Dozent soll wegen ″Blasphemie″ sterben | Aktuell Asien | DW | 21.12.2019
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Pakistan

Dozent soll wegen "Blasphemie" sterben

Menschenrechtler hatten sich vergeblich für den Pakistani eingesetzt. Der Fall erinnert an Asia Bibi, die mehr als acht Jahre in der Todeszelle verbracht hatte, ehe sie das Land verlassen durfte.

Pakistan Polizist steht Wache vor Zentralgefängnis (Getty Images/AFP/Ss Mirza)

Ein Polizist steht vor dem Zentralgefängnis der Stadt Multan

Wegen Gotteslästerung ist in Pakistan ein Universitätsdozent zum Tode verurteilt worden. Ein Gericht in Multan in der Provinz Punjab verhängte wegen weiterer Vorwürfe zudem eine lebenslange Freiheitsstrafe sowie eine Geldstrafe von 500.000 Pakistanischen Rupien (umgerechnet knapp 3000 Euro) gegen den Mann.

Im Urteil heißt es: "Es ist diesem Gericht nicht möglich, Milde walten zu lassen. Und auch im Islam ist dies nicht gestattet." Gegen die Entscheidung können noch Rechtsmittel eingelegt werden. Dann müsste ein höheres Gericht den Richterspruch überprüfen.

Verteidiger wurde erschossen

Der Dozent der Bahauddin-Zakariya-Universität in der Millionenstadt Multan im Osten des Landes war 2013 festgenommen worden, weil er blasphemische Inhalte auf Facebook verbreitet haben soll. Seit 2014 befand er sich in Einzelhaft. Ein Anwalt, der den Hochschullehrer verteidigt hatte, war 2014 in seiner Kanzlei erschossen worden.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte die Behörden in Pakistan im Oktober vergeblich aufgefordert, die Anklage gegen den 33-Jährigen fallenzulassen. Das umstrittene Blasphemiegesetz, das für Beleidigungen des Islams oder des Propheten Mohammed die Todesstrafe vorsieht, war in den 1980er Jahren in Pakistan erlassen worden. Aus Furcht vor Protesten religiöser Eiferer hatte es seitdem keine Regierung gewagt, daran zu rütteln.

Etwa 40 Menschen im Todestrakt

Der Fall erinnert an den Prozess gegen die Christin Asia Bibi, die mehr als acht Jahre in der Todeszelle verbracht hatte, bevor der Blasphemievorwurf gegen sie 2018 fallengelassen wurde. Religiöse Hardliner hatten mit heftigen Protesten ihre Freilassung verhindern wollen. Die Katholikin war im vergangenen Mai nach Kanada ausgereist.

Nach Angaben der US-Kommission für Internationale Religiöse Freiheit von 2018 sitzen etwa 40 Menschen unter dem Vorwurf der Blasphemie in pakistanischen Todeszellen.

jj/pg (dpa, afp)

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