Die Bauhaus-Revolution in Chile | Kultur | DW | 10.03.2018
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Architektur

Die Bauhaus-Revolution in Chile

Das Bauhaus beeinflusste Architektur, Kunst und Designs weltweit. In Lateinamerika ist sein Einfluss besonders stark. Vor allem in Chile wurde die Architektur insbesondere durch einen Bauhauskünstler geprägt.

Die Bauhausschule, eine Bewegung der Architektur und der angewandten Kunst, inspirierte Generationen, sie wurde vor fast einem Jahrhundert in Weimar gegründet. "Es entstand 1919 als soziales Projekt in der jüngeren Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg", sagt David Maulén De los Reyes, Architekt und Bauhaus-Experte.

Von Anfang an zeichnete sich Bauhaus durch seine Avantgarde aus. Sein Gründer, der deutsche Architekt, Stadtplaner und Designer Walter Gropius, machte in jenen Jahren einen kontroversen Aufruf an seine Schüler: "Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurückkehren! Denn es gibt keine Kunst als Beruf."

Eine schwierige Aufgabe für die Bewegung in einer Zeit, in der die Künste mit klassischen und romantischen Konzepten in Verbindung gebracht wurden. Das Bauhaus wollte aus den üblichen Denkmustern ausbrechen und das Design demokratisieren, sodass es für jedermann verständlich wurde. Dieser neue Geist verbreitete sich in der ganzen Welt. Insbesondere Lateinamerika wurde vom Bauhaus geprägt, von Mexiko und Kuba im Norden bis nach Chile und Argentinien im Süden.

Der Exodus

Der große Feind des Bauhauses lauerte in der Heimat: die Nationalsozialisten. "Es war eine Schule der sozialistischen, internationalistischen und jüdischen Inspiration. Tief demokratisch, humanistisch und mit einem offenkundigen sozialen Sinn, im Gegensatz zum NS-Regime, das die Architektur in den Dienst einer Ideologie stellte", beschreibt der Architekt Claudio Martínez Cerda den Konflikt.

Das Gebäude der Feuerwehr von Chillan (Gonzalo Vargas Malinowski)

Das Gebäude der Feuerwehr von Chillan

1933 beschlossen die von den Nazis gleichgeschalteten Behörden, die Bauhaus-Bewegung zu verbieten. Es begann ein massiver Exodus seiner Mitglieder. Mehr als 20 Bauhaus-Studenten oder -Professoren gingen nach Lateinamerika. In Chile reicht der Einfluss von den 1930er Jahren bis in die 1970er Jahre. "Man kann den Bauhaus-Stil in sehr guter Qualität am sozialen Wohnungsbau, in Privathäusern, an Schulen, Gemeindezentren, Krankenhäusern, Industrien und anderen öffentlichen Gebäuden sehen, die das Leben vieler Städte prägen", sagt David Maulén.

Die Arbeit

Viele der Ideen, die die Bauhäusler mitbrachten, wurden in wichtigen architektonischen Werken Lateinamerikas verwirklicht, wie dem "Parador Ariston in Mar del Plata" (Argentinien) oder dem Städtischen Markt von Concepción (Chile).

Ein Bauhaus-Mitglied, das nach Chile kam, war Tibor Weiner. Der ungarische Architekt entwarf zwischen 1939 und 1948 Bauten in seiner neuen Heimat - viele davon in der Hauptstadt Santiago de Chile. Sein prägendstes Projekt war jedoch der Wiederaufbau der Städte Chillán und Concepción nach dem Erdbeben von 1939. In Chillán gehen das Feuerwehrhaus und das Regierungsgebäude auf Weiner zurück.

"Beide Gebäude sind echter Bauhausstil, in dem Rationalismus und Funktionalität Grundlage architektonischen Schaffens sind", sagt Architekt Claudio Martinez. Ein Bauhaus-Zeugnis in Concepción ist der Zentralmarkt, der mit seinem großen Gewölbe beeindruckt und bis heute vollkommen intakt ist, trotz eines Erdbeben der Stärke 8,8 im Jahr 1939 und eines großen Feuers 2013.

Der Markt in Lorenzo Arenas (Osvaldo Cáceres)

Der Markt in Lorenzo Arenas

Dort begann die chilenische Bauhausära besonders früh. Der Architekt Luis Darmendrail Salvo, Betreiber der Internetseite "Historia Arquitectónica de Concepción", sagt, dass seit den 1930er Jahren neue deutsche Trends und das Werk von Architekten wie Hannes Meyer und Walter Gropius in Concepción für Aufmerksamkeit sorgten.

Es gab aber auch Projekte, die nicht vollendet wurden, wie das Gemeindezentrum der "Villa Berlin" in Valparaíso, des Schweizer Architekten, Malers, Bildhauers und Grafikers Max Bill mit dem chilenischen Architekten Eduardo Vargas und eine Kirche des deutschen Architekten Paul Linder für die Ursulinengemeinde in der Gemeinde Maipú, von der nur die Pläne erhalten geblieben sind.

Die Welt verändern

Doch nicht nur architektonisch hat das Bauhaus Chile geprägt. So war Tibor Weiners Wirken Anstoß für eine Hochschulreform. "Darüber hinaus wurde mit dem Aufkommen radikaler Regierungen im Land die moderne Architektur als Synonym für Wandel mit starkem sozialen Sinn gesucht. Die Architekten wollten die Armut bekämpfen, sie wollten die Welt verändern - mit ihrem rebellischen Denken, im Gegensatz zu Dogma und Wissenschaft", so Luis Darmendrail.

Dies führte schließlich zu einem neuen Lehrplan an der Universität von Chile, wo Tibor Weiner zwischen 1946 und 1948 unterrichtete. Die neu geschaffenen Lehrstühle waren eine Inspiration für eine neue Generation chilenischer Architekten, wie Osvaldo Cáceres und Abraham Schapira.

Löffel, Teekannen und mehr

Das Bauhaus wirkt bis heute: "Die einfachen Löffel, mit denen wir jeden Tag Kaffee zubereiten, die Kaffeemaschinen und sogar viele Artefakte und Stühle, von denen wir glauben, dass sie neueren Datums sind, wurden in den Werkstätten dieser Schule hergestellt", sagt Architekt Martinez.

Der Bauhaus-Fußabdruck ist immer noch präsent in Architektur und Design, in Malerei und Fotografie. Eine künstlerische Weltrevolution, mit inzwischen fast hundertjähriger Geschichte und deutscher Herkunft.

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