Drei Spuren zum mutmaßlichen Briefbomber | Aktuell Amerika | DW | 27.10.2018
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USA

Drei Spuren zum mutmaßlichen Briefbomber

Das FBI konnte schnell einen Erfolg vermelden: Der Verdächtige, von dem die mindestens 14 Briefbomben stammen sollen, ist gefasst. Die Fingerabdrücke auf einem Päckchen waren nur ein Indiz, das zu dem 56-Jährigen führte.

Nach der Festnahme von Cesar S. (Artikelbild) in Plantation, Florida, rückt eine Frage immer mehr ins Zentrum: Was war überhaupt der Zweck der Paketbomben? Keiner der Zünder war so eingestellt, dass er ausgelöst hätte, wenn das Paket seinen Adressaten erreicht hätte und geöffnet worden wäre. Manche Sprengsätze hätten überhaupt nicht funktionieren können. FBI-Direktor Chris Wray stellte jedoch klar: "Das waren keine Scherzartikel."

Als möglicher Absender der zum Teil laienhaft bis dilettantisch gebauten Bomben war Cesar S. schnell auf dem Radar der Ermittler aufgetaucht: Auf dem Paket, das für die kalifornische Abgeordnete Maxine Waters bestimmt war, fanden sie einen Fingerabdruck, der mit dem von S., der in einer Datenbank in Florida gespeichert war, übereinstimmte. DNA-Spuren am Paket für Barack Obama passten ebenfalls zu ihm. Als letztes Indiz bemerkten die Ermittler, dass die Schreibfehler in den Adressen mancher Empfänger zu den nicht immer korrekten Schreibweisen in seinen Online-Posts passten.

Verdächtigt wird ein Amateur-Bodybuilder

Die Anschuldigungen gegen Cesar S. destillierten die Ermittler in ein elfseitiges Dokument. Ihm werden fünf Straftaten zur Last gelegt, darunter illegaler Sprengstoffbesitz und Drohungen gegen frühere Präsidenten - insgesamt drohen dafür maximal 58 Jahre Haft. Der mutmaßliche Täter soll in der kommenden Woche einem Richter vorgeführt werden.

Florida Abtransort Lieferwagen Paketbomben Anschläge (Reuters/WPLG)

In diesem Bus soll der mutmaßliche Absender der Bomben zuletzt gelebt haben

Der 56-Jährige ist mehrfach vorbestraft, in den 1990ern wurde er mehrfach wegen Diebstahls festgenommen. 2002 erhielt er eine Bewährungsstrafe, weil er gedroht hatte, eine Bombe zu platzieren. Der ehemalige Stripper und Amateur-Bodybuilder schien zuletzt in seinem Auto gelebt zu haben, das mit Trump-Aufklebern verziert war. Andere Sticker zeigten Hillary Clinton in einem Fadenkreuz oder Beschimpfungen gegen den Fernsehsender CNN. Unterdessen entschuldigte sich der Kurznachrichtendienst Twitter, dass er einen Tweet, in dem S. einer Demokratin geschrieben hatte, sie solle "ihre Liebsten jedes Mal fest drücken, wenn sie das Haus verlässt", nicht sperrte, als die Frau den Tweet gemeldet hatte.

Am Mittwoch war in der Post der Clintons ein verdächtiges Päckchen abgefangen worden, aus dem gleichen Grund wurde das Gebäude in New York, aus dem CNN sendet, evakuiert. Weitere Pakete gingen an Ex-Präsident Barack Obama, dessen damaligen Vizepräsidenten Joe Biden, Filmemacher Robert de Niro, den Milliardär George Soros und weitere demokratische Politiker. Sie alle eint die teils scharf geäußerte Kritik an US-Präsident Donald Trump.

Briefbombe USA - Fahndung in Opa-Locka (picture-alliance/dpa/W. Lee)

Mitglieder eines Bombenentschärfungskommandos in einem Postzentrum in Florida

Trump spielt die Bomben herunter

Trump versuchte nach der Festnahme von S., die Pakete als "Bomben-Kram" herunterzuspielen. Er hatte bereits angekündigt, die eigene Rhetorik nicht mäßigen zu wollen und stattdessen den Medien an der immer gefährlicheren Stimmung im Land zugeschoben. Trump führt seit Jahren einen Feldzug gegen liberale Medien, insbesondere auch CNN, und hatte erst vor einer Woche einen tätlichen Angriff auf einen Journalisten gelobt.

Am 6. November finden in den USA Kongresswahlen statt. Alle 435 Mandate des Repräsentantenhauses und 35 der 100 Sitze im Senat stehen zur Wahl. Nachdem die Gefahr weiterer Bomben gebannt scheint, könnte das Thema nun auch im Wahlkampf brisanter werden: "Die Debatte bedeutet jede Menge politisches Futter für beide Seiten", schreibt die Nachrichtenseite "The Hill".

ehl/stu (dpa, ap, rtr)

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