Deutschlands größter Literaturkritiker ist tot | Top-Thema – Podcast | DW | 20.09.2013
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Top-Thema – Podcast

Deutschlands größter Literaturkritiker ist tot

Marcel Reich-Ranicki war berühmt für seine leidenschaftliche Literaturkritik. Seine Memoiren, in denen er seine Verfolgung durch die Nazis beschrieb, waren ein Bestseller. Am 18.09.2013 ist Reich-Ranicki gestorben.‎

Marcel Reich-Ranicki wurde 1920 in Polen geboren. Mit seinen Eltern zog er im Alter von neun Jahren nach Berlin. Schon als Schüler entdeckte er seine Liebe für die Literatur. Nach dem Abitur hätte er gerne deutsche Literatur studiert, doch 1938 wiesen ihn die Nazis wegen seiner jüdischen Abstammung aus. Ab 1940 lebte er im Warschauer Ghetto. Dort lernte er seine Frau Teofila kennen. Ihre Ehe hielt ein Leben lang.

Im Februar 1943 gelang ihnen die Flucht aus dem Ghetto. Beide überlebten den Holocaust im Untergrund. Über seine Rettung sagte Reich-Ranicki einmal: „Ich habe Menschen kennengelernt, die sich mir gegenüber wunderbar verhalten haben. Schließlich hat ein polnisches Ehepaar mich und meine Frau gerettet.“ Reich-Ranickis Eltern und sein Bruder wurden von den Nazis ermordet.

Nach dem Krieg wurde er zuerst in Polen ein bekannter Literaturkritiker. 1958 zog er nach Deutschland und erlangte bald internationales Ansehen. Seine Lieblingsschriftsteller waren die großen Klassiker: Goethe, Heine, Kleist, Fontane und Thomas Mann. Für seine scharfe Kritik der zeitgenössischen Literatur wurde er geliebt und gehasst. Sehr erfolgreich war er mit der Fernsehsendung „Das Literarische Quartett“: In der Talkshow wurde lebhaft und spannend über Bücher diskutiert.

Den größten Erfolg erlebte er jedoch nicht als Kritiker, sondern als Autor: 1999 veröffentlichte er seine Memoiren unter dem Titel „Mein Leben“. „Ich habe ein Buch geschrieben über mein Leben. Ganz einfach, was ich erlebt habe“, sagte er. Das Buch, in dem er seine Verfolgung durch die Nazis beschrieb, war monatelang ein Bestseller und wurde sogar verfilmt. Reich-Ranicki starb am 18. September 2013 in Frankfurt am Main im Alter von 93 Jahren.


Glossar

jemanden ausweisen – jemandem befehlen, das Land zu verlassen

Nazi, -s (m.) – Abkürzung für: der Nationalsozialist; Person, die politische Ziele der Nationalsozialisten in Deutschland unterstützte

jüdisch – zu einer bestimmten Religionsgruppe (Juden) gehörend

Abstammung, -en (f.) – die familiäre Herkunft

Warschauer Ghetto (n., nur Singular) – ein 1940 von den Nationalsozialisten errichtetes, abgeschlossenes Stadtviertel in Warschau, in dem polnische und deutsche Juden abgetrennt von der übrigen Bevölkerung leben mussten

ein Leben lang – so lange, wie jemand lebt

Holocaust (m., nur Singular) – der Mord an den europäischen Juden durch die Nationalsozialisten

Untergrund (m., nur Singular) – hier: die Umgebung, in der Menschen leben, wenn sie sich vor der Regierung (die sie verfolgt) verstecken und gegen diese arbeiten

etwas erlangen – etwas bekommen

Klassiker, - (m.) – hier: etwas, das auch nach langer Zeit noch sehr bekannt und beliebt ist (z. B. ein Buch oder ein Film)

scharf – hier: sehr stark; intensiv

zeitgenössisch – aus der Gegenwart; von heute

Talkshow, -s (f., aus dem Englischen) – eine Sendung im Fernsehen oder im Radio, in der über bestimmte Themen diskutiert wird

lebhaft – interessant; lebendig; energisch

Memoiren (f., nur Plural) – ein Buch, in dem jemand über sein Leben berichtet (meist, wenn er alt ist)

Verfolgung, -en (f.) – hier: eine Handlung, mit der man jemanden aus einer Gesellschaft ausschließt und ihm Gewalt androht

Bestseller, - (m., aus dem Englischen) – ein Buch, das sehr oft verkauft wird

etwas verfilmen – einen Film über etwas machen


Fragen zum Text

1. Reich-Ranicki konnte nach dem Abitur nicht deutsche Literatur studieren, weil …
a) seine Eltern kein Geld hatten.
b) er schlechte Noten in der Schule hatte.
c) er Deutschland verlassen musste.

2. Wer hat Reich-Ranicki und seine Frau aus dem Warschauer Ghetto gerettet?
a) ein Ehepaar aus Polen
b) Reich-Ranickis Eltern
c) Teofilas Familie

3. Was ist nicht richtig?
a) Bevor Reich-Ranicki nach Deutschland zog, war er in Polen bereits ein bekannter Literaturkritiker.
b) Als Reich-Ranicki 1999 seine Memoiren veröffentlichte, wurde er in Deutschland bekannt.
c) Mit der Fernseh-Talkshow „Das Literarische Quartett“ hatte Reich-Ranicki großen Erfolg.

4. Wie heißt der Satz im Passiv? „Die Nazis wiesen ihn aus.“
a) Er wurde von den Nazis ausgewiesen.
b) Die Nazis wurden von ihm ausgewiesen.
c) Er wird von den Nazis ausgewiesen.

5. Wie heißt der Satz im Aktiv? „Reich-Ranickis Eltern und sein Bruder wurden von den Nazis ermordet.“
a) Die Nazis ermorden Reich-Ranickis Eltern und seinen Bruder.
b) Die Nazis hatten Reich-Ranickis Eltern und seinen Bruder ermordet.
c) Die Nazis ermordeten Reich-Ranickis Eltern und seinen Bruder.


Arbeitsauftrag
Gibt es das Buch „Mein Leben“ auch in eurer Sprache? Kennt ihr andere Bücher oder Filme, in denen die Geschichte der Juden im Holocaust erzählt wird? Lest im Kurs einen kurzen Abschnitt aus Reich-Ranickis Memoiren und sprecht über seine Lebensgeschichte.

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