Diakonie: Spendenplus bei der Flüchtlingshilfe | Aktuell Deutschland | DW | 26.07.2018
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Diakonie: Spendenplus bei der Flüchtlingshilfe

Trotz der negativen Töne in der Flüchtlingsdebatte ist die Solidarität mit Schutzsuchenden in Deutschland offenbar groß. Das Hilfswerk der evangelischen Kirche meldet eine deutliche Zunahme privater Gelder.

Jordanien Syrische Flüchtlinge im Zaatari Refugee Camp (Christoph Pueschner/Diakonie Katastrophenhilfe)

Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien: Die Diakonie unterstützt syrische Bedürftige in ihrem Heimatland und den Anreinerstaaten Syriens

"Die privaten Spenden sind sogar um fast 30 Prozent gestiegen", sagte der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Keßler, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mit Blick auf die Debatte über die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland sei das keine Selbstverständlichkeit, fügte er hinzu.

2016 waren nach seinen Angaben 21,1 Millionen Euro an privaten Spenden eingegangen. Wie aus der Jahresbilanz 2017 hervorgeht, hatte das Hilfswerk allerdings insgesamt weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als im Vorjahr. Die Gesamteinnahmen sanken laut der Bilanz von 59,4 Millionen Euro im Jahr  2016 auf 54,9 Millionen 2017. Sinkende öffentliche Zuwendungen der Bundesregierung, der Europäischen Union und der Vereinten Nationen (43 Prozent weniger als im Vorjahr) seien dafür ausschlaggebend gewesen.

Fast 70 Millionen Menschen auf der Flucht

Bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Berlin wies Keßler darauf hin, dass von den derzeit fast 70 Millionen Flüchtlingen weltweit die "allerwenigsten" nach Europa kämen und die meisten im eigenen Land oder in Nachbarstaaten Zuflucht suchten. Dementsprechend konzentriere sich die Arbeit des evangelischen Hilfswerks im Fall syrischer Bürgerkriegsflüchtlinge auf die Unterstützung von Menschen in Syrien und in den Anrainerstaaten.

Diakonie Martin Kessler Projekt im Irak (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, bei einem Besuch im Irak (Archiv)

In diesem Zusammenhang forderte Keßler ein Umdenken der Bundesregierung, da staatliche Hilfsgelder für Projekte in Syrien bislang nur für Einsätze in Oppositionsgebieten beantragt werden könnten. Humanitäre Hilfe sollte das Auswärtige Amt auch für die von der Regierung kontrollierten Gebiete zulassen, so Keßler. Er gab zu bedenken, dass das Hoheitsgebiet des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad wachse und nach sieben Jahren Krieg die Menschen ausgezehrt seien.

Die Hilfe in den Regierungsgebieten finanziert das Auswärtige Amt derzeit ausschließlich über die Vereinten Nationen beziehungsweise das Rote Kreuz oder den Roten Halbmond. Doch die UN seien "immer wieder wochenlang lahmgelegt, weil andere Geber ihren Verpflichtungen nicht nachkommen", so Keßler. Diese "Lücke" wolle die Diakonie "gerne füllen".

Insgesamt habe die Diakonie Katastrophenhilfe 2017 in 42 Ländern Hilfe geleistet und dafür etwa 43 Millionen Euro bereitgestellt. Dazu gehörten auch Einsätze in Somalia, der Demokratischen Republik Kongo und Bangladesch.

uh/gri (afp, epd)

 

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