Deutschlands Chefs verdienen immer mehr | Wirtschaft | DW | 12.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Unternehmen

Deutschlands Chefs verdienen immer mehr

Millionen-Gehälter deutscher Top-Manager sorgen immer wieder für Aufregung. Im vergangenen Jahr konnten sich die Vorstände über ein kräftiges Plus freuen. Die Gehälter ihrer Beschäftigten stiegen im Vergleich schwächer.

Die Gehaltsschere bei Deutschlands Börsenschwergewichten ist im vergangenen Jahr wieder auseinandergegangen. Die Vorstände der 30 Dax-Unternehmen verdienten im Schnitt 52 Mal so viel wie ihre Mitarbeiter, wie aus einer am Donnerstag in Frankfurt vorgestellten Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München hervorgeht. Im Jahr zuvor hatten die Topmanager 50 Mal soviel kassiert. Im  Schnitt verdiente ein Vorstand demnach 3,6 Millionen Euro.

Den Angaben zufolge stieg die Vergütung der Dax-Vorstände angesichts sprudelnder Gewinne im Schnitt um 4,5 Prozent. Die Bruttolöhne und -gehälter in Deutschland seien dagegen nur um 2,5 Prozent gewachsen. "Der Trend der beiden vorausgegangenen Jahre hat sich damit gedreht", erläuterte Gunther Friedl vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre und Controlling der TU München.

Viel Geld für viel Verantwortung

Spitzenreiter ist wie schon im Vorjahr das derzeit wertvollste deutsche Unternehmen SAP. Mit durchschnittlich 5,7 Millionen Euro je Topmanager habe die Vergütung bei dem Softwareunternehmen knapp über der von Volkswagen gelegen. Die Vorstände des Autobauers kassierten den Angaben zufolge im Schnitt 5,6 Millionen Euro.

In einigen Dax-Konzernen mussten sich die Manager jedoch mit deutlich weniger begnügen als im Jahr zuvor. Dazu zählten die Deutschen Börse, der Versicherungsriese Munich Re und Bayer.

Gunther Friedl bezeichnete die Vergütungen insgesamt als angemessen. Er verwies auf die Verantwortung der Topmanager für im Schnitt mehr als 100 000 Beschäftigte und oft ein Vielfaches bei den Zulieferern.

Frauen haben weiterhin das Nachsehen

Der am besten bezahlte Unternehmenslenker war den Berechnungen zufolge erneut SAP-Chef Bill McDermott mit 12,9 Millionen Euro. Auf Rang zwei kam demnach der im Frühjahr abgelöste VW-Chef Matthias Müller (10,1 Mio.). Dritter wurde Harald Krüger von BMW (8,4 Mio.), gefolgt von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche (7,8 Mio.) "Ein durchaus überraschendes Ergebnis, wenn man sich die aktuellen Probleme der Branche ansieht", so DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler mit Blick auf die Autobauer und den Diesel-Abgasskandal.

Im Schnitt kassierten die Vorstandschefs der deutschen Börsenschwergewichte den Angaben zufolge 5,8 Millionen Euro. Das war deutlich mehr als die durchschnittliche Vergütung ihrer Vorstandskollegen von 3,2 Millionen Euro.

Gehaltsunterschiede gibt es auch zwischen Frauen und Männern in der Topetage. Männliche Vorstände verdienten 2017 durchschnittlich 3,7 Millionen Euro und damit deutlich mehr als ihre Kolleginnen, die auf 3,0 Millionen Euro kamen. Friedl führte die Differenz vor allem auf die unterschiedlichen Funktionen zurück. So gebe es nach wie vor in den Dax-Unternehmen keine einzige Frau an der Spitze.

Eine Frage der Perspektive

Nach jüngsten Berechnungen des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (IMU) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung verdiente ein  Vorstand 2017 im Mittel sogar 71 Mal so viel wie die Beschäftigten seines Unternehmens im Schnitt. Nach diesen Berechnungen verdient Frank Appel, Chef der Deutschen Post, 232 mal so viel wie seine Mitarbeiter im Schnitt.     

Es gibt allerdings verschiedene Berechnungsmethoden, etwa bei den erst mit Verzögerung ausgezahlten variablen Bestandteilen, die an den Unternehmenserfolg gekoppelt sind. Zudem berücksichtigte das IMU die Pensionsansprüche von Managern und Mitarbeitern.

Tüngler forderte, die Vorstände sollten ihre Altersvorsorge selbst organisieren. "Die einseitige Belastung der Unternehmen durch intransparente und umfangreiche Pensionszusagen gehört nicht mehr in das Repertoire moderner Vergütungssysteme."

dk/hb (dpa, afp)

 

Die Redaktion empfiehlt