DFB-Krisengipfel: ″Löw und Bierhoff Vertrauen ausgesprochen″ | Sport | DW | 21.08.2018
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DFB

DFB-Krisengipfel: "Löw und Bierhoff Vertrauen ausgesprochen"

Man vertraut sich also: Knapp zwei Monate nach dem blamablen WM-Aus der deutschen Nationalelf gibt man sich im DFB geschlossen. Die sportliche Leitung erhält Rückendeckung. War das schon die große WM-Aufarbeitung?

Fußball-Krisengipfel in Frankfurt - Joachim Löw (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Entlastet: Bundestrainer Löw kann nach dem WM-Aus nun nach vorne schauen

Ganz in schwarz gekleidet betrat Joachim Löw am Dienstagnachmittag die DFB-Zentrale im Frankfurter Westend. Schwarzes Sakko, schwarze Hose, schwarzes Shirt, schwarze Schuhe. Hätte Löw nicht auf Socken verzichtet, hätte man meinen können, er gehe auf eine Beerdigung. Und nein, auch wenn die Symbolik nahe liegt, es wurde nicht seine eigene, auch nicht im übertragenen Sinne. 

Der Bundestrainer verließ den Tagungsort als Bundestrainer. Daran hatte niemand, der in den letzten Wochen den Verantwortlichen im deutschen Fußball zugehört hatte, ernsthaft gezweifelt. DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte schon in der Stunde der denkwürdigen Niederlage gegen Südkorea, die das Vorrunden-Aus der DFB-Elf besiegelte, Löw den Rücken gestärkt und seinen eigenen Handlungsspielraum damit extrem eingeengt. Aus der Liga kam zwar zunächst vereinzeltes Murren, doch nach einigen Gesprächen war der Burgfrieden zwischen Liga und Verband wieder einigermaßen hergestellt. Auch, weil derzeit viele Fans sowohl Liga als auch DFB scharf kritisieren. So kamen die Äußerungen der Bosse von Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Bundesliga (DFL) nun nicht wirklich überraschend. 

DFB und DFL ziehen an einem Strang - so heißt es 

Bundesliga-Boss Reinhard Rauball sagte nach der dreistündigen Sitzung in Frankfurt: "Alle Teilnehmer der Sitzung heute, auch die Vertreter der Bundesliga, haben heute Jogi Löw und Oliver Bierhoff das Vertrauen ausgesprochen." Und DFB-Präsident Reinhard Grindel betonte nach dem rund dreistündigen Treffen in der DFL-Zentrale den Zusammenhalt der Verbände. "Der DFB und die DFL ziehen an einem Strang. Das war der intensivste Austausch, den wir in der jüngeren Vergangenheit hatten. Wir waren noch nie so eng zusammen", so Grindel. Dank der Übereinkunft sind vor der Vergabe der EM-Endrunde 2024 am 27. September keine Querschüsse mehr zu erwarten. Und das war das Ziel der DFB-Spitze. 

Machtkampf im DFB (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Schulterschluss in unbequemen Zeiten: Liga-Boss Rauball (l.) und DFB-Präsident Grindel (r.)

Trotz des WM-Debakels erhielt die angezählte sportliche Leitung um Bundestrainer Löw und Manager Bierhoff die Rückendeckung des Profifußballs. Damit haben beide die erste Etappe der WM-Aufarbeitung erfolgreich hinter sich gebracht. Mit dem Vertrauensbeweis im Rücken dürfte der Gang von Löw und Bierhoff vor das DFB-Präsidium am Freitag in München und die Bekanntgabe des Kaders für den Neustart (29. August) nur noch halb so schwer werden. Die Unterstützung durch die DFL hat für den DFB aber auch seinen Preis. "Der Dialog über effizientere Prozesse im Hause des DFB" soll fortgeführt werden, hieß es in der gemeinsamen Erklärung. Im Klartext bedeutet dies, dass der DFB die von der DFL angemahnte Strukturdebatte annehmen muss.

"Wieder auf Weltniveau bringen"

Mit Blick auf die DFB-Auswahl wurde ausgelotet, "wie man gemeinsam die Nationalmannschaft und die Entwicklung des deutschen Fußballs wieder auf Weltniveau bringen kann". Ein "verbesserter Austausch zwischen den Sportverantwortlichen bei Klubs und DFB, die Arbeit in den Leistungszentren der Bundesliga und 2. Bundesliga und die Trainer-Ausbildung" standen dabei im Mittelpunkt. Zudem wurde vereinbart, in dieser Besetzung in absehbarer Zeit erneut zusammen zu kommen.

Die Liste der Teilnehmer des "Krisengipfels" war hochkarätig. Neben Grindel und Rauball waren unter anderem DFL-Chef Christian Seifert, Karl-Heinz Rummenigge (Bayern München), Matthias Sammer, Hans-Joachim Watzke (beide Borussia Dortmund), Rudi Völler (Bayer Leverkusen), Max Eberl (Borussia Mönchengladbach), Christian Heidel (FC Schalke 04), Jörg Schmadtke (VfL Wolfsburg), Stefan Reuter (FC Augsburg), Michael Preetz (Hertha BSC), Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt) und DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius mit von der Partie. Im Vorfeld des Treffens ließ Grindel bereits anklingen, wie die von ihm beschworenen "tiefgreifenden Veränderungen" aussehen könnten. In der DFB-Struktur soll Bierhoff entlastet werden. Grindel kündigte die Wiedereinstellung eines Sportdirektors sowie eines Leiters für das Akademie-Projekt an, die dann aber weiter Bierhoff unterstellt sein werden. Auch der von Bierhoff ins Leben gerufene Begriff "Die Mannschaft" soll auf den Prüfstand kommen. Ob all das den Fans "tiefgreifend" genug ist, bleibt abzuwarten.

jw/stu (mit sid, dpa)

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