DFB-Frauen: Die Hoffnungsträgerinnen haben schulfrei | Sport | DW | 12.06.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Frauen-Nationalmannscahft

DFB-Frauen: Die Hoffnungsträgerinnen haben schulfrei

Dass junge Spielerinnen bei großen Turnieren Erfahrungen sammeln dürfen, ist normal. Im deutschen Team werden die Jüngsten allerdings nicht erst in der Schlussphase eingewechselt, sondern übernehmen früh Verantwortung.

DFB-Frauennationalmannschaft Deutschland-Chile (picture-alliance/G. Kirchner/D. Inderlied)

Keine Angst vor großen Aufgaben: Klara Bühl (l.) und Lena Oberdorf (r.) sind zwei von drei Teenagern im deutschen Team

Ein gebrochener Zeh bereitet dem DFB-Team bei der WM in Frankreich Sorgen. Ausgerechnet Spielmacherin Dzsenifer Marozsan fällt für den Rest der Vorrunde aus. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg muss für die Spiele gegen Spanien und Südafrika einige Veränderungen vornehmen und kann dabei auf drei Teenagerinnen zurückgreifen, die vor der WM noch keiner so richtig auf dem Zettel hatte: Lena Oberdorf, Klara Bühl und Giulia Gwinn, die die DFB-Frauen gegen China zum Sieg schoss.

Zwar können die drei Teenager Marozsan nicht ersetzen, bieten Voss-Tecklenburg aber mehr Möglichkeiten, den Ausfall der besten Spielerin zu kompensieren.

Lena Oberdorf: Zwei Klausuren im Mannschaftshotel

Über eine der drei wird sich die Bundestrainerin besonders viele Gedanken machen: Lena Oberdorf. Die Jüngste im Kader war die eigentliche Entdeckung im Auftaktspiel gegen China. Zur Halbzeit eingewechselt, stabilisierte Oberdorf das deutsche Spiel - was man bei einer 17-Jährigen zunächst nicht vermutet. Doch ihrer Abgeklärtheit und ihrer Zweikampfstärke war es wohl auch zu verdanken, dass die Chinesinnen sich kaum noch zwingende Chancen erarbeiten konnten. "Lena kam rein und hat sehr viel Ruhe ins Spiel gebracht", lobte Melanie Leupolz ihre junge Kollegin. Die Gelobte blieb bescheiden.

Vor Frauen-Fußball-WM Frankreich - Training (picture-alliance/dpa/S. Gollnow)

Vertrauensverhältnis: Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg (l.) und Lena Oberdorf (r.)

Vor dem Turnier hatte sie sich im DW-Interview nur ein paar Minuten Spielzeit während der WM ausgerechnet: "Vielleicht mal am Ende eines Spiels so die letzten zehn oder 20 Minuten. Ich will einfach die Erfahrung mitnehmen." Nach dem Spiel darauf angesprochen, reagierte sie zurückhaltend: "Ich war bei der Einwechslung ein wenig nervös, ich hoffe, man hat es nicht gemerkt." Erst vor neun Monaten lief Oberdorf zum ersten Mal in der Bundesliga auf. 16-mal hat sie dort seither für die SGS Essen gespielt. Eigentlich müsste sie in diesen Tagen in der Schule sitzen, doch für die WM gibt es schulfrei - unter Auflagen: Im Teamhotel hat die Schülerin zwei Klausuren geschrieben.

Klara Bühl: Abi und WM im selben Monat

Etwas besser hat es da Klara Bühl. Sie steckt zwar im Abiturstress, hatte aber pünktlich zum WM-Beginn alle schriftlichen Prüfungen hinter sich. Gegen China kam sie noch nicht zum Einsatz, doch der Ausfall von Marozsan erhöht auch ihre Chancen auf WM-Erfahrungen, denn gerade in der Offensive dürfte es nun Veränderungen geben.

"Mit Schnelligkeit und einem guten Torabschluss kann ich Stärke ins Team einbringen", gibt sich die 18-jährige Stürmerin im Gespräch mit der DW sehr selbstbewusst. Beim SC Freiburg ist sie bereits seit zwei Jahren eine feste Größe. Doch die Duelle auf höchstem Niveau bei einer Weltmeisterschaft flößen auch ihr Respekt ein: "Ich bin vor jedem Spiel hier nervös, ob ich spiele oder nicht. Eine WM ist nicht alltäglich."

Giulia Gwinn: "Ältere Spielerinnen coachen uns"

Dass Lena Oberdorf und Klara Bühl bei diesem Turnier noch nicht stärker in den Fokus gerückt sind, liegt vor allem am dritten Teenager im deutschen Team: Giulia Gwinn, die mit ihrem Tor gegen China zur Matchwinnerin wurde. "Es war eine Erlösung für alle, weil wir danach mit mehr Selbstvertrauen das Spiel gestalten konnten," sagt Gwinn. Ihr Tor dürfte die Chancen auf einen erneuten Einsatz in der Startelf steigern. Wie Klara Bühl spielte Gwinn bisher für den SC Freiburg, nach der WM wechselt sie zum FC Bayern München. Dort wird sie einige ihrer Nationalmannschafts-Kolleginnen wiedertreffen, denn die Bayern stellen mit sieben Spielerinnen den größten Block im deutschen WM-Kader.

Frauen-Fussball-WM - Deutschland - China (picture-alliance/dpa/S. Gollnow)

Gegen China bereits erfolgreich: Giulia Gwinn erzielte den sehenswerten Siegtreffer

Lena Oberdorf, Klara Bühl und Giulia Gwinn - drei Teenagerinnen, die nicht nur WM-Touristinnen sein wollen, sondern gleich voll in die Pflicht genommen werden. "Wir sind sehr integriert, da gibt es gar keine Probleme, weil wir so viele Spieler um uns haben, die uns aufnehmen und coachen", erklärt Giulia Gwinn. "Ich fühle mich gut integriert und habe überhaupt nicht das Gefühl, ein Küken zu sein."

Als Küken werden die drei WM-Teenager intern immer mal wieder bezeichnet. Doch auch vor Küken kann man Respekt haben, wie Kapitänin Alexandra Popp beweist: "Das China-Spiel hat gezeigt, was sie für eine unglaubliche Qualität haben. Wir sind froh, dass sie noch so unbeschwert und so unbekümmert in die Spiele gehen", sagt die erfahrene Stürmerin. "Keiner wusste vorher, wie sie drauf sind, wenn es ernst wird. Dementsprechend sind wir natürlich froh, wie sie es jetzt angehen."

Ähnlich sieht es Melanie Leupolz, die mit den DFB-Frauen bereits den EM-Titel und die Olympische Goldmedaille gewonnen hat: "Das sind natürlich schon gestandene Bundesliga-Spielerinnen. Sie sind zwar noch jung, bringen aber sehr viel Talent mit. Es ist schön zu sehen, was der deutsche Frauenfußball für die nächsten Jahre zu bieten hat. Darauf kann man sich freuen."

Die Redaktion empfiehlt