Diego Maradona im Land der Drogenbarone | Sport | DW | 10.09.2018
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Trainerjob in Mexiko

Diego Maradona im Land der Drogenbarone

Neue Aufgabe für den "besten Fußballer aller Zeiten": Diego Maradona wird Trainer beim mexikanischen Zweitligisten Sinaloa. Sein Ziel ist der Aufstieg. Im Umfeld des Klubs tobt der blutige Machtkampf der Drogenkartelle.

Bei der Weltmeisterschaft in Russland fiel er als Edel-Fan Argentiniens noch in einer Weise auf, die um seinen Gesundheitszustand fürchten ließ. Nun ist Diego Maradona zurück auf der Trainerbühne, wenn auch auf einer eher kleinen. Ein übergroßes Porträt von "D10s", dem heiligen Zehner der Nationalmannschaft Argentiniens, hängt bei Mexikos Zweitligist Dorados de Sinaloa bereits am Stadioneingang, der neue Hoffnungsträger kann seinen Dienst beginnen.

"Das Ziel ist es, in die erste Liga aufzusteigen, das geht aber nicht ohne Opfer", verkündete Maradona im Interview mit dem Sportsender ESPN bei seiner Ankunft in Culiacan, der Hauptstadt des Bundesstaates Sinaloa. Und sein neuer Klub twitterte bereits euphorisch: "Der Chef ist angekommen."

In der Hand der Kartelle

Dabei ist Sinaloa, im Nordwesten Mexikos gelegen, international bislang nicht wegen fußballerischer Glanzleistungen, sondern vor allem wegen des berüchtigten Drogenkartells bekannt, das der gefürchtete Drogenbaron Joaquin "El Chapo" Guzman bis zu seiner Auslieferung 2017 in die USA führte. "Wir wollen, dass über Culiacan und Sinaloa anders gesprochen wird", erklärte Jose Antonio Nunez, Präsident von Dorados. Der Verein wolle mit der Anheuerung Maradonas einen Beitrag hierzu leisten.

Mexiko - Drogenkrieg - Symbolbild - El Chapo (picture alliance/dpa/J. Mendez)

Drogenbaron Joaquin "El Chapo" Guzman wurde im Januar 2017 an die USA ausgeliefert

Ein nachvollziehbarer Wunsch, allerdings wird Maradona, der selbst eine Drogenkarriere hinter sich hat, gleich mit dem Kartell in Zusammenhang gebracht: "Das Sinola-Kartell wird Maradona lieben, sie sind richtige Patrioten und wollen ihren Staat populärer machen", sagte der mexikanische Sicherheitsspezialist Alejandro Hope. Maradona wurde 1991 wegen Kokain-Missbrauchs erstmals von der FIFA gesperrt, 2000 und 2004 musste er jeweils wegen Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Kokain-Missbrauch soll der Grund dafür gewesen sein.

Gute Erinnerungen

Maradona kehrt nun in das Land zurück, in dem er 1986 den Höhepunkt seiner Karriere erlebte. In Mexiko führte er Argentinien ins Finale gegen Deutschland (3:2) und zum WM-Titel. Er wurde bester Spieler des Turniers und erzielte das irreguläre Tor im Viertelfinale gegen England. Die Situation wird noch heute als "Hand Gottes" bezeichnet.

Diego Maradona Fußball WM 1986 (picture-alliance/AP Photo/C. Fumagalli)

Kleiner Mann ganz groß: Diego Maradona nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko

Der 57-Jährige soll in Sinaloa für elf Monate verpflichtet worden sein und mit insgesamt 1,6 Millionen US-Dollar entlohnt werden, meldet die Sportzeitung "Record". Seinen Job als Ehrenpräsident von Dinamo Brest in Weißrussland soll Maradona beibehalten, wie der Klub mitteilte und auch der Argentinier bestätigte. Maradona hatte bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika als Coach die argentinische Nationalmannschaft betreut. Im Viertelfinale war gegen Deutschland Schluss. Ende April dieses Jahres war er als Trainer des Zweitligaklubs Fudschaira SC in den Vereinigten Arabischen Emiraten beurlaubt worden. Nun soll er Sinaloa Erfolge bringen.

Auf den Spuren Guardiolas

Die Verpflichtung Maradonas ist dabei nicht der erste Versuch von Dorados, sich hochzuspielen. Zwei Mal schaffte es der Verein vorübergehend in die höchste Liga, 2006 war auch der frühere Bayern-Trainer Pep Guardiola zum Abschluss seiner Spielerkarriere dabei. Wie weit der Sport in Sinaloa die Gewalttätigkeit der Drogenkartelle tatsächlich aus den Schlagzeilen verdrängen kann, ist allerdings fraglich. Das Sinaloa-Kartell liefert sich einen blutigen Machtkampf mit den Rivalen des Kartells Jalisco Nueva Generacion. Im ersten Halbjahr 2018 sind in Sinaloa nach Angaben der Sicherheitsbehörden bereits 976 Menschen ermordet worden. Ein Jahr zuvor waren es im gleichen Zeitraum sogar 220 Opfer mehr.

asz/ck (sid, dpa)