Druck auf Schalke-Boss Tönnies wächst | Aktuell Deutschland | DW | 04.08.2019
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Rassismus und Fußball

Druck auf Schalke-Boss Tönnies wächst

Nach seinen Aussagen über Afrika und dessen Bevölkerung kommt weiter scharfe Kritik an Schalke-Aufsichtsrat Clemens Tönnies von Fans, Sport und Politik. Der Tenor lautet, der rassistische Ausfall ist nicht entschuldbar.

Fussball Schalke l Kritik an Aufsichtsratschef Clemens Tönnies wächst (picture-alliance/dpa/T. Rehbein)

Es wird eng für Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies

Auch die Bundesregierung hat sich in die Diskussion um Clemens Tönnies' Aussagen eingeschaltet. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht spricht von "dumpfem Rassismus". Wer diesen verbreite, stelle sich gegen hunderttausende Fußballfans. "Die übergroße Mehrheit steht klar für Menschlichkeit und Toleranz", sagte die Justizministerin der Funke Mediengruppe.

Tönnies hatte am Donnerstag in einer Rede vor Unternehmern gefordert, in Afrika Kraftwerke zu finanzieren: "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Lambrecht forderte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf, sich mit dem Vorfall zu beschäftigen. "Rassismus muss man überall laut und deutlich widersprechen: in sozialen Netzwerken, im Verein, im Job und auf dem Fußballplatz." Lambrecht sagte weiter: "Nirgendwo gelingt Integration so gut und so schnell wie im Sport. Das darf man nicht gefährden."

Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, sagte der Zeitung "Welt am Sonntag": "Die am folgenden Tag veröffentlichte Klarstellung durch Herrn Tönnies kann den gesellschaftspolitischen Schaden sicher nicht wettmachen."

DFB-Ethikkommission schaltet sich ein

Die Forderung der Politik nach einem Eingreifen des DFB wurde bereits erfüllt. Der Vorsitzende der DFB-Ethikkommission, Nikolaus Schneider, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass die umstrittenen Aussagen von Schalke-Aufsichtsratchef Tönnies bei der nächsten Sitzung am 15. August Thema sein werden. Das Gremium kann selbst keine Strafe gegen Tönnies aussprechen, den Vorfall aber zur Anklage bei der DFB-Gerichtsbarkeit bringen.

Am Samstag hatte Tönnies schon klare Kritik von DFB-Interimschef und Ligapräsident Reinhard Rauball bekommen. "Ich war sehr überrascht, dass ihm das so passiert ist, und das kann man nicht durchgehen lassen, kommentarlos", sagte Rauball nach dem Supercup in Dortmund.

Schalke Fans fordern Tönnies'-Rücktritt

Auch viele Fans des Fußballbundesligisten Schalke 04 regieren empört. In den sozialen Medien fordern weiterhin zahlreiche Anhänger den Rücktritt des Klubchefs. Gedankenlosigkeit lasse in Zeiten wachsenden Zuspruchs für rechtspopulistische Partien niemand als Entschuldigung gelten, sind sie sich einig. Sie drohen mit Vereinsaustritt, wenn Tönnies bleibt.

Die Schalker Fan-Initiative twitterte bereits am Freitag: "Den Rassismus können wir nicht durchgehen lassen." Und weiter: "Jemand, der unseren Verein repräsentiert, darf solche Gedanken nicht mal in sich tragen. Der Verein muss jetzt ein Zeichen setzen und Konsequenzen ziehen!"

Entschuldigung kommt nicht an

Der milliardenschwere Fleischfabrikant Tönnies hatte am Donnerstag bei der Festveranstaltung zum "Tag des Handwerks" in Paderborn eine Rede zum Thema "Unternehmertum mit Verantwortung - Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung" gehalten. Dabei fielen die umstrittenen Aussagen des Schalke-Bosses zu Kraftwerken für Afrika, dem Fällen von Bäumen und der Geburtenrate der Afrikaner.

Für diese Aussagen hatte er sich später entschuldigt und sie als "töricht" bezeichnet. Der 63-Jährige nannte seine Wortwahl in einer Entschuldigungsbitte als in "Inhalt und Form unangebracht".

Am Samstag zeigte sich Tönnies, seit 2001 der starke Mann beim Traditionsklub aus Gelsenkirchen, abermals reumütig. "Ich bin über mich selbst bestürzt, dass mir so etwas passieren konnte. Da hilft kein drum herum reden, da hilft auch keine Verschlimmbesserung, es war schlicht töricht", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" und beteuerte, er werde das "wiedergutmachen".

qu/AR (dpa, sid)

 

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