Deutschlands Milliardäre leiden | Wirtschaft | DW | 08.11.2019
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Vermögen

Deutschlands Milliardäre leiden

Schwächelndes Wirtschaftswachstum und Handelskonflikte kosten die Reichsten der Welt eine Menge Geld. Auch deutsche Milliardäre spüren die Auswirkungen. Dabei haben sie es im internationalen Vergleich richtig schwer.

Erstmals in fünf Jahren schrumpft das Gesamtvermögen der Milliardäre rund um den Globus - und auch die deutsche High Society hat etwas weniger Geld in der Tasche. Das geht aus Berechnungen der Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS hervor, die am Freitag veröffentlicht wurden.

Deutschlands arme Reiche leiden doppelt: Ihre Vermögen schrumpfen und ihre Anzahl auch. Hierzulande, Deutschland ist nach den USA und China das Land mit den meisten Milliardären der Welt, verkleinerte sich der Kreis der Superreichen um stolze neun Mitglieder auf nur noch 114. Auch ihr Gesamtvermögen schrumpfte stärker als im internationalen Vergleich und betrug rund 501 Milliarden US-Dollar.

Das weltweite Gesamtvermögen der Milliardäre schrumpfte der Studie zufolge 2018 um 4,3 Prozent auf 8,5 Billionen US-Dollar. Im Jahr zuvor hatte es mit 8,9 Billionen Dollar noch einen Rekord gegeben. Auch die Zahl der Superreichen sank von 2158 Männern und Frauen im Jahr 2017 auf nun 2101.

Luxusjacht Eclipse (picture-alliance/dpa/S. Nogier)

Natürlich haben's Reiche nicht leicht: Das Familienbötchen fährt ja auch nicht nur mit Luft und Liebe.

Noch droht nicht Hartz IV

Zu schaffen machte den Milliardären laut dem Report unter anderem der Zollstreit zwischen den USA und China. Außerdem sind viele Superreiche Unternehmer und damit oft von Aufträgen ihrer Firmen abhängig, die unter der Konjunktureintrübung leiden.

Langfristig betrachtet können sich die Reichsten der Welt aber kaum beklagen: Über die vergangenen fünf Jahre ist ihr Vermögen um mehr als ein Drittel gewachsen - auch dank des Börsen- und Immobilienbooms. Zum Vergleich: Die für 2018 berechnete Summe von 8,5 Billionen Dollar ist in Euro umgerechnet noch immer mehr als doppelt so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung Deutschlands in einem ganzen Jahr (2018: knapp 3,4 Billionen Euro).

Es ist so schwer, in Deutschland reich zu sein

Maximilian Kunkel, UBS-Chefanlagestratege, erklärt sich das so: Zum einen leide gerade das verarbeitende Gewerbe - etwa die Automobil- und Maschinenbaubranche - besonders unter dem Handelskonflikt zwischen den USA und China. "Und wir sehen auch, dass ein Großteil der Milliardäre in Deutschland von dem verarbeitenden Gewerbe abhängig ist und entsprechend hier besonders hart getroffen wurde."

Darüber hinaus seien in Deutschland 2018 "aufgrund der fehlenden Innovationskraft und Risikobereitschaft" nur vier Unternehmer in den Club der Milliardäre aufgestiegen, sagt Kunkel. Hier hätten unter anderem die USA die Nase vorn, wo gerade im Technologiebereich eine deutlich höhere Innovationsbereitschaft herrsche. Auch die Chinesen seien offener für unternehmerisches Risiko - laut Kunkel "der Kerntreiber neuer Milliardäre".

Schließlich habe sich für Deutschlands Superreiche auch noch der starke US-Dollar negativ ausgewirkt. Da die Vermögen in der amerikanischen Währung bewertet wurden, schrumpften sie in der Umrechnung von Euro zu Dollar. 

Schweizer Flagge neben Rolex Uhr (picture-alliance/Bildagentur-online/Protze-McPhot)

Trotz der trüben Aussichten: Für einen neuen Chronometer dürfte das Geld auch in Zukunft noch reichen.

Reich sein: Auch in Zukunft nicht ungetrübt möglich

Sollte jemand vorhaben, sich in den nächsten zwölf Monaten beruflich und gesellschaftlich zu verändern und in den kleinen Klub der etwas reicheren Reichen einzuheiraten oder einfach selbst etwas mehr zu verdienen als im letzten Jahr - den oder die erwartet ein kleiner Dämpfer.

Für das laufende Jahr gibt Maximilian Kunkel nämlich keine allzu rosige Prognose ab: "Die Kernelemente, die letztes Jahr zu einem Rückgang geführt haben bei Anzahl und Vermögen der Milliardäre, haben sich teilweise auch dieses Jahr wieder negativ ausgewirkt."

dk/ul (dpa)

 

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