Die Zukunft des Dollars oder: Totgesagte leben länger | Wirtschaft | DW | 16.08.2018
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Währungen

Die Zukunft des Dollars oder: Totgesagte leben länger

Er sei sicher, so der russische Außenminister Sergej Lawrow dieser Tage in Ankara, dass der schwere Missbrauch des Dollar als Leitwährung letztlich zu dessen Untergang führen werde. Ist dem wirklich so?

Wenn die Stabilität von Währungen an das Vertrauen in deren Emittenten gebunden ist, dann sieht es nicht gut aus für den Dollar. Aus Washington kämpft Donald Trump gegen den Rest der Welt. Mitten im Handelskrieg mit China legt sich der amerikanische Präsident mit Russland und der Türkei an - doch die schlagen zurück und treffen Washington da wo es weh tut: Sie stellen die Führungsposition der Weltmacht in Frage, zunächst einmal bezogen auf die Währung.

Wo alles begann

Seinen Anfang nahm der Siegeszug der amerikanischen Währung am 14. Februar 1945 auf der USS Quincy, die gerade in den ägyptischen Bitterseen nahe dem Suezkanal ankerte. Im Bauch des mit Flak-Geschützen bewaffneten Kreuzers hatte man ein Empfangszimmer hergerichtet: ein paar hastig zusammengestellte Sessel und Tische auf einem Orientteppich, dazu das Sternenbanner. Im Hintergrund die stählernen Wände des mächtigen Navy-Schiffs. Nur eine Handvoll Personen waren zugegen. Der amerikanische Präsident Roosevelt versprach seinem saudischen Gast militärischen Schutz, König Ibn Saud verpflichtete sich dafür, alle Ölgeschäfte künftig in Dollar abzuwickeln

Franklin D. Roosevelt und König Ibn Saud (gemeinfrei/U.S. Navy)

Wo alles begann: Treffen zwischen US-Präsident Franklin D. Roosevelt (re.) und König Ibn Saud auf der USS Quincy am 14. Februar 1945

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Knapp zehn Jahre nach Abschaffung des Goldstandards war der Greenback wieder an einen Rohstoff gekoppelt: eben schwarzes Gold.

Ein Glücksfall für die USA, denn die Nachfrage nach Öl stieg in den Folgejahren rasch, und mit ihr die Nachfrage nach amerikanischer Währung. Bald wurden immer mehr internationale Geschäfte in Dollar abgewickelt.

Das ist bis heute so. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass rund 62 Prozent der Währungsreserven der Welt in Dollar gehalten werden. Zum Vergleich: Der Euro macht gute 20 Prozent der Währungsreserven aus, dahinter kommen Yen und Pfund mit einem Anteil von nicht einmal fünf Prozent.

Auch Devisentransaktionen laufen fast ausschließlich über den Dollar, über den 85 Prozent des internationalen Währungstausches gerechnet werden.

Die amerikanische Notenbank FED hat die globale Leitfunktion des Dollars stets unterstützt und für ausreichend Liquidität gesorgt. Nicht zuletzt dadurch ist die Dominanz der amerikanischen Währung längst ein Umstand, der sich selbst erhält.

Die Sache mit dem sicheren Hafen

Denn die Liquidität des Dollars macht ihn für Anleger als sicheren Hafen interessant – schließlich kann er schnell gehandelt werden. Das kann mitunter groteske Situationen auslösen: Wenn es etwa in anderen Anlageklassen brenzlig wird, gehen Investoren - darunter natürlich auch Zentralbanken und Unternehmen - auch dann in den Dollar, wenn ausgerechnet in Amerika die größten Gefahren für die Weltwirtschaft drohen. Zuletzt war das etwa während der Finanzkrise der Fall, oder auch beim regelmäßigen Streit im US-Kongress um die Schuldenobergrenze.

Der Ökonom Barry Eichengreen spricht von einem "unverschämten Privileg" für die USA. Und doch sieht auch er keine Alternative. Denn die beiden wichtigsten Rivalen haben ihrerseits Probleme: Der Euro, so Eichengreen, ist eine Währung ohne Staat, und der chinesische Renminbi eine Währung mit zu viel Staat. Will heißen: Bei einer Euro-Schwäche gibt es keine Regierung, die für die Stabilität der Währung gerade stehen könnte. Die chinesische Währung hingegen wird von der politischen Führung kontrolliert und nicht von marktwirtschaftlichen Kräften.

US-Notenbank (picture-alliance/dpa)

Die Heimat des US-Dollar: Die US-Notenbank FED in Washington DC

Weniger Dollar-Dominanz denkbar

In den USA ist es zurzeit schwer, mit Blick auf Politik und Wirtschaft von einer kontrollierten Situation zu sprechen. Präsident Trump scheut sich nicht, anderen Ländern - nicht zuletzt dem Währungskonkurrenten China - Manipulation am Renminbi vorzuwerfen, um dann einen Tweet später der eigenen Notenbank Empfehlungen für deren Geldpolitik zu geben. Zwar fährt die amerikanische Notenbank bislang einen stetigen und unangreifbaren Kurs. Doch seit das Weiße Haus unverhohlen Empfehlungen und Forderungen etwa über den Leitzins ausgibt, ist unklar, ob man sich auf die politische Neutralität der Fed immer wird verlassen können.

Auch auf den wirtschaftspolitischen Kurs Trumps will niemand wetten. Zu oft widersprechen sich seine Aktionen: Er spricht von großen Handelsabkommen, umgesetzt wurden aber bisher ausschließlich Absagen und keiner der versprochenen neuen Deals. Ein Handelsstreit mit China, Ungewissheit im Umgang mit Russland, zuletzt der Streit mit der Türkei, der die dortige Lira ins Bodenlose stürzen lässt… Eine wirklich sichere Bank ist der Dollar in der aktuellen Gemengelage nicht.

Bleibt die Frage: Welche Währung gibt künftig den Ton an? Russland und die Türkei haben angekündigt, im internationalen Handel miteinander zu nationalen Währungen zurückkehren zu wollen - den Umweg über den Dollar will man sich sparen. Möglicherweise werden andere Länder nachziehen und der Dollar wird in globalen Handel weniger dominierend sein. Die stärkste einzelne Währung wird er aber bleiben, solange man den USA auch im schlimmsten Chaos noch mehr Vertrauen schenkt als den Staaten hinter anderen Währungen.