Die „Gerätedoktoren“ | Alltagsdeutsch – Podcast | DW | 21.01.2014
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Alltagsdeutsch – Podcast

Die „Gerätedoktoren“

Mehr als eine Million Tonnen Elektrogeräte werden jährlich in Deutschland auf den Müll geworfen. Dabei sind viele Geräte noch in Ordnung und können repariert werden. Genau das wird in „Repair-Cafés“ kostenlos angeboten.

Audio anhören 07:44

Die „Gerätedoktoren“ – die Folge als MP3

Sprecher:
Wenn früher etwas kaputtging, wurde versucht, es entweder selbst zu reparieren oder es in die Werkstatt zu bringen. Nur wenn gar nichts mehr ging, wurde etwas in den Müll geworfen. Heutzutage ist allerdings die Reparatur mancher Gegenstände teurer als der Kauf eines neuen Gegenstands. In Zeiten von Massenproduktion wird dann schnell etwas in den Müll geworfen, das vielleicht noch hätte repariert werden können. In Deutschland findet allerdings eine Bewegung immer mehr Anhänger, die eigentlich aus den Niederlanden kommt: Hobbybastler, aber auch fachkundige Experten bieten in sogenannten „Repair-Cafés“ an, defekte Geräte zu reparieren. Zu den „Kunden“ gehört auch Hans. Er sucht im Kölner „Repair-Café“ des Vereins „DingFabrik“ Hilfe.

Hans:
„Jetzt habe ich mitgebracht ein Radio aus einem 30 Jahre alten Kassettengerät, wie man das seinerzeit so in Bauelementen aufgebaut hatte, mit dem ich schon bei verschiedenen Werkstätten war, die mir direkt von vorneherein, ohne groß Mühe sich zu machen, gesagt haben: ‚Das kann man nicht mehr reparieren, dafür gibt’s keine Teile.‘ Also, die wollen im Grunde genommen eher lieber was Neues verkaufen, was bei der Mehrzahl der Leute vermutlich auch funktioniert.“

Sprecher:
Hans ist sehr enttäuscht, dass ihm niemand in den Werkstätten, in denen er nachgefragt hat, helfen wollte. Er verdeutlicht die ablehnende Haltung der Mitarbeiter durch die umgangssprachlichen Formulierungen direkt von vorneherein und ohne sich große Mühe zu machen. Die Mitarbeiter sagten sofort und ohne sich die Mühe zu machen, das Gerät anzuschauen, dass es nicht zu reparieren sei. Der Grund: Das Radio mit Kassettenteil war Teil, Element, einer Musikanlage und ist schon sehr alt. Seit etwa einem Jahr gibt das Gerät keinen Ton mehr von sich. Jetzt sitzt Hans im Kölner „Repair-Café“ und hofft auf fachkundige Hilfe. Er selbst hat den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt. Dinge einfach wegzuwerfen, das gab es nicht. Bevor etwas endgültig im Müll landete, wurde das Teil liebevoll zerlegt, geprüft und repariert. Das macht Hans auch heute noch. Manchmal allerdings stößt er an seine Grenzen.

Hans:
„Ich mach’ das zu Haus’ ähnlich in mechanischen Dingen, in denen ich, sag’ ich mal, zu Hause bin. Ich bin aus’m Maschinenbau, aber an diese elektronischen Dinge traue ich mich selber nicht ran.“

Sprecher:
Als gelernter Maschinenbau-Ingenieur repariert Hans schon viel selbst. Er kennt sich aus, ist in technischen Dingen zu Hause. Aber nicht an alles wagt, traut, er sich heran. An ein Caféhaus erinnert die Einrichtung des „Repair-Cafés“ ganz und gar nicht – eher an eine Werkstatt. An den Wänden hängen überall verschiedene Geräte wie Schraubendreher, Feilen, Zangen und Sägen. Statt an Tischen nimmt der Besucher an einer Werkbank oder an einer Lötstation Platz. Die kleine Küche, in der eine Kaffeemaschine steht, übersieht man da fast. Der Vorsitzende des Vereins „DingFabrik“, Alexander Speckmann, erzählt, wie es zur Gründung des „Repair-Cafés“ kam:

Alexander Speckmann:
„Wir sind auch selber erst sehr spät drauf aufmerksam geworden, dass es diese Option gibt. Wir reparieren hier bei uns in der Werkstatt schon länger unsere Sachen und haben das Format dann aus den Niederlanden auch erst über die Medien kennengelernt, fanden das sehr spannend und haben gesagt: ‚Das können wir in Köln ja auch leisten‘, und damit diesen Gedanken des Reparierens auch in die breitere Öffentlichkeit wieder tragen.“

Sprecher:
Alexander Speckmann, der selbst Maschinenbau studiert hat, kam 2010 zunächst auf die Idee, dass sich handwerklich und technisch interessierte Menschen an einem Ort treffen und Gebrauchsgegenstände selbst herstellen könnten. Diese Idee geht zurück auf die sogenannten „fabrication laboratories“, die FabLabs, in den USA. Er rief die „DingFabrik“ in Köln ins Leben. Damals dachte der Verein aber noch nicht an die Möglichkeit, die Option, Dinge von handwerklich begabten Menschen kostenlos reparieren zu lassen. In den Niederlanden war diese Bewegung ein Jahr zuvor entstanden. Alexander Speckmann benutzt in diesem Zusammenhang den Begriff Format, der eigentlich in der Fernsehsprache für einen bestimmten Typ von Sendung verwendet wird. Er fand, man sollte diese Idee auch in Deutschland bekanntmachen, eine breite Öffentlichkeit dafür schaffen. Was die Mitarbeiter des Kölner „Repair-Cafés“ zunehmend feststellen, ist, dass sich immer weniger Geräte reparieren lassen. So werden beispielsweise statt Schrauben Nieten verwendet, die man nicht ersetzen kann, oder Teile werden einfach zusammengeklebt. Ersatzteile gibt es oft nicht. Manche Geräte sind sogar darauf ausgelegt, nach einer bestimmten Zeit nicht mehr zu funktionieren. Das Fremdwort dafür heißt: „geplante Obsoleszenz“. Das Wort kommt vom lateinischen „obsolescere“, was so viel heißt wie „sich abnutzen“, „alt werden“. Alexander Speckmann bedauert dieses Verhalten der Hersteller.

Alexander Speckmann:
„Es ist schade, dass es diese Bewegung in der Wirtschaft gibt, die leider betriebswirtschaftlich absolut nachvollziehbar ist. Aber grundsätzlich würden wir es natürlich begrüßen, wenn die Geräte länger haltbar sind und auch leichter wieder vom Laien reparierbar wären.“

Sprecher:
Für Unternehmen ist eine kürzere Lebensdauer von Produktionsartikeln ein gutes Geschäft, da mehr Artikel verkauft werden können. Es ist, wie es Alexander Speckmann formuliert, betriebswirtschaftlich nachvollziehbar. Für die Umwelt und die Verbraucher ist es letztlich aber ein teures Geschäft. Alexander Speckmann fände es gut, er würde es begrüßen, wenn Gegenstände so produziert würden, dass sie lange halten und auch von einem Nichtfachmann oder einer Nichtfachfrau, einem Laien oder einer Laiin, selbst repariert werden könnten. Hans fand im Kölner „Repair-Café“ Hilfe. Das kleine Radio, das er seit dreißig Jahren besitzt, funktioniert wieder. Nur der Schalter zum Ein- und Ausschalten war defekt. Und was kostet die Reparatur?

Mitarbeiter Repair-Café:
„Der Spaß hat jetzt nichts gekostet. Ich habe vorne allerdings ‘ne Spendenbox. Wer sich bedanken möchte, kann das gern tun.“

Sprecher:
Hans muss für die Reparatur nichts bezahlen. Der Mitarbeiter des „Repair-Cafés“ verwendet hierfür eine in der Umgangssprache übliche Formulierung: Der Spaß hat nichts gekostet. Wer sich dennoch bedanken will, kann freiwillig etwas Geld bezahlen, es spenden. Von dieser Möglichkeit macht Hans gerne Gebrauch. Denn schließlich nimmt er sein Radiogerät, das er fest ins Herz geschlossen hat, funktionstüchtig wieder mit nach Hause.




Fragen zum Text

Hans ist ins „Repair-Café“ gekommen, weil …
1. er kein passendes Werkzeug zur Reparatur hatte.
2. sich keine Fachwerkstatt um die Lösung des Problems kümmern wollte.
3. er nirgendwo einen neuen Ein-/Ausschalter bekommen hat.

Was stimmt? Alexander Speckmann …
1. war von der „Repair-Café“-Bewegung aus den Niederlanden begeistert.
2. hat ein eigenes Fernsehformat für Reparaturanleitungen entwickelt.
3. hat viele „Repair-Cafés“ in Deutschland gegründet.

Repariert jemand etwas, von dem er keine Ahnung hat, dann macht sie/er es …
1. professionell.
2. laienhaft.
3. kindisch.


Arbeitsauftrag
Übt euer Leseverstehen! Verteilt jeweils einen Abschnitt der insgesamt sechs Sprecherabschnitte dieses Textes in eurer Lerngruppe auf Einzelgruppen. Anschließend baut ihr in manchen Sätzen Fehler ein – in Grammatik, Zeichensetzung, Wortschatz, Rechtschreibung. Hier ein Beispiel:

1. „Hans ist sehr enttäuscht, dass ihn niemand in den Werkstätten,

2. in die er nachgefragt hat, helfen wollte.“

Tauscht anschließend die Texte untereinander aus und markiert die Fehler.

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