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DFB-Team will den "Geist von Herzo" wecken

Thomas Klein aus Herzogenaurach
10. Juni 2021

Die DFB-Elf hat für die Europameisterschaft in Herzogenaurach ihr "Base Camp" aufschlagen. Abgeschottet von Medien und Fans will die Elf von Bundestrainer Löw hier den Grundstein für ein erfolgreiches Turnier legen.

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Fußball EM | Quartier deutsche Mannschaft | DFB Home Ground Herzogenaurach
Bild: Adidas/DFB/dpa/picture alliance

Gut gelaunt begrüßt Manuel Neuer seine Follower bei Instagram. "Ich bin gespannt, wie unser 'Home Ground' aussieht", sagt der Nationaltorwart, der beim letzten Test gegen Lettland sein 100. Länderspiel bestritten hat. Das DFB-Team um Bundestrainer Joachim Löw hat in der "World of Sports" bei DFB-Partner Adidas in Herzogenaurach nahe Nürnberg sein Quartier für die am Freitag beginnende Europameisterschaft bezogen. "Ein ganz tolles Areal! Bewaldet, Holzbau, wunderschön. Ein Ort, wo eine tolle Stimmung entstehen kann", berichtet der Bürgermeister der kleinen 22.000-Einwohner-Stadt. Doch Stadtoberhaupt German Hacker wird die Nationalmannschaft in den kommenden Wochen wohl nicht zu sehen bekommen.

Kein Kontakt zur Außenwelt

Denn das Gelände, auf dem der DFB-Tross die kommenden Wochen verbringen wird, ist hermetisch abgeriegelt. Hohe Zäune und ein Sichtschutz rund um das Gelände machen den Ort zu einer "Bubble", einer Corona-Blase, zu der nur DFB-Personal und hin und wieder die zahlreich angereisten Medienvertreter Zutritt bekommen.

Fußball EM | Quartier deutsche Mannschaft | DFB Home Ground Herzogenaurach | PK Bierhoff,
Digitale Pressekonferenz mit DFB-Direktor Oliver BierhoffBild: Christian Charisius/dpa/picture alliance

Jeden Tag werden die Spieler getestet, und auch die Journalisten und Journalistinnen müssen vor Betreten des Areals einen negativen Test vorzeigen. Erst dann darf der Weg zum Trainingsplatz fortgesetzt werden. Für die 2,5 Kilometer steht ein Shuttle-Service bereit. Damit auch die Abstände gewahrt werden, wird jedem ein Tracker - ein elektronisches Ortungsgerät - um den Hals gehängt. So soll im Falle eines positiven COVID-Befundes nachverfolgt werden können, wer mit wem Kontakt hatte. Zusätzlich ist ausreichend Sicherheitspersonal anwesend, um eventuelle "Abstandsbrecher" in ihre Schranken zu weisen.

Oliver Bierhoff: "Spirit wecken"

Das DFB-Team bleibt also unter sich. Die Spieler wohnen in Bungalows in kleinen Gruppen. Neuer teilt sich seine WG beispielsweise mit Bayern-Kollege Jamal Musiala, Gladbachs Jonas Hofmann und Lukas Klostermann von RB Leipzig. "Wir fühlen uns jetzt schon wohl, weil wir sehen, dass die Räumlichkeiten das hergeben, was wir haben wollen", freut sich DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der sich von dem "Home Ground" eine ähnliche Wirkung erhofft wie vom legendären "Campo Bahia" in Brasilien bei der WM vor sieben Jahren.

"Wir wollen einen Spirit wecken", sagt der 53-Jährige, "einen Geist von Herzogenaurach. Die Voraussetzungen sind wirklich gut." Das findet auch Ilkay Gündogan, der sich ein Haus mit dem Leipziger Marcel Halstenberg, Bayern-Torjäger Serge Gnabry und Emre Can von Borussia Dortmund teilt. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie es 2014 war. Ich habe viel davon gehört, aber kaum Fotos gesehen“, berichtet der Offensivspieler. "Viele sagen, dass es ähnlich wie hier war. In diesem Fall gab es auch damals Top-Bedingungen. Es ist fantastisch, was Adidas hier aufgebaut hat."

DFB-Elf muss liefern

Bei der WM in Brasilien profitierte die DFB-Elf von der Abgeschiedenheit des Quartiers, das eigens für die deutsche Nationalmannschaft errichtet worden war. Am Ende wurde das Team von Joachim Löw bekanntermaßen Weltmeister. Wie weit es bei dieser von der Corona-Pandemie geprägten EM gehen wird, dürfte spannend werden. Noch vor wenigen Wochen schien alles möglich - nur eben keine sonderlich gute Leistung der Mannschaft. Zu schlecht waren ihre Auftritte.

Doch die Meinungen haben sich geändert - und auch das Selbstverständnis der Mannschaft. Löw hat es im Trainingslager in Seefeld geschafft, eine in sich intakte Mannschaft zu formen. Die Stimmung, wie zuletzt beim 7:1-Erfolg gegen Lettland, ist gut. "Unser Anspruch sollte immer sein, dass wir liefern. Das muss eine deutsche Nationalmannschaft immer", sagt Bierhoff. "Jede Erfolgsmannschaft braucht aber Zeit. Ich glaube, dass sie stärker wird in den nächsten Jahren. Doch wir wollen auch jetzt schon liefern."

"Nichts ist unmöglich"

Manuel Neuer setzt seine "Sightseeing-Tour" bei Instagram fort. Ein großer Essensbereich, eine Lounge-Ecke, wo die Spieler zusammen die EM-Spiele verfolgen können und werden - "um auch mal abschalten zu können", erzählt Neuer. Entspannung nach den Spielen, aber vor allem die Fokussierung auf das Wesentliche, ganz ohne Störgeräusche von außen. "Wir sind schon sehr abgeschirmt, man ist in Turnieren aber auch in einem Tunnel", sagt Bierhoff. "Es ist aber auch gut, dass wir den Fokus haben und wenig abgelenkt sind. Wir haben hier ein schönes Ambiente. Den Tunnelblick finde ich positiv."

Fußball EM - Quartier deutsche Mannschaft in Herzo-Base
Entsteht in "Herzo Base" in Herzogenaurach der "Geist von Herzo"? Bild: Christian Charisius/dpa/picture alliance

Das erste Spiel gegen Weltmeister Frankreich am kommenden Dienstag (Anpfiff 21 Uhr MESZ) dürfte dann zeigen, wie gut die Mannschaft in Seefeld und in Herzogenaurach gearbeitet hat. Tägliche Motivation gibt ein Schriftzug auf dem Gelände: "Impossible is nothing" ("Nichts ist unmöglich") steht in großen Lettern auf einer Wand geschrieben. Auch ein Sieg gegen Frankreich ist nicht mehr unmöglich, wenn der "Geist von Herzo" denn wirklich auch geweckt wird.