Die Angst von EU und Großbritannien vor dem ungeregelten Brexit wächst | Aktuell Europa | DW | 21.08.2018
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Der Brexit

Die Angst von EU und Großbritannien vor dem ungeregelten Brexit wächst

Wieder hat in Brüssel eine neue Verhandlungsrunde begonnen. Der britische Brexit-Minister Raab versucht sich in Zweckoptimismus. EU-Chefunterhändler Barnier ist dagegen sichtlich bemüht, den Ball flach zu halten.

Ein EU-Befürworter protestiert auf der Westminster Bridge in London (Foto: Reuters/Y. Herman)

Der Union Jack: An den Houses of Parliament in London im Einsatz gegen einen Brexit....

In zunehmender Sorge vor einem ungeregelten Brexit versuchen Großbritannien und die Europäische Union, ihre festgefahrenen Verhandlungen über einen Austrittsvertrag wieder flott zu bekommen. Mit Ehrgeiz, Flexibilität und Pragmatismus sei eine Einigung bis Oktober möglich, sagte der britische Chefunterhändler Dominic Raab nach einem Treffen mit seinem EU-Kollegen Michel Barnier. Beide sprachen allerdings auch noch von großen Differenzen. Ab jetzt werde nicht mehr in Etappen, sondern ständig durchverhandelt, sagten Raab und Barnier. Auch wollen beide regelmäßig selbst mitmischen, schon nächste Woche reist Raab erneut nach Brüssel.

Sollten sich zusamenraufen: Der Brite Dominic Raab (l. ) und Michel Barnier von der EU (Foto: Reuters/F. Lenoir)

Sie sollten sich zusamenraufen: Der Brite Dominic Raab (l. ) und Michel Barnier von der EU

Sondergipfel im November notwendig? 

Barnier betonte ebenfalls, eine Einigung sei möglich - sofern die Grundprinzipien der EU gewahrt bleiben. Er zeigte sich nicht ganz so optimistisch, dass ein Vertrag wie geplant bis Oktober stehen wird. Nötig sei dies aber sicher "vor Ende des Jahres", damit noch Zeit für die Ratifizierung bleibe. Ranghohe EU-Diplomaten betonten, wegen der schwierigen Verhandlungen sei es wahrscheinlich, dass die Staats- und Regierungschefs nicht wie geplant auf ihrem turnusmäßigen Oktober-Gipfel über das Vertragswerk entscheiden könnten. Vielmehr werde ein Extra-Gipfel im November nötig sein.

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist für März 2019 angekündigt. Der anvisierte Vertrag soll unter anderem eine milliardenschwere Schlussrechnung für Großbritannien und die Rechte von EU-Bürgern auf der Insel sowie von Briten auf dem Kontinent regeln. Ziel ist zudem eine Übergangsphase bis Ende 2020, in der sich kaum etwas ändert. Darüber hinaus sollen Eckpunkte für eine künftige Partnerschaft vereinbart werden.

Die Grenze in Irland als Gretchenfrage

Knackpunkt ist seit Monaten die Frage, wie Kontrollen an der künftigen EU-Außengrenze zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland zu vermeiden sind. Beide Seiten wollen solche Kontrollen verhindern, aus Furcht vor der Rückkehr politischer Spannungen auf der irischen Insel. London lehnt jedoch EU-Vorschläge zur Umsetzung ab - und umgekehrt. Barnier forderte eine "Entdramatisierung" bei dem Thema.

Eine Brexit-Befürworterin in Sichtweite der Tower Bridge (Foto: picture-alliance/dpa/AA/K. Green)

...und in Sichtweite der Towerbridge im Dienste einer Brexit-Befürworterin

In den vergangenen Wochen hatten sich Warnungen vor einem Brexit ohne Vertrag und pessimistische Äußerungen gehäuft. Bei einem Scheitern der Gespräche wären alle bisherigen Absprachen hinfällig, zu befürchten wären ein chaotischer Übergang und schwere Turbulenzen für die Wirtschaft. So warnten britische Krankenhäuser, dass bei einem Brexit ohne Abkommen die Medikamente knapp werden könnten. Dann könnte die "gesamte Lieferkette von Pharmazeutika" betroffen sein, heißt es in einem Schreiben der Trägergesellschaften britischer Krankenhäuser und Rettungsdienste an den nationalen Gesundheitsdienst NHS.Rab 

Raab präsentiert Plan B  

Brexit-Minister Raab will am Donnerstag erste Pläne der Regierung für den Fall eines Scheiterns der Gespräche vorstellen. Die Zeitung "Daily Telegraph" hatte vorab berichtet, nach Vorstellungen der britischen Regierung dürften EU-Einwanderer auch bei einem Brexit ohne Abkommen in Großbritannien bleiben. Die 3,8 Millionen Migranten behielten demnach auch Zugang zum Gesundheitsdienst NHS und zu staatlicher Unterstützung - selbst wenn Briten in der EU nicht vergleichbare Rechte zugesichert bekämen.

sti/stu (dpa, rtr)

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