Digitales Storytelling: „Wir sind dafür verantwortlich, das Geschehene visuell zu dokumentieren“ | Nahost/Nordafrika | DW | 02.11.2018
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Nahost/Nordafrika

Digitales Storytelling: „Wir sind dafür verantwortlich, das Geschehene visuell zu dokumentieren“

Bei der digitalen Fortbildung „Media Heroes“ lernen arabische Journalisten Wissenswertes zu aktuellen Medienthemen, zum Beispiel digitales Storytelling. Das ist besonders für Journalisten aus Konfliktregionen relevant.

Die digitale Fortbildung „Media Heroes“ richtet sich an Journalisten und Aktivisten aus der arabischen Welt, insbesondere aus Syrien, Libyen, Jemen, Irak und den Palästinensischen Gebieten, also Journalisten, die man über die klassischen Trainings nicht erreichen kann. In einem interaktiven und digitalen Lernformat werden Methoden und Tools vorgestellt sowie Wissen ausgetauscht – alles in arabischer Sprache, was bisher einzigartig ist.

„Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es für Menschen aus verschiedenen Ländern sehr einfach zugänglich ist und sich die Teilnehmer über neue und spannende journalistische Themen austauschen können“, erklärt Projektmanagerin Audrey Parmentier aus dem Team Medienentwicklung Nahost/Nordafrika der DW Akademie. Das vom Auswärtigen Amt finanzierte Projekt ist im September  gestartet, bis Endes des Jahres wird es noch drei Webinare geben. Die Themen sind digitale Sicherheit, gender-based violence, Verifizierung von Bildern und Videos, Datenvisualisierung und konfliktsensible Berichterstattung. Die Seminare stehen im Anschluss auch offline in einer geschlossenen Facebook-Gruppe bereit. „Sehr praktisch für Journalisten in Ländern wie Libyen, wo die Menschen oft zehn Stunden am Tag keinen Strom haben“, erklärt Parmentier.

„Die ersten beiden Sessions der Fortbildung sind sehr gut angenommen worden“, berichtet Parmentier. Die erste Live-Session mit Abir Ghattas über digitale Sicherheit schauten 68 Teilnehmer aus 14 Ländern an, an der zweiten Sitzung zum Thema Datenvisualisierung mit Dalia Othman nahmen 42 Teilnehmer aus zehn Ländern teil. Die durchschnittliche Teilnahmezeit lag jeweils bei einer Stunde und 23 Minuten –  und das bei 90 Minuten pro Sitzung. Ein Viertel der Teilnehmer schaute übrigens mit verborgener Identität zu.

Deutsche Welle Media Heroes | (DW/A. Parmentier)

Bei dem Projekt "Media Heroes" werden Methoden und Tools vorgestellt und Wissen ausgetauscht.

Komplexe Themen verständlich erzählt

Im Oktober bot Mohammad al Qaq, Trainer der DW Akademie, ein Webinar zum Thema digitales Storytelling an. Diese Form der Berichterstattung kombiniert viele verschiedene Elemente, Text wird mit Videos, Fotos, animierten Grafiken und Interaktionsmöglichkeiten verwoben. Dank der multimedialen Inhalte funktioniert sie auch in Ländern mit geringer Alphabetisierungsquote als Instrument zur Wissensvermittlung. Digitales Storytelling ist gerade für arabische Journalisten aus Krisenregionen wichtig, so al Qaq: „Das Erste, was Regime oder Besatzer tun, ist historische Narrative zu verfälschen oder zu löschen. Wir sind dafür verantwortlich, das Geschehen visuell zu dokumentieren. Und wenn du in solchen Umständen lebst, wirst du vielen Geschichten begegnen, die dokumentiert werden müssen.“ Journalisten, die in multimedialem Storytelling ausgebildet sind, könnten aber selbst alles dokumentieren und veröffentlichen, auch wenn andere Medien ihre Geschichten ignorierten. Al Qaq: „Das ist das Herzstück des Bürgerjournalismus.“ Offenbar sahen das die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch so: 41 Zuschauer aus 13 Ländern verfolgten seine Ausführungen.

„Bilder wirken stärker als Worte“

„Es ist etwas anderes, etwas zu sehen, als darüber zu lesen oder davon zu hören. Natürlich sind Texte auch wichtig, aber Menschen haben ein sehr starkes fotografisches Erinnerungsvermögen und glauben das, was sie sehen meist eher als das, was sie lesen“, ist al Qaq überzeugt. Das Gehirn nehme Bilder leichter auf als Wörter, wie die Bilder- und Videoflut in den Sozialen Medien beweise. „Aus diesem Grund versuchen unethische Medienplattformen, Fake News mit Bildern statt mit Texten zu belegen.“

Aufregung, Vorstellungskraft und Überraschungen

Für al Qaq sind digitale Geschichten eine Mischung aus der alten, traditionellen Art des Erzählens auf Papier mit digitalen Plattformen und Apps. „In beiden Fällen geht es um Aufregung, Vorstellungskraft und Überraschungen“, sagt er. Dafür benötige man keine aufwändige Ausstattung, ein Smartphone reiche für den mobilen Journalismus aus – zusätzlich zu einem guten Auge und einer kreativen Vorstellungskraft.

Al Qaq bezeichnet sich selbst als bildenden Künstler, der sich in unterschiedlichen Plattformen wie Video, Fotografie, Singen und Schauspielen ausdrückt. Mit „Khobbeizeh“ hat er einen der ersten Videoblogs der arabischen Region gegründet: „Ich war schon immer sehr interessiert an Multimedia-Plattformen. Als ich visuelle Kommunikation studiert und meinen Blog gegründet hatte, wurde mir klar, dass ich Menschen helfen möchte, ihre Geschichte zu visualisieren.“ 

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