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Droht nach dem Lockdown ein Museumssterben?

29. Oktober 2020

Der Corona-Lockdown zwingt Deutschlands Museen zu schwierigen Einschnitten. Eckart Köhne, Präsident des deutschen Museumsbundes, fürchtet sogar Schließungen.

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Eckart Köhne, Präsident Deutscher Museumsbund
Eckart Köhne sieht die Museumslandschaft bedrohtBild: Badisches Landesmuseum/Foto: Uli Deck

DW: Herr Prof. Köhne, sind neuerliche Museumsschließungen nötig und berechtigt?

Eckart Köhne: Naja, das ist zunächst mal eine politische Entscheidung. Gesundheit hat die oberste Priorität, das kann ich selbstverständlich nachvollziehen. Gleichwohl sind mir aus Museen keine Corona-Fälle bekannt. Museen sind keine Orte mit besonderem Risiko. Aber: Die bevorstehenden Einschnitte im Kulturbereich sind auf demokratischem Weg zustande gekommen. Ziel muss es sein, die Zahl der Neuinfektionen zu senken.

Was, fürchten Sie, steht den Museen bevor?

Ich rechne mit einer vierwöchigen Schließung. Zunächst müssen wir abwarten, wie die Länder die Beschlüsse umsetzen. Aber wir gehen davon aus, dass es auch die Museen trifft. Für sie wird es schwierige Einschnitte geben – etwa bei Ausstellungen oder beim Personal. Das bedeutet Verluste: Die Einnahme- und Verdienstausfälle betreffen uns alle, gerade auch private oder vereinsgeführte Häuser oder Museen, deren Bestand von Einnahmen abhängig ist. Bedauerlich ist auch, dass viele Menschen auf das Museum als sozialen Ort verzichten müssen.

Zwei Museumsbesucher mit Gesichtsmaske passieren ein Kunstwerk
Müssen trotz Hygienemaßnahmen wohl wieder schließen - die Museen in DeutschlandBild: picture-alliance/dpa/S. Stache

Die Frage ist doch: Gelingt es in vier Wochen, die Ansteckungswelle zu brechen? Wir hoffen, dass die Maßnahmen – einschließlich der Museumsschließungen – wirken.

Sie selbst leiten das Badische Landesmuseum, ein staatliches Haus. Was heißt ein Lockdown hier?

Wir rechnen fest mit der Schließung. Die Landesregierung in Stuttgart hat auf ihrer website schon angekündigt, dass der Lockdown auch die Museen trifft. Wir werden nun die Aufsichten teilweise wieder freistellen müssen - bei fortlaufender Bezahlung. Dies betrifft auch die Scouts für unsere Sonderausstellung ″Räuber Hotzenplotz", das sind befristet angestellte Kolleginnen und Kollegen, die wir nach der Wiedereröffnung dringend brauchen. Auch werden wir unser Sicherheitskonzept aktualisieren. Es muss beispielsweise zusätzliche Kontrollgänge geben, wenn das Museum schließt. Am Ende des Jahres rechnen wir mit einem deutlichen Minus in unserem Museumsbudget.

Und was sagen Sie der Politik?

Als Präsident des Deutschen Museumsbundes muss ich deutlich vor den Spätfolgen dieser Krise warnen. Ich will nicht hoffen, dass wir ein großes Museumssterben erleben. Aber viele der Häuser haben keinerlei finanzielle Polster. Und wenn kommunale Träger jetzt erwägen, ihre – freiwilligen – Ausgaben für den Kulturbereich zu kürzen, dann wäre das Sparen am falschen Ende! Denn nach der Krise wird es eine Diskussion geben, wie wir wieder Leben in die Städte bringen. Und der Schlüssel dafür heißt: Kultur! Da ist es doch ein Gebot der Stunde, in die Kultur zu investieren!


Der Archäologe Eckart Köhne, Jahrgang 1966, ist Direktor des Badischen Landesmuseums und fungiert als Präsident des Deutschen Museumsbundes

Das Gespräch führte Stefan Dege.