Die Straße von Hormus und das Öl | Wirtschaft | DW | 14.05.2019
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Erdöl

Die Straße von Hormus und das Öl

Mysteriöse Zwischenfälle mit Tankern in der Straße von Hormus - und allenthalben läuten die Alarmglocken. Zu angespannt ist die Lage in der Golfregion, zu wichtig ist die Wasserstraße für den Ölnachschub in alle Welt.

Der Preis für Öl der Sorte Brent stieg zum Wochenbeginn prompt über die 70-Dollar-Marke. Dabei weiß eigentlich niemand, was genau da am Sonntag und am Montag passiert war. Saudi-Arabien meldete am Montag, zwei Öltanker seien bei Sabotage-Angriffen beschädigt worden. Mit Details hielten sich die Saudis sichtlich zurück. Bereits am Sonntag hatte es von Seiten der Vereinigten Arabischen Emirate geheißen, vier Tankschiffe seien Ziel von Sabotage-Akten geworden.

Hier wurde als Ort des Geschehens ein riesiges Tanklager nahe Fujairah angegeben, in unmittelbarer Nähe zur Straße von Hormus. Es soll sich angeblich um Tanker unter den Flaggen Saudi-Arabiens, Norwegens und den Emiraten gehandelt haben. Satellitenbilder, die der Nachrichtenagentur AP am Dienstag vorlagen, zeigten allerdings keine größeren Schäden an den Schiffen.

Attacke auf die Ölversorgung?

Ungeachtet dessen warnten die USA vor Angriffen auf zivile Frachtschiffe in der Region, und Saudi-Arabien verurteilte die gemeldeten Attacken als Versuch, die Sicherheit der internationalen Öl-Versorgung zu unterminieren. Von keiner Seite wurden mögliche Urheber der Aktion genannt. Irans Außenministerium nannten den Zwischenfall "besorgniserregend und schlimm".

Karte der Straße von Hormus

Die Episode zeigt, wie empfindlich die Ölförderländer und ihre Kunden weltweit auf Zwischenfälle in der Straße von Hormus reagieren. Die Wasserstraße ist eine der bedeutendsten Lieferwege für Erdöl. Rund 30 Prozent des weltweit verschifften Rohöls müssen die Meerenge passieren. Die Angaben stammen von der US-Behörde "Energy Information Administration". In der ersten Hälfte des letzten Jahres waren das rund 17,4 Millionen Barrel pro Tag. Der weltweite Öl-Bedarf liegt nach Angaben von Analysten der Beratungsfirma Vortexa bei rund 100 Millionen Barrel pro Tag - das heißt, fast ein Fünftel davon muss durch die Straße von Hormus. Nicht weniger wichtig ist sie als Transportroute für Flüssiggas LNG aus Katar. Das Emirat ist der weltweit größte Lieferant von Flüssiggas.

Neuralgische Route

Die Schiffsroute verbindet so unterschiedliche Mächte und Erdölplayer wie Saudi-Arabien und den Iran, die Vereinigten Emirate, Kuwait und den Irak. Dabei ist die Straße von Hormus an der engsten Stelle keine 50 Kilometer breit. Die eigentliche Fahrrinne für die riesigen Tanker misst allerdings lediglich rund drei Kilometer Breite in jeder Richtung. Damit wird die Wasserstraße zum leicht kontrollierbaren, neuralgischen Punkt.

Immer wieder taucht sie denn auch in den Konfliktszenarienstreitender Mächte in der Region auf. Erst unlängst warnte der iranische Generalstabschef Mohammed Bagheri, die Seestraße von Hormus könnte ganz geschlossen werden, sollten die "Feindseligkeit" zunehmen. Gemeint war die Sanktionspolitik der USAgegen sein Land wegen des Streits um den Atomvertrag mit Iran. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna zufolge sagte Bagheri: "Wenn unser Öl nicht durch die Straße transportiert wird, wird das Öl anderer Länder die Straße sicher auch nicht durchqueren."

Begleitschiffe des Flugzeugträger USS Abraham Lincoln im Sueskanal vor der Küste von Ägypten (picture-alliance/Mass Communication Specialist 3r/U.S. Navy/AP/dpa)

Begleitschiffe des US-Flugzeugträgers Abraham Lincoln - am Sonntag im Suezkanal Richtung Iran

Auf amerikanischer Seite mehren sich derweil beunruhigende Anzeichen: So verlegt die US-Armee B-52-Bomber nach Katar an den Persischen Golf und beorderte Anfang des Monats den Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" in die Region, der dort eine andere Einheit ablösen soll. Bei der Gelegenheit warnte der Sicherheitsberater des Weißen Hauses, John Bolton, den Iran: "Jeder Angriff auf Interessen der USA oder ihrer Verbündeten wird unnachgiebig beantwortet."

Säbelrasseln mit Folgen

Besorgniserregender Hintergrund: Der Kongress in Washington hatte dem US-Präsidenten vor Jahren zwar eine Kriegsvollmacht in Sachen Iran gegen dessen reguläre Armeekräfte verwehrt - nicht aber gegen Terroristen. Im vergangenen Monat nun stufte die US-Regierung die iranischen Revolutionsgarden - eine Eliteeinheit der Streitkräfte - als ausländische Terrororganisation ein.

Es war das erste Mal überhaupt, dass die USA eine militärische Einheit eines anderen Staates auf die Liste der Terrororganisationen setzte, auf der sonst Gruppen wie der IS oder Al-Kaida stehen. Dabei sind die Revolutionsgarden sind die eigentliche Streitmacht im Iran, weitaus wichtiger als die klassische Armee. 

Allein das Säbelrasseln in der Region hat Folgen für die Weltwirtschaft. So urteilte Wayne Gordon, Rohstoffexperte bei einer UBS-Tochterfirma unlängst: "Alle geopolitischen Spannungen, die wir nicht vorhersehen, können den Ölpreis auf 100 Dollar pro Barrel treiben." Das wäre fast ein Drittel mehr als zu Beginn dieser Woche.

ar/hb (ap, rtr, dpa – Archiv)

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