DFB-Elf: Das Feuer ist zurück | Sport | DW | 11.10.2018
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Demonstrative Geschlossenheit

DFB-Elf: Das Feuer ist zurück

Die Nationalspieler stellen sich nach der Ballack-Kritik hinter Bundestrainer Joachim Löw. Vor den Nations-League-Spielen gegen die Niederlande und Frankreich ist im DFB-Team die Aufbruchstimmung nicht zu überhören.

"Der Schock wirkt nach", sagte Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann der "Heilbronner Stimme", "so etwas möchte keiner mehr erleben." Hermann betreut seit 14 Jahren die deutsche Fußball-Nationalmannschaft und dürfte momentan eine der spannendsten Phasen dieser Zusammenarbeit durchmachen. Das bittere WM-Aus lässt sich nur langsam verdauen.

Besonders die Fans und die Presse kauen immer wieder auf der Vorrundenpleite in Russland herum. Auch vor den beiden Partien in der European Nations League am Samstag in Amsterdam gegen die Niederlande (Samstag, 13.10.2018, 20:45 Uhr MESZ im DW-Audio-Livestream) und drei Tage später in Paris gegen Frankreich (Dienstag, 16.10.2018, 20:45 Uhr MESZ im DW-Audio-Livestream) müssen sich die Nationalspieler erklären.

Als Toni Kroos auf der Pressekonferenz am Donnerstag in Berlin vollmundig das Ziel ausgibt: "Wir fahren als Favorit hin, wir streben sechs Punkte an", lässt die Nachfrage nach ein wenig Demut nicht lange auf sich warten. Sollte man nicht mit bescheideneren Zielen in die Niederlande fahren, will ein Journalist wissen. Mitnichten, erwidert Kroos: "Ich spiele jedes Spiel, um es zu gewinnen. Wir sind ja keine Gurkentruppe. Daran ändern auch drei Spiele bei einer WM nichts, auch wenn die nicht optimal waren." Nach einem gebrochenen Menschen hört sich diese Aussage jedenfalls nicht an.

Deutschland Jogi Löw und Hans Dieter Hermann (picture-alliance/GES-Sportfoto/)

Auf dem gemeinsamen Karriere-Höhepunkt: Sportpsychologe Herrmann, Bundestrainer Löw nach dem WM-Gewinn 2014

Nachhaltige Veränderungen hinter verschlossenen Türen

Stürmer Timo Werner, zugegebenermaßen einer der Jüngeren im DFB-Team, gibt sich nach außen hin nicht ganz so selbstsicher. "Der Toni hat ja eigentlich schon alles gesagt", pflichtet er seinem erfahrenen Kollegen bei und lenkt den Blick nach vorne auf "zwei super Mannschaften, zwei Auswärtsspiele in Städten, wo das Fußballspielen Spaß macht, in Amsterdam und Paris." 

Die Aufarbeitung hat offenbar intern stattgefunden. Er habe von den Spielern viel Selbstkritik gehört und gelesen, wird Psychologe Herrmann zitiert und er schließt dabei Bundestrainer Joachim Löw ausdrücklich ein: "Ich habe mitbekommen, welche Dinge er verändern möchte beziehungsweise schon verändert hat. Nicht so öffentlichkeitswirksam, aber nachhaltig."

Wollte Ballack nur Löws Job?

Michael Ballack hat daran seine Zweifel. Der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft hat kürzlich erst gegenüber der DW harsche Kritik am Verbleib Löws geäußert: "Irgendwann muss man sich doch eingestehen, dass die Dinge nicht mehr funktionieren, wenn jemand so lange mit einer Mannschaft zusammenarbeitet wie er." Darauf angesprochen, konterte Kroos, Ballack selbst hätte den Job vielleicht gerne übernehmen wollen: "Die neuen Reize können auch vom gleichen Trainer kommen, wenn er sich hinterfragt. Ich bin überzeugt, dass wir die Kurve auch mit Jogi Löw kriegen." Er habe in den letzten neun gemeinsamen Jahren gesehen, wie sich Löw als Trainer entwickelt hat. "Da ist er heute auf einem ganz anderen Niveau als 2010."

Und überhaupt interessiert Kroos nur das Spiel am Samstag, auch wenn die Niederländer sich gegenüber den vergangenen Jahren wieder verbessert hätten: "Da fahren wir als Favorit hin." Und für die Nationalelf seien die beiden Partien gegen die hochkarätigen Gegner ohnehin die beste Möglichkeit, "einen weiteren Schritt zu machen. Da helfen Ergebnisse am besten." Es klingt, als habe Sportpsychologe Hermann recht mit seiner Einschätzung, die er schon beim ersten Treffen nach dem WM-Trauma hatte: "Da war zu spüren, dass das Feuer zurück ist."

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