Die Pläne des neuen BKA-Chefs | Deutschland | DW | 20.11.2014
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Deutschland

Die Pläne des neuen BKA-Chefs

Holger Münch ist auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamts als neuer Chef begrüßt worden. Er wird die Behörde ab Dezember leiten. Der 53-Jährige will die digitale Ermittlung vorantreiben.

Holger Münch will Tempo machen. Die Zeit drängt. Die organisierte Kriminalität wächst rasant. Die Täter sind hochmobil. Sie operieren international über alle Grenzen hinweg und haben sich vom Drogenhandel längst auf Wirtschaftskriminalität verlegt. Die verspricht noch größere Milliarden-Profite in kürzester Zeit. Die Täter handeln digital vernetzt. "Das heißt, auch die Polizei muss sich stark verändern. Wir müssen in anderen Strukturen arbeiten, wie es auch unsere Täter tun", sagt der künftige Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch. "Jeder macht alles selbst, das war gestern." Münch setzt auf eine bessere Vernetzung der verschiedenen Polizeieinheiten. In Ermittlungszentren soll künftig Wissen besser geteilt werden.

Der 53-Jährige bringt eine Eigenschaft mit, die den Verbrechern wirklich gefährlich werden könnte. Er weiß, wie man mit beschränkten Ressourcen Polizeikräfte strategisch neu ausrichtet und trotz Sparzwang und oft begrenzter rechtlicher Ermittlungsbefugnisse in kurzer Zeit gute Ergebnisse erzielt. So gelang Münch erstmalig ein Verbot der Rockerbande "Mongols MC". Damit ermöglichte er, dass der Anführer dieser Gruppe im Mai dieses Jahres wegen bandenmäßigem Drogenhandel zu sechs Jahren Haft verurteilt werden konnte.

Gelernt hat Holger Münch das effiziente Arbeiten mit reduzierten Mitteln in einem der kleinsten und ärmsten Bundesländer Deutschlands. In seiner Heimatstadt Bremen war er in den vergangenen Jahren Polizeipräsident, Staatsrat und Stellvertreter des Innensenators. Im Interview mit der Deutschen Welle verrät er seine Strategie: "Wir müssen zweigleisig fahren. Wir können nicht erwarten, dass man uns bei Hemmnissen hilft." Im Klartext: Während die politischen Diskussionen um die künftigen Befugnisse der Polizei im Bereich von Datenspeicherung und Datenzugriff noch laufen, will Münch bereits im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv werden. "Wir müssen es schaffen, eine Strategie mit den Bundesländern zu entwickeln, die in den Rahmen Europas passt." Im Dialog mit allen Beteiligten in den Ländern, im BKA und der Politik möchte Münch sich ab Dezember für verbesserte Polizei-Befugnisse einsetzen: "Die Täter hinterlassen digitale Spuren. Die müssen wir aufspüren können." Der Zeitplan ist ehrgeizig. "Ich hoffe die Antworten auf viele Fragen der Befugnisse in den nächsten Monaten zu finden." Weitere Details möchte Münch erst nennen, wenn er ab 1. Dezember offiziell im Amt des BKA-Präsidenten ist.

Holger Münch und Jörg Ziercke (Foto: dpa)

15 Jahre Altersunterschied - Jörg Ziercke (bisher BKA Chef) und sein Nachfolger (rechts im Bild)

Die schärfsten Waffen des neuen Chefs

Holger Münch hat den Polizeidienst von Grund auf gelernt und darin mehrere Jahre gearbeitet. Unter anderem im Bereich Personenschutz. In den 1980er-Jahren war er bereits vier Jahre lang im Bundeskriminalamt tätig. Münch gilt als teamorientiert und genießt hohes Ansehen bei der BKA-Belegschaft von über 5000 Bediensteten. Der Vorsitzende des Gesamtpersonalrates, Jürgen Vorbeck, brachte es während der Herbsttagung des BKA auf die Formel: "Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Holger Münch." Rückhalt in der Belegschaft sei die beste Voraussetzung für die künftigen Herausforderungen.

Münch muss international kooperieren. Der ranghöchste Polizist Deutschlands lobt die gute Zusammenarbeit mit Europol: "Das Bundeskriminalamt hat beste internationale Beziehungen!" Da habe der bisherige Amtsinhaber Jörg Ziercke (67), der Ende des Monats in Ruhestand geht, beste Vorarbeit geleistet. Holger Münch: "Da trete ich auf ein bestelltes Feld und muss in die großen Schuhe hinein wachsen, die mir Herr Ziercke hinterlassen hat."

Die beste Eigenschaft, um gegen kriminelle Kräfte zu gewinnen, nennt Münch im Gespräch. "Wir müssen das Unmögliche denken und immer wieder auch überprüfen, was wir für unwahrscheinlich halten." Das sei die Lehre aus den Ermittlungspannen um die rechtsradikalen Extremisten der NSU, die zehn Jahre lang unerkannt Bürger mit Migrationshintergrund ermordeten. Dass Ermittler die Mordserie falsch einschätzten, weil die Wahrheit außerhalb ihrer Vorstellungswelt lag, habe dem Ansehen der Sicherheitsbehörden sehr geschadet. Auf die Frage, ob so etwas künftig nicht mehr vorkommen kann, wird Münch nachdenklich und sagt nur vorsichtig: "Man soll im Leben nie nie sagen." Er hofft natürlich, dass solch schlimme Pannen Vergangenheit bleiben. Ehrlichkeit halten die BKA-Mitarbeiter für eine gute Eigenschaft und wollen daran mitarbeiten, dass sich ein Fall wie der des NSU nicht wiederholt.

Holger Münchs Ernennung zum BKA- Präsident am 19.11.2014 (Foto: dpa)

Bundesinnenminister Thomas de Maizière überreicht Holger Münch seine Ernennungsurkunde

Holger Münch persönlich

Lange habe er sich mit seiner Familie beraten, ob er den gefährlichen und fordernden Job als Chef des Bundeskriminalamtes wirklich annehmen sollte, erzählt Holger Münch. Der Vater zweier Kinder dankte auf der Herbsttagung des BKA ausdrücklich seiner im Saal sitzenden Frau für ihre Unterstützung. Von Münch erzählt man sich, dass er gerne italienisch kocht und - wo immer es möglich ist - lässige Kleidung formellem Outfit vorzieht. Er gilt als humorvoll, unkompliziert und sehr kollegial. Um körperlich fit zu bleiben, fährt der sportlich schlanke Mann Fahrrad. Viel Zeit wird ihm dafür künftig nicht bleiben.

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