Die britische Wirtschaft bricht ein | Wirtschaft | DW | 12.08.2020
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Corona-Krise

Die britische Wirtschaft bricht ein

Kein anderes großes Industrieland wurde durch die Corona-Krise derart hart getroffen: Die britische Wirtschaft ist im Frühjahr um ein Fünftel eingebrochen. Und die Rezession radiert Hunderttausende von Jobs aus.

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Starke Verluste der britischen Wirtschaft

Einen Einbruch der Wirtschaftsleistung wie im zweiten Quartal des Jahres gab es in Großbritannien noch nie seit die Statistik geführt wurde: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach von April bis Juni um 20,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ein, wie das Statistikamt in London mitteilte. Da die britische Wirtschaft bereits im vorangegangenen Vierteljahr schrumpfte, befindet sie sich nun auch offiziell in der Rezession.

Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent nur etwa halb so stark. Aber die Corona-Pandemie hat Großbritannien auch besonders heftig getroffen. Bislang wurden der Johns-Hopkins-University zufolge im Vereinigten Königreich 313.394 Infektionen festgestellt, 46.611 Menschen starben an COVID-19. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson hatte nach anfänglichem Zögern einen harten Lockdown durchgesetzt, der weite Teile der Wirtschaft zum Erliegen brachte.

Rückgang wie seit 100 Jahren nicht

Die harten Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie waren vor allem in den Zeitraum des zweiten Quartals gefallen. Nach dem Einbruch konnte sich die britische Wirtschaft aber ein Stück weit erholen. Im Juni stieg die Wirtschaftsleistung im Monatsvergleich um 8,7 Prozent, so die Statistiker in London.

"Großbritannien zahlt einen hohen Preis, weil die britische Regierung anfangs nicht angemessen auf die Pandemie reagiert hat", kommentierte Holger Schmieding gegenüber DW die jüngsten Zahlen. Der Chefvolkswirt der Berenberg Bank fügte hinzu, zwar habe die Regierung zu spät, aber schließlich richtig reagiert. "Jetzt gibt es gute Chancen auf eine Erholung im dritten Quartal."

Nach Prognose der britischen Notenbank dürfte das Bruttoinlandsprodukt des Landes dieses Jahr insgesamt allerdings um 9,5 Prozent fallen - ein Konjunktureinbruch, wie ihn Großbritannien seit rund 100 Jahren nicht mehr erlebt hat. Nächstes Jahr soll dann nach dieser Prognose ein Wachstum von neun Prozent folgen.

Arbeitslosigkeit steigt

Die Krise hinterlässt bereits deutliche Spuren am britischen Arbeitsmarkt: Die Zahl der Beschäftigten fiel von April bis Juni um 220.000. Das hatte das Statistikamt in London bereits am Dienstag mitgeteilt. Damit sind in der Corona-Rezession so viele Jobs in Großbritannien verloren gegangen wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Dabei gehen Experten davon aus, dass sich ein Teil der Menschen ohne Arbeit vorerst nicht um eine neue Stelle bemüht hat und diese daher nicht in der Arbeitslosenquote erfasst werden.

Außerdem hat das Land die Folgen der Pandemie mit einem Programm abgefedert, das der deutschen Kurzarbeit nachempfunden ist, dem "Job Retention Scheme". Allerdings läuft das Programm Ende Oktober aus. Die Notenbank in London geht davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote bis Jahresende auf 7,5 Prozent in etwa verdoppeln könnte.

Brexit hilft nicht

Nach Einschätzung von Berenberg-Ökonom Schmieding spielt auch der Brexit bei dem Einbruch eine Rolle. "Die britische Wirtschaft wird bereits seit mehr als drei Jahren durch den Brexit geschwächt. Man kann das an der Zurückhaltung bei Geschäften und Investionen sehen", so Schmieding zur DW. Allerdings sei das nur zweitrangig gegenüber der Pandemie.

ar/AR (rtr, dpa)

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