Die Börsen und die Sorge um den Freihandel | Wirtschaft | DW | 23.03.2018
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Börsen

Die Börsen und die Sorge um den Freihandel

Zwar bleibt die EU von den Strafzöllen des US-Präsidenten vorerst verschont, doch die Drohung ist noch nicht vom Tisch und lässt die Börsenkurse purzeln. Zum Wochenschluss gab es aber auch einen kleinen Lichtblick.

Offenbar stellen sich Anleger die Frage, ob die Deutsche Bank sich noch auf dem richtigen Kurs befindet. Denn in dieser Woche hat sich der Finanzchef des Hauses zu Wort gemeldet und der Bank Gegenwind in dem für sie als wichtig ausgewiesenen Investmentbanking attestiert. In der Folge warfen Anleger die Papiere in hohem Bogen aus ihren Depots, sie verloren über 10 Prozent an Wert.

"Wenn man sich ansieht, dass die Bank im Investmentbanking nach wie vor an Boden verliert, dann muss man sich schon Sorgen machen", sagte Klaus Nieding vom Deutschen Schutzverband für Wertpapierbesitz. "Und die symbolische Dividende, die da ausgekehrt wird, ist schon harter Tobak". Vor allem angesichts der Tatsache, dass die Bank zehnmal soviel Geld für Boni für ihre Mitarbeiter ausgeben will.

Wie auch immer - Die Anleger jedenfalls haben offenbar die Geduld verloren und schicken den Aktienkurs des Geldhauses in Gefilde, in denen er sich zuletzt 2016 befand, als das Vertrauen von Anlegern angesichts einer drohenden Milliardenstrafe einen vorläufigen Tiefpunkt erreicht hatte.

Donald, der Börsen-Schreck

Doch auch allgemein sind die Kurse an den Aktienmärkten deutlich in den Keller gerauscht,  und das lag vor allem - mal wieder muss man sagen - an US-Präsident Donald Trump. Dessen Strafzölle und die von ihm beschlossenen Sanktionen insbesondere gegen China haben die Aktienkurse an den internationalen Börsen deutlich einbrechen lassen.

In Deutschland wurde der Trend noch verstärkt durch die Tatsache, dass sich die Befürchtung eines Handelskrieges mittlerweile auch in Stimmungs- und Konjunkturbarometer eingeschrieben hat: So ist der ZEW-Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung eingebrochen, und auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hat weiter nachgegeben.

Vorläufiger Gnadenerweis für Europa

Zwar hat für ein wenig Erleichterung gesorgt, dass die Europäische Union in letzter Minute noch eine Gnadenfrist seitens der Trumpschen Administration eingeräumt bekam: Vorläufig sind die Staaten der Europäischen Union von den Einfuhrzöllen auf Stahl- und Aluminium ausgenommen. Allerdings hat der US-Präsident quasi im gleichen Atemzug die Gangart insbesondere gegenüber China verschärft.

Trump will chinesische Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar mit höheren Zöllen belegen. Das könnte auch Folgen für die europäischen Volkswirtschaften haben, und hier insbesondere der deutschen Exportwirtschaft schaden.

"Wir sind alle China"

"Die Welt ist heute so vernetzt und die Globalisierung so weit fortgeschritten, dass ein Schaden, den man an einer Ecke der Welt anrichtet auch Auswirkungen an einer anderen hat", sagt Martin Lück, Chefvolkswirt Deutschland beim US-Vermögensverwalter Blackrock. "Selbst wenn die Europäische Union jetzt ausgenommen wird von den US-Zöllen - die EU hat einen erheblichen Handelsanteil mit China. Das würde ganz besonders uns hier in Deutschland betreffen".

"Wir alle sind auch ein bisschen China" sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben. Mit Blick auf die Finanzmärkte kann man sagen, dass diese Befürchtung allgemein verbreitet ist. Jedenfalls gehen Beobachter davon aus, dass es auch in naher Zukunft noch unruhige Zeiten an den Börsen geben dürfte.

Zumal auch Gegenwind von der amerikanischen Notenbank kommt, die in dieser Woche die Zinsen weiter angehoben hat und mindestens zwei weitere solcher Schritte in diesem Jahr plant. Die Geldschwemme dürfte jenseits des Atlantiks also langsam zurückgehen, was die Aktienmärkte zusätzlich belastet.

Und was macht die Deutsche Bank?

Wo Schatten, da auch Licht - so könnte schließlich das Motto für die Deutsche Bank in dieser Woche lauten. Denn am Freitag hat die Bank ihre Vermögensverwaltung, die Fondstochter DWS erfolgreich an die Börse gebracht. Der Börsengang hat der Bank rund 1,4 Milliarden Euro eingebracht und wird der Tochter in Zukunft mehr Freiheiten bieten. Ein kleiner Lichtblick in einer ansonsten von Sorgen bestimmten Handelswoche an den Aktienmärkten.