Die theoretische Ölreserve | Wirtschaft | DW | 09.09.2005
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Wirtschaft

Die theoretische Ölreserve

3. Wo wird Tiefseeöl gefördert?

Vorbereitungen für Ölpipeline-Verlegung durchs Wattenmeer beginnen

Die Nordsee-Bohrinsel Mittelplate

In der Erdölwirtschaft beginnt die "Tiefsee" bereits ab 400 Metern Wassertiefe. Vor der Küste Westafrikas werden jedoch inzwischen Ölvorkommen angezapft, die 3500 Meter unter dem Meeresboden liegen. Die Gesamt-Vorräte werden auf 180 Billionen Barrel geschätzt: Das ist mehr als das Doppelte der bislang bekannten oberirdischen Lagerstätten. Die wichtigsten Förderländer für Tiefseeöl sind Angola, Brasilien, Nigeria und die USA. Mexiko und der so genannte "Atlantic Margin" holen auf. Zu den vielversprechendsten Lagerstätten im Atlantik gehören die Ölvorkommen vor den Färöer-Inseln und westlich der Shetland-Inseln.

Die Erschließung einer einzigen Tiefsee-Erdölquelle kostet jedoch zwischen 20 und 50 Millionen US-Dollar, hat Ölmulti ExxonMobil errechnet. Vor Angola wurden seit 1998 sechzehn Tiefseequellen erschlossen: vier 1998, zwei 1999, drei 2000, drei 2001, eine 2002 und drei 2003. Die jüngsten, "Kakocha" und "Tchihumba", produzieren zusammen fast 12.000 Barrel Rohöl am Tag - gefördert aus einer Wassertiefe von zirka 1000 Metern. Die Lagerstätten liegen zwischen anderthalb und dreitausend Metern unter dem Meeresgrund. Das Tiefseeöl enthält oft Paraffin. Das Paraffin verfestigt sich in den Pipelines, die durch das kalte Meerwasser geleitet werden. Deshalb müssen die Pipelines beheizt und isoliert werden.

4. Wo lagert Polaröl?

Reichhaltige Ölreserven werden zum Beispiel unter dem Inlandeis Grönlands vermutet. Erste Bohrungen in den Jahren 1976, 1977 und 1990 förderten zwar nur geringe Ölmengen zu Tage, aber die Klimaerwärmung in der Region und der steigende Ölpreis hätten die kanadische Firma EnCana dazu ermutigt, "das Risiko einzugehen", sagt Jörn Skov Nielsen vom "Büro für Mineralien und Öl" auf Grönland. "Eine einzige Probebohrung kostet allerdings zwischen 33,6 und 40,3 Millionen Euro."

Grönland

Disko Bay im Abendlicht

Das "Büro für Mineralien und Öl" geht davon aus, dass das Ölfeld zwei Milliarden Barrel hergeben könnte. Für 2006 und 2007 will das Büro neue Bohrlizenzen für den weiter nördlich gelegenen Disko-Fjord ausschreiben. Seismische Analysen haben dort Spuren von Kohlenwasserstoff ergeben, auf Felsen sei entwichenes Öl gefunden worden. In der Region liegt allerdings der Ilulissat-Gletscher - er ist Teil des Weltkulturerbes.

Auch in den Naturreservaten von Alaska gibt es Erdöl. Das Gebiet in der Küstenregion Alaskas wurde 1960 vom damaligen US-Präsidenten Dwight Eisenhower unter Schutz gestellt. Mit der knappen Mehrheit von 51 zu 49 Stimmen hat der US-Senat in Washington 2005 dort Öl-Bohrungen genehmigt. In Alaska werden zwischen 5 und 16 Milliarden Barrel Rohöl vermutet. Wie viel Öl es wirklich gibt, weiß keiner. Offiziellen Schätzungen zufolge könnten in zehn Jahren täglich eine Million Barrel Öl gefördert werden - das sind jedoch nur vier Prozent des US-Bedarfs. Noch ist die Entscheidung des Senats aus formalen Gründen nicht wirksam: Die Bohrerlaubnis muss auch vom Repräsentantenhaus beschlossen werden.

Summa summarum

Erdöl-Ressourcen zu nutzen, die nicht über eine Bohrinsel in leicht erschließbaren Gegenden zugänglich sind, ist unverhältnismäßig teuer, technisch aufwändig, energieintensiv und schlimmstenfalls umweltschädlich. Mit einem Wort, wie Erdölgeologe Blendinger sagt: "unwirtschaftlich."

Ingun Arnold

Bohrinsel in Alaska

Bohrinsel in Alaska

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