documenta 14 polarisiert schon im Vorfeld | Kunst | DW | 15.09.2016
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Kunst

documenta 14 polarisiert schon im Vorfeld

Eigentlich startet die documenta 14 erst 2017 - und erstmals findet sie in zwei Ländern statt. In Athen eröffnete jetzt schon mal eine Ausstellung. Doch sie hat nicht nur Befürworter. Viele Griechen sind verärgert.

Erstmals in ihrer 60-jährigen Geschichte wird die documenta im kommenden Jahr nicht nur in Kassel, sondern auch in Athen stattfinden. Die wichtigste internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst startet im kommenden April zunächst in der griechischen Hauptstadt und eröffnet zwei Monate später in Kassel. Mit den "Öffentlichen Programmen" geben die Griechen aber bereits jetzt den Startschuss für die documenta 14. Kurator Paul B. Preciado hat dazu 45 internationale Teilnehmer gebeten, in Gesprächen, Workshops und Vorführungen mit der Öffentlichkeit in Dialog zu treten.

Die Auftaktveranstaltung "34 Freiheitsübungen" findet im Städtischen Kunstzentrum Athen statt. Der griechische Architekt und Künstler Andreas Angelidakis lädt die Besucher mit seiner ausgestellten Installation ein, selbst Hand anzulegen: im Ausstellungsraum hat er 68 gewaltige Ruinenblöcke platziert. Die massiven Elemente in Sichtbetonoptik sind aus leichtem Kunststoff gefertigt und können im Raum beliebig neu gestaltet werden. Das Gebäude selbst war während der griechischen Militärdiktatur (die sogenannte Obristenjunta 1967 - 1974) Hauptquartier der Militärpolizei - dahinter befindet sich eine ehemalige Haft- und Foltereinrichtung. Schon der Ausstellungsort befremdet daher manche Griechen, obwohl er als Kunstzentrum eigens von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt wurde.

Das Team der documenta hat die Räumlichkeiten im Parko Eleftherias "freigelegt" und Teile der Deckenverkleidung entfernt, so dass sowohl Kabel und Schläuche als auch die alten Holzbalken der Dachkonstruktion sichtbar werden. Zusammen mit der formbaren Architektur, die Andreas Angelidakis demos (Volk) getauft hat, entsteht ein Raum, der versucht, die Geschichte des Ortes zu beleuchten und darüber hinaus zu reflektieren.

Die documenta spaltet die Athener

Die Reaktion vor allem der konservativen Presse auf dieses Anliegen fiel jedoch zum Teil vernichtend aus. "Die documenta war eine Gelegenheit, sich dieser Stadt kreativ zu widmen, weg von den Stereotypen, von der Besessenheit mit der Antike, von Idealisierung und touristischer Folklore", schrieb die Athener Tageszeitung Kathimerini. "Aber ach! - wenn jemand die Statements liest, wird er feststellen, dass die 14. documenta auf kämpferischen Gedanken basiert, unerträglich restriktiv und einseitig bis hin zur Obsession."

Athens Bürgermeister Giorgos Kaminis widerspricht den Kritikern. "Die documenta 14 ist ein Geschenk für die griechische Hauptstadt und wird ein fruchtbares Vermächtnis hinterlassen, indem Athen neben der touristischen auch eine zeitgenössisch-kulturelle Destination wird", sagte Kaminis. Die Stadt sei der Garant der Freiheit des Schaffens und unterstütze die Veranstaltung nach Kräften. "Wir werden unser Bestes tun, damit auch Athen eine starke kulturelle Agenda anbietet", so der Bürgermeister.

Sowohl in Athen als auch in Kassel wird die documenta 14 genau 100 Tage dauern. Die Ausstellungen in der griechischen Hauptstadt sind vom 8. April bis 16. Juli geöffnet, die in Kassel vom 10 Juni bis 17. September 2017.

sf/suc (dpa, www.documenta14.de/de )

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