangten. Stattdessen wurden im Fernsehen Bilder von Schultafeln gezeigt, auf denen links die Wörter „Spaghetti“, „eislaufen“ und „Delphin“ aus der Ära vor der Reform standen und rechts die neue Schreibweise „Spagetti“, „Eis laufen“ und „Delfin“. Das war's, mehr Volksaufklärung gab es nicht.

Heutzutage empfiehlt der Duden übrigens wieder die Schreibweise „Spaghetti“. „Spagetti“ ohne „h“ ist nur die mögliche Alternative. Der „Delfin“ hingegen hat sich durchgesetzt, wobei die Alternative „Delphin“, wen wundert's, auch möglich ist. Aufs Glatteis begibt sich allerdings, wer „Eis laufen“ will, weil man nämlich nach dem Duden nun doch nur „eislaufen“ kann – ganz wie in alten Zeiten vor der Reform.

Eine Frau schaut in einen Duden

Selbst der Griff zum Duden hilft nicht immer weiter, wenn die Verwirrung groß ist

Verwirrung also überall. Manchem mag das ganz recht sein, weil man seine Schwächen so auf die Rechtschreibreform schieben kann. Sehr oft hört man den Satz: „Also, seit dieser Reform weiß ich überhaupt nicht mehr, wie ich schreiben soll“, dabei wussten viele das auch vorher schon nicht. Andere wenden neue Regeln gern falsch an. „Hmm, man soll doch das ‚ß‘ durch das ‚Doppel-s‘ ersetzen“, rumort es da im Hinterkopf. Ja, soll man – aber eben nicht bei Wörtern wie „Straße“ oder „Füße“ mit langem Vokallaut. Viele Deutsche verlassen sich bei der Orthografie mittlerweile auf die automatische Rechtschreibprüfung des Computers. Doch häufig zeigt sich, dass der Wortschatz dort begrenzt ist, zu oft werden Wörter unterschlängelt.

Immer weniger Diktate

In Berlin hat die Duden-Redaktion kürzlich einen Diktatwettbewerb veranstaltet. Das Ergebnis war, nun ja, nicht berauschend. In vielen Bundesländern dürfen Erstklässler in den ersten Schuljahren inzwischen nach Gehör schreiben, das wirkt sich später aus. „Man tut den Kindern keinen Gefallen“, meint der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus. Später umzulernen, sei schwierig. Nur in einem Drittel der Bundesländer sind Diktate überhaupt noch Pflicht, man will die Kinder nicht stressen. Doch das rächt sich: Aus Unis hört man immer wieder Klagen über eklatante Schreibschwächen der Studenten.

Daran kann der Duden natürlich nichts ändern. Aber eine einheitliche Rechtschreibung wäre zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, meint man in der Duden-Redaktion. In manchen Bereichen sei die Reform ja eine Erleichterung gewesen, so Scholze-Stubenrecht: „Ich persönlich hätte aber mit etwas weniger Aufwand und etwas weniger Änderungen gut leben können.“


suc (mit dpa)/bs

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