Die Milliarden-Probleme von H&M | Wirtschaft | DW | 01.04.2018
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Textilindustrie

Die Milliarden-Probleme von H&M

Der Textil-Gigant hat das schlechteste Quartalsergebnis seit mehr als zehn Jahren eingefahren, kämpft gegen immer stärker werdende Online-Konkurrenz und steht wegen zahlreicher Skandale am Pranger.

Das Jahr 2018 läuft bislang nicht gut für H&M. Die Erträge sind seit Jahresbeginn um 62 Prozent eingebrochen. 1,37 Milliarden schwedische Kronen (umgerechnet 134 Millionen Euro) bedeuten den niedrigsten Gewinn in einem Quartal seit mehr als zehn Jahren.

Und jetzt wurde bekannt, dass das Unternehmen auf einem Berg von unverkauften Kleidungsstücken im Wert von 4,3 Milliarden US-Dollar (3,5 Milliarden Euro) sitzt. "Der Jahresbeginn ist überhaupt nicht gut gewesen", sagte H&M-Chef Karl-Johan Persson, ein Enkel des Unternehmensgründers Erling Persson.

Strukturprobleme und Skandale

Doch das ist vielleicht sogar eine Untertreibung. Das Problem des Unternehmens könnte so groß werden wie das riesige Filialnetz mit seinen 4700 Geschäften weltweit. Denn immer mehr Kunden meiden die H&M-Läden, weil diese ihrer Ansicht nach überfüllt, unordentlich und unterbesetzt sind - und kaufen ihre Kleidung dann lieber auf Online-Portalen.

Karl-Johan Persson, CEO der Modekette H&M (Reuters/A. Ringstrom)

H&M-Chef Persson: "Überhaupt nicht gut"

Darüber hinaus wurde H&M in den vergangenen Jahren durch eine Serie von Skandalen erschüttert. Dabei ging es unter anderem um die schlechte Umweltbilanz des Unternehmens und um Kinderarbeit bei Zulieferern in Myanmar, Bangladesch und Kambodscha.

2016 deckten Journalisten auf, dass in H&M-Produktionsstätten in Myanmar 14-Jährige mehr als zwölf Stunden täglich arbeiten mussten - für einen Stundenlohn von umgerechnet 15 Cent, die Hälfte des festgeschriebenen Mindestlohns in dem Land.

Der Konzern ist mit 200 Vertragspartnern auch der größte Abnehmer für Kleidung, die in Bangladesch hergestellt wird. Nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Building nahe der Hauptstadt Dhaka im Jahr 2013, bei dem mehr als 1100 Arbeiterinnen und Arbeiter starben, unterzeichnete H&M zwar das "Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit". Doch nach Ansicht von Beobachtern ist dieses niemals wirklich umgesetzt worden.

"Zweitgrößter Umweltverschmutzer der Welt"

Eileen Fisher, Modedesignerin (Getty Images/J. McCarthy)

Modedesignerin Fisher: "Nur die Ölindustrie ist schlimmer"

Zudem ist die sogenannte "schnelle Mode" in die Kritik geraten, für die auch H&M steht. Sie ist geprägt durch immer häufigere Kollektionswechsel und entsprechend großen Auswirkungen auf die Umwelt. Die Modedesignerin Eileen Fisher sagte bei einer Preisverleihung im Jahr 2015, die Bekleidungsindustrie sei "der weltweit zweitgrößte Umweltverschmutzer", nur die Ölindustrie sei noch schlimmer.

Fakt ist, dass allein in den USA pro Jahr 9,5 Millionen Tonnen Textilien auf dem Müll landen. Zudem kommen große Mengen giftiger Chemikalien bei der Produktion zum Einsatz, sowohl beim beim Anbau von Rohstoffen als auch beim Färben der Stoffe - eine Gesundheitsgefahr für Erzeuger und Arbeiter. Gelangen die Chemikalien in die Umwelt, kann das katastrophale Auswirkungen haben. Hinzu kommen die Treibhausgas-Emissionen der Textilindustrie, die höher sind als bei einigen der größten Fluglinien, sowie der immens hohe Wasserverbrauch bei der Baumwollproduktion.

Recycling-Versprechen nicht eingelöst

Im Jahr 2016 startete H&M eine Kampagne, bei der die Kunden aufgefordert wurden, gebrauchte Kleidung in den Filialen zum Recycling zurückzugeben. Der Nachhaltigkeitsmanager des Unternehmens musste allerdings zugeben, dass von den zurückgegebenen Kleidungsstücken nur 0,1 Prozent für die Produktion neuer Ware genutzt wurde.

Doch es gibt auch Gewinner in diesem Zusammenhang: Die Betreiber eines Heizkraftwerks in Västeras in Schweden dürften sich über die gigantischen H&M-Klamottenberge freuen. Denn Berichten zufolge verbrennen sie in der Anlage nordwestlich von Stockholm statt Kohle alte Kleidungsstücke, die H&M kostenlos zur Verfügung stellt. Damit soll der Verbrauch fossiler Brennstoffe reduziert werden.

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