DFL plant Rückkehr der Fans ins Stadion | Sport | DW | 28.07.2020
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Bundesliga

DFL plant Rückkehr der Fans ins Stadion

Trotz der Corona-Pandemie möchte die DFL in der kommenden Bundesliga-Saison in den Stadien mit Einschränkungen wieder Zuschauer zulassen. Was halten die Klubs und die aktive Fanszene vom Konzept des Liga-Verbands?

Der Plan, künftig in den Stadien der 1. und 2. Bundesliga wieder vor Publikum anzutreten wird konkreter. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat Eckpunkte erarbeitet, mit denen ein Spielbetrieb vor einer eingeschränkten Zahl von Zuschauern und unter bestimmten Auflagen möglich werden soll. Die Kernpunkte sind kurz zusammengefasst: weniger Zuschauer, keine Stehplätze, kein Alkohol und keine Gästefans. Der Ausschluss der Gästefans soll bis Jahresende gelten, der Verzicht auf Stehplätze und den Ausschank alkoholischer Getränke mindestens bis zum 31.Oktober. Am kommenden Dienstag sollen die 36 Profiklubs der 1. und 2. Liga über die entsprechenden Anträge des DFL-Präsidiums entscheiden.

Während der durchschnittliche Sitzplatz-Dauerkarteninhaber sich möglicherweise darüber freut, seinem Verein schon bald wieder nahe sein zu können, sieht die aktive Fanszene die Pläne des Ligaverbands kritisch. "Wir begrüßen es grundsätzlich, dass die DFL einheitliche Leitplanken für alle 36 Erst- und Zweitligisten aufstellen möchte", sagt Thomas Kessen von der Fanvertretung "Unsere Kurve" gegenüber der DW. "Allerdings sind einige der vorgeschlagenen DFL-Maßnahmen für uns untragbar: dass ein pauschales Gästefan-Verbot auferlegt wird, dass pauschal Alkohol verboten werden soll, dass pauschal Stehplätze verboten werden sollen - das sind alles Punkte, die wir nicht mittragen können."

Deutschland | Unsere Kurve | Interview Thomas Kessen (T. Kessen)

Thomas Kessen von "Unsere Kurve"

Kessen und viele andere Fanvertreter sehen in den Maßnahmen der DFL einen nicht explizit formulierten Vorwurf. "Wenn man Gästefans, Alkohol und Stehplätze verbieten will, zeugt von einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber Fußballfans", beklagt Kessen. "Da stellen wir uns dagegen. Die deutschen Fußballfans haben während der Corona-Krise deutlich gezeigt, wie verantwortungsbewusst sie sind, und dass sie sich der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der gesamten Thematik bewusst sind." Sig Zelt, Sprecher der Organisation "Pro Fans", sieht das ähnlich: "Was mich unterschwellig stört, ist, dass die Fans als Risikofaktor gesehen werden, die sich nicht benehmen können", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Wie sollen die Stehplätze organisiert werden?

Nicht nur den organisierten Fans, auch den Klubs wäre es lieber, wenn man die Stadien endlich wieder füllen könnte. "Wir als Verein wünschen uns, dass auch wieder Fans auf den Stehplätzen zugelassen werden", gibt Pressesprecherin Lil Zercher die Haltung des 1. FC Köln auf Nachfrage der DW wieder. "Allerdings wünschen wir uns auch eine einheitliche, ligaweite Regelung."

Dinge einheitlich und ligaweit zu Regeln - am liebsten mit Hilfe des DFB auch gleich für die 3. Liga und damit für den gesamten Profi-Fußball - das ist auch die Forderung der Fanvertreter von "Unsere Kurve". Doch wie soll das zum Beispiel beim Thema Stehplätze umgesetzt werden? Soll man die Stehtribüne in einzelne Bereiche aufteilen und einzelne Parzellen absperren? Sollen nur Kleingruppen erlaubt sein? Soll eine Maskenpflicht gelten? "Es gibt viele Möglichkeiten", sagt Kessen. "Letztlich liegt es aber an den Entscheidern vor Ort, mit den lokalen Fanszenen die passende Entscheidung zu treffen." Allerdings, so Kessen: "Man muss Stehplätze nicht grundsätzlich verbieten, sondern kann eine von allen akzeptierte Möglichkeit finden, wenn man sich mit der Fanszene ernsthaft über die Begebenheiten bei einem 'Corona-Spieltag' austauscht."

Sprink: "Keine Wasserstandsmeldungen"

In engem Kontakt mit seinen Fans steht auch Bayer 04 Leverkusen. Beim Werksverein ist Meinolf Sprink als Direktor für Fans und Soziales für Fanfragen zuständig. Er bestätigt auf Nachfrage der DW, dass er und andere Vereinsvertreter sich regelmäßig mit dem "Kurvenrat", der Fanvertretung der Bayer-Fans, austauschen und dabei versuchen, den Anhängern so transparent wie es geht die möglichen Szenarien auseinanderzusetzen.

Bundesliga Bayer 04 Leverkusen - 1. FC Nürnberg | Fans (picture-alliance/M. Volkmann)

Noch lange nicht im Bereich des Möglichen: Leverkusener Fans, dicht gedrängt in ihrer Nordkurve

Die Resonanz der  Fans sei positiv, so Sprink, allerdings, und das sei die strikte Haltung des Vereins, sei nichts von dem, was dort besprochen werde, für die Öffentlichkeit bestimmt. "Wie haben klar gesagt, dass wir keine Wasserstandsmeldungen abgeben, sondern erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn Dinge belastbar und spruchreif sind."

Spruchreif ist allerdings auch das Eckpunkte-Papier der DFL noch nicht wirklich. Zwar hat der Ligaverband damit einige Leitplanken gesetzt, allerdings müssen nun alle Erst- und Zweitligisten schauen, ob und wie die Maßnahmen am eigenen Standort umsetzbar sind. Das hängt nicht nur von den Vereinen selbst, sondern auch von Kommunen und lokalen Gesundheitsämtern ab. Nicht zuletzt der Streit über Starttermin und Art des Trainings zwischen Werder Bremen und dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer während der Corona-Zwangspause hat gezeigt, dass es große Unterschiede zwischen den Profi-Standorten gibt.

Viele Detailfragen

Und schließlich ist die Situation in keinem der 36 Stadien gleich. Dabei geht es um sehr viel mehr Details als nur um die Frage, wie viele Fans wo im Stadion platziert werden können. Wie werden die Zuschauer in das Stadion eingelassen? Wie soll der Toilettenbesuch organisiert werden? Wie viele Fans dürfen gleichzeitig wo in der Getränkeschlange stehen? Werden überhaupt Getränke ausgeschenkt? Wie sammelt man anschließend die Becher wieder ein? Wie kommen die Fans überhaupt zum Stadion hin? Wie und wo lässt man sie wieder aus dem Stadion heraus?

Symbolbild Sicherheit in Bundesliga Stadien (picture-alliance/dpa/R. Rudel)

Die Vereine müssen sich auch für die Wege zum und in das Stadion Konzepte überlegen

Vereine, deren Fans hauptsächlich den öffentlichen Nahverkehr nutzen, oder die ein Park-and-Ride-Systen mit Shuttle-Bussen vorhalten, müssen sich darüber sicher mehr Gedanken machen als andere Klubs. Mit die "entspannteste" Lage, was An- und Abreise angeht, hat wahrscheinlich Borussia Mönchengladbach, weil der Borussia-Park draußen auf der grünen Wiese steht und ein Großteil der Zuschauer einzeln oder in kleinen Gruppen mit dem Auto anreisen. So ist zumindest bis zum Parkplatz eine räumliche Trennung gewährleistet. Doch längst nicht überall herrschen Gladbacher Verhältnisse.

Erstmal weiter wie bisher?

Daher ist es gut möglich, dass es zwar einen für alle geltenden Rahmen geben wird, auf den sich am kommenden Dienstag alle 36 Profiklubs einigen, doch bei der individuellen Umsetzung entsteht möglicherweise doch der von vielen Fanvertretern befürchtete Flickenteppich, weil es letztlich gar nicht anders geht, als Regelungen aufgrund der lokalen Verhältnisse individuell zu handhaben. Hinzu kommt, dass sich die Corona-Gesamtlage schnell ändern kann. Was heute noch gilt, kann in 48 Stunden schon wieder überholt sein.

Die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Besucher tragen Behörden, Vereine und DFL. Nicht undenkbar ist daher auch ein Liga-Neustart mit "Geisterspieltagen" wie bisher, also zunächst ganz ohne Zuschauer, zumindest bis am 31. Oktober in den meisten Bundesländern die Corona-Beschränkungen auslaufen. Klubs und Liga werden sich mehr als einmal überlegen, welches Risiko man eingehen kann - und dabei muss es ihnen letztlich egal sein, wie groß die Sehnsucht der Fans ist, endlich wieder auf die Tribüne zu dürfen.

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