Die EZB bleibt bei der Nullnummer | Wirtschaft | DW | 14.12.2017
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Geldpolitik

Die EZB bleibt bei der Nullnummer

Analysten hatten es bereits erwartet, nun steht fest: Die Europäische Zentralbank dreht nach wie vor nicht an der Zinsschraube. Die Geldschleusen bleiben trotz Kritik weiter geöffnet.

EZB - Mario Draghi auf der Pressekonferenz (Reuters)

Bekommt viel Kritik: EZB-Chef Mario Draghi

Für Sparer sieht es nicht so aus, als würde sich etwas an den mageren Zinsen auf dem Konto in absehbarer Zeit etwas ändern. Eine Zinswende hat die Europäischen Zentralbank auf jeden Fall nicht in Aussicht gestellt. Die Währungshüter beließen den Leitzins im Euroraum, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank leihen können, auf dem Rekordtief von null Prozent.

Ökonomen hatten auch nicht mit Änderungen der Geldpolitik bei der letzten Zinssitzung des EZB-Rates in diesem Jahr gerechnet. Im Oktober hatten Europas Währungshüter ihre milliardenschweren Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen um neun Monate bis mindestens Ende September 2018 verlängert. Das monatliche Volumen wird von Januar an aber auf 30 Milliarden Euro halbiert. Beobachter werteten dies als Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. 

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Sparer, die kaum noch Zinsen bekommen, müssen sich also weiter gedulden. Den Leitzins will die EZB erst dann anheben, wenn die Anleihekäufe schon längere Zeit beendet sind. Volkswirte rechnen gegen Ende 2019, möglicherweise sogar erst 2020, mit einem ersten Zinsschritt. Kreditinstitute, die Geld bei der Notenbank parken, müssen zunächst weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Gegen Inflation und für Investitionen

Die EZB hatte den zentralen Zinssatz im März 2016 auf den historisch niedrigen Wert von 0,0 Prozent gesenkt, um mit günstigem Kapital Konjunktur und Inflation anzukurbeln. Zuletzt ist die Notenbank wegen der gestiegenen Inflation und der guten Wirtschaftslage aber zunehmend unter Druck geraten, von ihrer lockeren Geldpolitik abzurücken. Im November lag die Jahresteuerung im Euroraum bei 1,5 Prozent. In Deutschland stieg sie auf 1,8 Prozent. 

Die Wirtschaft im Euroraum wächst mittlerweile robust. Die Preisentwicklung bedarf aus Sicht der EZB aber weiter Unterstützung. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen. Während Sparer und Banken unter der Zinsflaute leiden, profitieren Kreditnehmer von günstigen Konditionen - zum Beispiel beim Kauf von Häusern und Wohnungen. 

Die derzeit rund laufende Konjunktur schlägt sich auch in höheren Wachstumsprognosen nieder. Die Notenbank-Ökonomen rechnen 2018 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 2,3 (bisher 1,8) Prozent. Für 2019 werden 1,9 (bisher 1,7) Prozent und für 2020 dann 1,7 Prozent vorausgesagt. Im zu Ende gehenden Jahr soll es zu 2,4 (bisher 2,2) Prozent reichen. "Die jüngsten Daten und Umfragen signalisieren ein solides, breit angelegtes Wachstum", so Draghi. Die sinkende Arbeitslosigkeit stütze den Konsum, während die Exporteure von der besseren Weltwirtschaft profitieren würden.

Angesichts der kräftigen Konjunkturerholung in der Euro-Zone ist ein Abschwung für die EZB derzeit kein Thema. "Wir haben nicht über einen nächsten Abschwung gesprochen. Es sieht derzeit nicht danach aus", sagte Notenbank-Chef Mario Draghi. 

Erst gestern hatte die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins zum dritten Mal in diesem Jahr leicht um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Er bewegt sich damit zwischen 1,25 und 1,5 Prozent.

nm/hb (dpa, rtr)