Die Fed in der Zwickmühle | Wirtschaft | DW | 19.12.2018
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Leitzinsen

Die Fed in der Zwickmühle

Als "verrückt" und "lächerlich" hat US-Präsident Trump die Notenbank seines Landes beschimpft. Jetzt wird mit Spannung erwartet, ob sie die Zinsen weiter anzieht.

USA Finanzkurs - Federal Reserve - US-Notenbank (picture alliance/Zuma Wire/C. Myers)

Unabhängig? Die Federal Reserve, Fed, die US-Notenbank, in Washington

Die US-Notenbank Federal Reserve hat einen schwierigen Spagat vor sich: Sie muss wie eh und je dafür sorgen, dass die Geldpolitik der USA nicht aus dem Ruder läuft, sie muss am Mittwoch aber auch noch zeigen, dass sie tatsächlich so unabhängig ist, wie es die US-Verfassung vorsieht. Vor ihrer jüngsten Zinsentscheidung feuert US-Präsident Trump nämlich Twittersalven gegen die Währungshüter ab. Erst am Montag twitterte er, es sei "unglaublich", dass die "Fed eine zusätzliche Zinserhöhung überhaupt nur erwägt".

Dabei gehen sehr viele Akteure am Finanzmarkt davon aus, dass die Fed nach ihren zweitägigen Beratungen an diesem Mittwoch die vierte Zinsanhebung in diesem Jahr verkündet. Derzeit liegt der Zinssatz zwischen 2,0 und 2,25 Prozent. Ein Viertel Prozentpunkt könnte jetzt dazukommen. Seit Beginn der Zinsstraffung Ende 2015 wäre es die insgesamt neunte Anhebung.

"Nichtssagende Zahlen"

Trump dagegen warnte die Fed via Twitter unverhohlen davor, die erwartete Zinsanhebung zu beschließen. Die Notenbanker dürften keinen "weiteren Fehler" machen, mahnte Trump. "Habt ein Gefühl für den Markt, lasst euch nicht nur von nichtssagenden Zahlen leiten", ergänzte er. Der Tweet schließt mit den Worten: "Viel Glück!" Manche lesen das als Drohung.

USA Jerome Powell Notenbankchef mit Trump vor dem Weißen Haus (Getty Images/D. Angerer)

US-Notenbakchef Jerome Powell (vorn)

Allein deshalb wird den Notenbankern unter ihrem von Trump ernannten Vorsitzenden Jerome Powell kaum etwas anderes übrig bleiben als ihren mehrfach wiederholten Ankündigungen in Sachen Zins Taten folgen zu lassen. Alles andere könnte für die Institution rufschädigend werden.

Die Notenbank will eine Überhitzung der Wirtschaft nach den radikalen Steuersenkungen der Regierung vermeiden. Trump dagegen fürchtet einen Konjunkturabschwung und sinkende Aktienkurse. Außerdem sind dem Präsidenten höhere Zinsen ein Dorn im Auge, weil sie der Regierung die Finanzierung der steigenden Haushaltsdefizite erschweren.

Zweifel an der Wall Street

Viel Unsicherheit gibt es derzeit für die weitere Wirtschaftsentwicklung. Der Aktienmarkt an der Wall Street befindet sich auf Talfahrt, die von Trump ausgelösten Handelskonflikte mit China schwelen weiter, noch droht die Gefahr eines Shutdowns der amerikanischen Regierung, und die Aussichten für das Wachstum der Weltwirtschaft verdüstern sich.

Im September hatten Fed-Vertreter noch einvernehmlich mitgeteilt, im kommenden Jahr würden die Zinsen wohl weitere drei Mal angehoben. Angesichts der schwächeren Marktdaten hätte die Fed nun gute Gründe, auf eine vierte Anhebung zu verzichten. Genau das aber könnte angesichts der Ausfälle des Präsidenten zum Problem werden, weil sich die Währungshüter dann dem Verdacht aussetzen, eben doch nicht so unabhängig zu sein, wie es ihrem Mandat entspricht.

USA Arbeitsmarkt (Getty Images/J. Moore)

Arbeitssuchende in den USA, in Hartford, Connecticut

Zwickmühle

Eine Zwickmühle. Und das bei Kennziffern für die US-Wirtschaft, die bislang besser kaum sein könnten: die Arbeitslosenrate bei 3,7 Prozent, so niedrig wie seit 49 Jahren nicht mehr, das Wachstum in diesem Jahr bei fast 3 Prozent, mehr als irgendwann im letzten Jahrzehnt. Wenn da nicht die Menetekel der Börse wären: In den letzten zwei Monaten hat die Wall Street rund 12 Prozent verloren, an zwei Tagen allein 1.000 Punkte (bei einem Schlussstand am Dienstag von rund 23.675 Punkten). Allerdings ist die US-Börse seit ihrem Tiefpunkt in der Krise von 2008 im März 2009 alles in allem um 250 Prozent in die Höhe gejagt.

Gleichwohl drohe das vierte Quartal 2018 für die US-Börsen zu einem der schwächsten seit Jahrzehnten zu werden, so die Experten Keith Parker und Neal Burk von der Bank UBS. Vergleichbare Einbußen in einem Schlussquartal habe es historisch nur in absoluten Ausnahmefällen gegeben, zum Beispiel in der Zeit der großen Depression.

Kapitalismusforscher wissen, dass bisher auf jeden Aufschwung ein Abschwung folgte. Aber ist jetzt der Zeitpunkt dafür? Auch darauf wird die Fed eine - vorläufige - Antwort formulieren müssen. Analysten nehmen die Antwort schon mal auf ihre Art vorweg: "Wir sagen zwar für das kommende Jahr nicht explizit eine Rezession voraus", orakelt etwa John Higgins, Volkswirt bei Capital Economics, "aber eine leichte Rezession würde wir nicht ausschließen." Jedenfalls erwartete er, eine "deutliche Verlangsamung der Konjunktur". 

ar/bea (dpa, ap, rtr)

 

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